Buchholz bei „Meer.Innovation“: Bergung von Munition ist eine zwingende nationale Aufgabe

In den Weltmeeren rosten gewaltige Mengen alter Munition vor sich hin. Allein in Nord- und Ostsee werden 1,6 Millionen Tonnen vermutet. Experten beraten bei der internationalen Konferenz «Kiel Munition Clearance Week 2021» über die Bergung der für Mensch und Natur gefährlichen Stoffe. Bietet das Thema für den Norden eine Chance?

Zur Stunde diskutieren in der Kieler Hermann-Ehlers-Akademie Experten mit Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz über Auswege aus dem Öko-Dilemma, das aus seiner Sicht technologisch auch eine Chance bietet. Mit auf dem Podium bei Moderatorin Nele Dageförde von der TransMarTech GmbH: Prof. Dr. Jens Greinert (GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung), Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach (Inspekteur der Marine), Jann Wendt, Gründer der auf Munitions-Kartierung spezialisierten Egeos GmbH.

Hier der aufgezeichnete Live-Stream der Veranstaltung:

Nach Einschätzung von Buchholz sind allein für den Start in die industrielle Bergung der Munition seien etwa 100 Millionen Euro notwendig. «Unsere Vision ist es, die Weltmeere bis 2100 frei von Munitionsaltlasten zu bekommen», sagt Egeos-Chef und Gründer des internationalen Munitionskatasters „Ammunition Cadastre Sea“, Jann Wendt.

Geomar-Wissenschaftler forschen bereits seit Jahren zu verschiedenen Aspekten. Das Institut werde seine wissenschaftlichen Arbeiten zum Aufspüren von Munition und zur Entwicklung von Lösungen für die Überwachung und Räumung fortsetzen, sagt Geomar-Direktorin Katja Matthes. Voraussichtlich noch 2021 sollen drei weitere Projekte starten. «Hierbei geht es neben technologischen Entwicklungen zur Sprengstoffdetektion im Wasser und einer durch künstliche Intelligenz unterstützen Einschätzung des Risikos durch individuelle Munitionsobjekte insbesondere um die ökologischen Auswirkungen von Munition im Meer», sagte Geomar-Experte Jens Greinert. Alle relevanten deutschen Forschungseinrichtungen zögen bezüglich der ökologischen Auswirkungen an einem Strang.

In deutschen Teilen von Nord- und Ostsee liegen nach Regierungsangaben in 71 belasteten Gebieten insgesamt rund 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition. Hinzu kommen etwa 5000 Tonnen chemischer Munition aus beiden Weltkriegen. Insgesamt sollen es in deutschen, dänischen, schwedischen, norwegischen und lettischen Gewässern 320 000 Tonnen sein.

Im April hatte die Umweltministerkonferenz laut Kieler Umweltministerium einem Antrag des Landes zugestimmt, den Monitoringbericht zu einer Handlungsempfehlung auszuweiten und somit den Weg für den Einstieg in die Bergung zu bereiten. Gefragt ist auch die Industrie. Die Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) hat bereits Pläne für eine industrielle Bergung von Munitionsaltlasten. Die Industrie- und Handelskammer geht allein für Schleswig-Holstein von Investitionen in mehrstelliger Milliardenhöhe aus, sieht aber auch Möglichkeiten für den Export von Technologien. «Kiel hat als Standort der maritimen Industrie und Meeresforschung die Chance, einen neuen Wirtschaftszweig zu etablieren und Schleswig-Holstein in den internationalen Fokus zu rücken», sagte IHK-Präsidentin Friederike Kühn.

Buchholz verweist auf die besondere Lage seines Landes zwischen zwei betroffenen Meeren. Das Problem mache nicht an den deutschen Grenzen halt. Es sei ein weltweites Problem. Die Forschung müsse weiter laufen, um das Bewusstsein für die Situation zu schärfen. Die Industrie sei gefordert, die Technik für große Bergungseinsätze bereitzustellen.

Land schliesst ergänzendes Verfahren zu neu entdeckten Riffen im Fehmarnbelt ab

Zehn Monate nach Abweisung sämtlicher Klagen gegen den Bau des Fehmarnbelttunnels durch das Bundesverwaltungsgericht hat das Land einen Planänderungsbeschluss für das Projekt erlassen. Darin werden bislang unentdeckte und geschützte Riffstrukturen in der Nähe der künftigen Tunneltrasse berücksichtigt. Wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz heute (7. September) dem Landeskabinett berichtete, wurde die Befreiung von den Verboten des gesetzlichen Biotopschutzes für zusätzliche Riffflächen erteilt. Zum Ausgleich werden neue Riffstrukturen angelegt. „Damit haben wir alle Hausaufgaben erledigt, die uns das Gesetz und letztlich auch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auferlegt hat“, sagte Buchholz. 

Bei den im letzten Jahr entdeckten Biotopen handelt es sich um drei Riffflächen im Einflussbereich des Tunnels. Die erste Fläche liegt zwei Kilometer nordöstlich des Fährhafens Puttgarden, westlich der Tunneltrasse, die zweite beginnt 300 Meter östlich vom Fährhafen und erstreckt sich entlang der gesamten Ostküste Fehmarns. Die dritte Rifffläche liegt etwa 1,6 Kilometer nordöstlich des Fährhafens. Die geplanten Kompensationsmaßnahmen grenzen unmittelbar nördlich an das FFH-Gebiet „Sagas-Bank“ und erstrecken sich über insgesamt 17,5 Hektar.

Wirtschaftsminister Buchholz erinnerte daran, dass seit vergangenem Jahr auf dänischer Seite bereits am Tunnel gebaut werde. Er sei zuversichtlich, auch auf deutscher Seite noch in diesem Jahr den offiziellen Startschuss für die Bauarbeiten im Bereich der Riffflächen geben zu können.

Der rund 20 Kilometer lange Tunnel zwischen Puttgarden auf Fehmarn und dem dänischen Rødby kostet rund 7,2 Milliarden Euro und wird allein von Dänemark finanziert. Der Tunnel selbst ist ein sogenannter Absenktunnel und wird aus 79 Standard-Elementen von je 217 Metern Länge und 10 Spezialelementen von je 47 Metern Länge zusammengesetzt.

Buchholz: Künftige Hilfsprogramme straffen und bei der Finanzverwaltung andocken

Buchholz und IB.SH-Chef Westermann-Lammers

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind im Norden fast zwei Milliarden Euro Wirtschaftshilfen von Bund und Land gezahlt worden. «Wir wollen Unternehmen in Schleswig-Holstein zielgerichtet und wirkungsvoll durch die Corona-Krise helfen», sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz  heute im Rahmen der Halbjahres-Pressekonferent der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH). Die aktuell im Vergleich zu 2019 geringere Zahl der Insolvenzen sei aber Beleg, «dass wir das eine oder andere Unternehmen mit durch diese Phase nehmen, obwohl es möglicherweise unter normalen Marktgegebenheiten schon aus dem Markt ausgeschieden wäre».

Für eine gesunde Wirtschaftsstruktur müssten die Hilfen endlich sein, sagte Buchholz. Es müsse wieder der Normalzustand erreicht werden. «Ansonsten laufen wir Gefahr, im Markt Verzerrungen zu erzeugen.» Zudem appellierte Buchholz an die künftige Bundesregierung, mögliche künftige Hilfsprogramme für Pandemien deutlich zu straffen und bei der Finanzverwaltung anzudocken.

Weiter sagte Buchholz dazu – Audio starten

Die klassischen Fördermittel der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH), unabhängig von der Pandemie, beliefen sich im ersten Halbjahr auf 1,6 Milliarden Euro (Vorjahr 1,3 Milliarden Euro). Rund 116 Millionen Euro gingen beispielsweise in den Ausbau von Schulen oder Kindertagesbetreuung, 441 Millionen Euro in Breitbandausbau oder Wasserwirtschaft. Im Immobilienbereich betrug das Fördervolumen 515 Millionen Euro. Für den Mittelstand wurden gut 229 Millionen Euro bereitgestellt. «An der Nachfrage nach unseren originären Förderprogrammen merken wir, dass viele gerade jetzt eine gute Basis für die Entwicklung nach der Pandemie schaffen», sagte der IB.SH-Vorsitzende Erk Westermann-Lammers.

Nach Tourismus-Halbjahresbilanz: ab 18.05 Uhr gehts auf der „Welle Nord“ erneut „zur Sache“

Am Donnerstag präsentierten Tourismusminister Buchholz und die Chefin unserer Tourismusagentur TA.SH, Bettina Bunge, die Halbjahresergebnisse 2021. Fazit: Obwohl das Beherbergungsgewerbe an nur 6 von 26 Wochen öffnen konnte, hat Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr ein gutes Ergebnis erreicht: Mit 8,78 Millionen Übernachtungen – das ist ein Rückgang von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – landet der echte Norden im Ranking der Bundesländer erstmals auf Rang 3.Heute Abend ab 18.05 Uhr wird die „Welle Nord“ des NDR noch einmal vertieft in das Thema einsteigen. Zu Gast bei Moderator Pascal Hillgruber werden nach NDR-Angaben sein:

  • Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein
  • Prof. Anja Wollesen vom Deutschen Institut für Tourismusforschung an der FH Westküste und
  • Thomas Liedl, Direktor des Maritim Hotels in Travemünde

Wer sich noch einmal ein paar Zahlen, Daten, Fakten sowie Einschätzungen ansehen und anhören möchte – hier unsere Pressekonferenz von Donnerstag im Livestream, Video starten

Buchholz: Disko-Projekt macht Mut zu mehr…

Keine Frage: es war aufwändig und für die teilnehmenden Betriebe auch defizitär, aber unterm Strich dennoch ein Gewinn. Denn das bundesweit erste Modell-Projekt für den Betrieb von Diskotheken unter Pandemiebedingen hat vor allem eines gezeigt: Ausgelassenes Feiern und Tanzen ohne Abstand sind – richtig organisiert – keine Corona-Infektionstreiber. Für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz seine „Meldung der Woche“, die den Gastronomen Mut machen sollte. Video starten

Die neuen StartUp-Stars des echten Nordens: beim 3. Überflieger-Wettbewerb gab’s diesmal 4 Sieger

Juri Klusak von Orthodrone beim Vorstellen seines Geschäftskonzepts

In nur sechs Minuten mit der eigenen Geschäftsidee überzeugen: Beim Finale des mittlerweile dritten landesweiten Überflieger-Wettbewerbs gaben gestern Abend im Gästehaus der Landesregierung sechs junge Unternehmen alles, um eine von drei Reise nach San Francisco und ins Silicon Valley zu gewinnen. Überraschung des Abends: Die Jury, die hauptsächlich aus den Sponsoren des Überflieger-Wettbewerbs besteht, finanzierte diesmal sogar kurzentschlossen eine vierte Reise ins Startup-Mekka.

„Wir haben kurzentschlossen zusammengeschmissen und anschreiben lassen, um in diesem Jahr ausnahmsweise sogar ein viertes Team in die USA zu schicken“, scherzte Wettbewerbs-Schirmherr, Wirtschaftsminister Bernd Buchholz bei der Siegerehrung. Er sagte weiter – Audio starten

Der „Überflieger“-Erstplatzierte: Jannes Köhler

Die meisten Stimmen der Jury erhielt Jannes Köhler für seine No-Code-Plattform Univelop. Nach der ersten Freude formulierte er bereits konkrete Wünsche für die Reise nach San Francisco: „Ich würde mich wirklich freuen, Investoren und Partner kennen zu lernen, die uns Wachstum und auch den Eintritt in den amerikanischen Markt ermöglichen.“

Auf seiner Reise ins kalifornische Gründungsmekka werde ihn die Gründer von Orthodrone und DayOff begleiten. Sie lagen gleich auf und ganz knapp vor IdeaChamp, die nun als viertes Startup in den Flieger steigen dürfen.

Hier die Siegerehrung als Live-Mitschnitt – Video starten

„Wir haben viele herausragende Startups in Schleswig-Holstein. Mit dem Überflieger-Wettbewerb geben wir ihnen eine Bühne hier vor Ort und schicken sie nach San Francisco und ins Silicon Valley, damit sie den Spirit hautnah erleben, Inspirationen sammeln und vor allem wichtige neue Kontakte aufbauen können“, erklärt Dr. Anke Rasmus, 1. Vorsitzende des Vereins StartUp SH, die Idee des Startup-Wettbewerbs. Mitveranstalter The Bay Areas e.V. fördert den Austausch und die Zusammenarbeit der Regionen San Francisco, Kiel und Schleswig-Holstein.

Anke Rasmus

„Für unsere Gewinner-Startups organisieren wir eine Reise mit möglichsten vielen persönlichen Treffen mit Investoren aus dem Silicon Valley und amerikanischen Startups“, beschreibt Axel Schulz, 1. Vorsitzender The Bay Areas den Gewinn. Im Moment stehen die Planungen durch die Corona-Pandemie auf Standby, aber sobald eine attraktive Reise möglich ist, werden die Überflieger abheben.

Aber auch für CarbonFreed und Plantobelly nutzen die Veranstalter ihre Kontakte ins Silicon Valley. Sie werden ihre Geschäftsideen in digitalen Pitches einem amerikanischen Investor vorstellen und direktes Feedback aus Sicht des amerikanischen Marktes erhalten.

Vor Ort in Schleswig-Holstein kann das Netzwerken sofort starten. Sowohl der Marketing Club Schleswig-Holstein als auch der Verein The Bay Areas übergaben den sechs Finalisten eine kostenlose Jahresmitgliedschaft. „Bei den richtigen Zielgruppen sichtbar zu sein und zu bleiben, ist für den Erfolg junger wie gestandener Unternehmen wichtig“, betonte Börrje Schneider vom MCSH-Vorstand und freut sich auf den Austausch mit den Gründerinnen und Gründern.

Der Überflieger-Wettbewerb findet bereits zum dritten Mal statt und wird von den drei Vereinen The Bay Areas, Marketing Club Schleswig-Holstein und StartUp SH zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus Schleswig-Holstein veranstaltet. Startups mit guten Ideen aus Schleswig-Holstein erhalten so die Chance, ihre Geschäftsidee einem breiten Publikum vorzustellen, den Spirit des Silicon Valley hautnah zu erleben und auf beiden Seiten des Atlantiks neue Kontakte aufzubauen. Der Wert pro Reise beträgt ca. 4.000 Euro.

Über die Startups:

Marko Ibsch

CarbonFreed | „Moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz bieten fast grenzenlose Möglichkeiten“, sagt CarbonFreed-Gründer Marko Ibsch. Mit seinem Startup setzt er sie ein, um den Zertifizierungsprozess von Stromerzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien zu automatisieren, insbesondere für den Bereich Photovoltaik. Fachkräfte werden von monotoner Arbeit entlastet, der der Fachkräftemangel kompensiert und die Bearbeitungszeit für Zertifikate auf 1/10 reduziert.

Lino Toran Jenner

DayOff | Lino Toran Jenner und Corin Freyer ist wertschätzende Teamarbeit wichtig und der zentrale Punkt ihrer Web-Applikation für nachhaltiges Soft Skill Training. Mit motivierende Challenges für alle Mitarbeitenden unterstützen sie gemeinsames Lernen, setzen künstliche Intelligenz ein, um bedarfsorientiertes Soft Skill Training zu ermöglichen und integrieren das Lernen durch praktische Anwendung direkt in den Arbeitsalltag.

Gerrit Jochims

IdeaChamp | Dr. Gerrit Jochims, Laura Röseberg und Dennis Struck haben eine Technologie entwickelt, mit der unternehmerische Innovationsideen nicht im Sand verlaufen, sondern einfach in die Umsetzung gebracht werden. Das Startup begleitet seine Kunden mittels Software und Beratungsleistungen bei ihren Innovationsprozessen und bindet dabei Mitarbeitende über alle Hierarchieebenen hinweg ein.

Juri Klusak

Orthodrone | Juri Klusak und Julian Teege haben wissenschaftliche Datenerfassung und Analysen von der Uni in die internationale Wirtschaft gebracht. Die hybriden Drohnen und hochgenaue Sensorik sind mittlerweile weltweit im Einsatz. Für seine Kunden modelliert und analysiert Orthodrone kritische Infrastruktur, wie Bauwerke für den öffentlichen Sektor, Hochspannungsleitungen und Vegetation für Netzbetreiber, Offshorebauteile, stromproduzierende Staudämme in den Alpen und Telekommunikationsmasten.

Plantobelly | Christian Hahn und Bastian Klemke lassen Bäume sprechen. Die Gründer von Plantobelly haben ein System zur professionellen Feuchtigkeitsüberwachung im Boden entwickelt, das bereits in mehreren Städten und auf einer Obstplantage im Einsatz ist. Das Startup unterstützt seine Kunden bei der Anpflanzung und Pflege von Straßenbäumen und Stadtbegrünung, die durch Klimawandel, verdichtete Böden und Wasserknappheit immer schwieriger und aufwendiger werden.

Univelop | „Mit unserem Bausteinsystem kann jeder seine eigene App erstellen. Auf jedem System. Ohne eine Zeile Code“, verspricht Univelop-Gründer Jannes Köhler. Mit seiner No-Code Plattform spricht das Startup alle an, die ihre Geschäftsprozesse digitalisieren möchten, dafür jedoch keine passende Software finden und denen individuelle Lösungen zu teuer sind. Durch die Kombination verschiedener Bausteine ist so ziemlich alles umsetzbar. Das Ergebnis ist eine intuitive Anwendung, die auf diversen Geräten läuft.

Buchholz: Der „Kaltstart“ des SH-Tourismus trägt Früchte – Platz 3 im Länderranking

Nach monatelangem Stillstand besteht im Tourismus Nachholbedarf. Schleswig-Holstein profitiert davon mehr als andere Länder. Im Länderranking klettert der Norden auf Platz drei. In einem Punkt war kein anderes Land im ersten Halbjahr besser.

Tourismus-Experten Bunge & Buchholz

Nach Platz drei im Inlands-Tourismus des ersten Halbjahres hofft Schleswig-Holsteins Branche auf viele Gäste in den kommenden Wochen. «Nach monatelangem Stillstand ist ein Aufwärtstrend im Tourismus erkennbar», sagte heute die Geschäftsführerin der Tourismusagentur, Bettina Bunge, bei der Vorstellung der Halbjahres-Tourismusbilanz mit Tourismusminister Bernd Buchholz. «Überall kamen Gäste in Strömen zu uns, sobald die Beherbergungs- und Freizeitbetriebe wieder öffnen konnten.»

Im Zuge der Corona-Pandemie gab es infolge des Stillstandes in den ersten Monaten – so war das wichtige Ostergeschäft weggefallen – aber einen Rückgang der Gästezahl um 22,8 Prozent auf 1,72 Millionen. Bei den Übernachtungen fiel das Minus mit 2,7 Prozent auf 8,79 Millionen deutlich geringer aus. Allerdings durften Hotels- und Ferienwohnungen auch nur sechseinhalb Wochen öffnen, zehn Wochen weniger als 2020. Nur in Bayern und Baden-Württemberg buchten Urlauber im ersten Halbjahr mehr Übernachtungen. Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) sprach von einer Aufholjagd.

Das gesamte Pressegespräch zum Nachschauen hier:

https://fb.watch/7MEZ8IrjOO/

Im Vergleich zum Rekordjahr 2019, als 3,93 Millionen Touristen in den ersten sechs Monaten 14,55 Millionen Übernachtungen buchten, gebe es im Norden nur einen Rückgang um 39,7 Prozent. «Damit sind wir mit Abstand das beste Bundesland.» In den anderen Ländern betrage der Rückgang mindestens knapp 60 Prozent.  «Die touristischen Modellprojekte ab April haben Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr einen strategischen Vorteil für den Urlaubstourismus verschafft», sagte Buchholz. Noch nie habe das Land im Ranking der Länder Platz drei belegt. Im Vorjahreszeitraum war es Rang 5. Rückläufig ist allerdings die Zahl der Unterkünfte. Waren es 2019 vor Corona noch 3957, sank ihre Zahl über 3813 (2020) auf zuletzt 3743. «Wir haben über zwei Jahre mehr als 200 Betriebe verloren, das ist nicht wenig», sagte Buchholz.

Beliebtestes Reiseziel im Inland war Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr für Campingurlauber. Sie buchten knapp 1,5 Millionen Übernachtungen auf den 267 Campingplätzen, gut ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum und auch 3,8 Prozent mehr als 2019, im Jahr vor der Pandemie.

Mit Blick auf die kommenden Monate zeigten sich Bunge und Buchholz erwartungsfroh. «Auch für die zweite Jahreshälfte haben sich viele Gäste für Schleswig-Holstein entschieden und schon ein Quartier gebucht», sagte Bunge. Für Juli und August würden Top-Ergebnisse erwartet. Der Branche gehe es aber nicht nur um quantitatives Wachstum. «Wir wollen Schleswig-Holstein weiter als Ganzjahres-Destination entwickeln.»

Für Buchholz geht es nicht nur darum, mehr Arbeitskräfte für die Branche zu gewinnen, sondern mehr Tourismusakzeptanz im Land zu erreichen. «Viele Einheimische sorgen sich, dass teilweise zu viele Gäste vor Ort sind und ihre Interessen nicht ernst genommen werden.» In der Branche gebe es 160 000 Arbeitsplätze. Hotel-Neubauten seien aber notwendig, weil alte Anlagen ausschieden oder nicht mehr den Ansprüchen der Urlauber genügten. «Aber niemand will Tourismus im Land dadurch erreichen, dass wir die Küsten zubetonieren.»

Die Urlauber blieben im Frühjahr im Schnitt 5,1 Tage in Schleswig-Holstein, einen Tag mehr als 2020. Im ersten Halbjahr war die Gemeinde Sylt mit 725 331 Übernachtungen am beliebtesten, gefolgt von Sankt Peter-Ording (455 813) und Lübeck (417 863). Sorgenkind ist weiter die Tagungs- und Veranstaltungswirtschaft.

Buchholz zum SH-Disco-Modellversuch: Feiern ohne Maske und Abstand ist sicher möglich

Die Landesregierung hat Betreibern von Diskotheken Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Aussicht gestellt. «Mit einem Test- und Kontrollregime können wir dieser gebeutelten Branche wieder eine Perspektive geben», sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz heute nach der Kabinettssitzung in Kiel.

Buchholz mit Corona-Experten Ott (rechts) und Disco-Betreiber Claussen

Im Rahmen eines Modellprojekts hatten seit Juli drei Diskotheken insgesamt 2.880 Gäste empfangen – ohne sich dabei auch nur im Geringsten als Infektionstreiber zu erweisen. Buchholz wertet das als Erfolg: «Es gibt sehr wohl eine Möglichkeit, sicher Partys zu feiern.» Zu den Teilnehmern gehörte auch das «Joy» in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg). Betreiber Joey Claussen appellierte an den Minister: «Egal ob 2G oder 3G – öffnen Sie bitte endlich unsere Läden.»

Dass ein Disco-Besuch in Pandemiezeiten – wenn auch mit einigem Aufwand – möglich und sicher ist, das zeigt die Auswertung der Modellprojekte. Laut Buchholz und dem Corona-Experten Prof. Dr. Stephan Ott – der die Projekte wissenschaftlich begleitet hatte – verhindern gute Lüftungsanlagen und ein strenges Testregime Ansteckungen in den Lokalen.

Buchholz und Ott sagte heute im Rahmen einer Pressekonferenz – Video starten

Zutritt zu den drei Modell-Diskos erhielt nur, wer geimpft oder genesen war oder einen maximal sechs Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen konnte. Außerdem gab es Vorgaben für Nachtestungen, um die Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen wissenschaftlich auswerten zu können. Im Joy in Henstedt-Ulzburg und im Horizon in Oldenburg fanden jeweils drei Veranstaltungen statt, das Flensburger Bootshaus musste das Modellprojekt nach zwei Veranstaltungen abbrechen, da die Sieben-Tages-Inzidenz im Kreis über 35 gestiegen war.

Laut Ott und Buchholz zeige die wissenschaftliche Auswertung der Daten, dass die engen Vorgaben Infektionen bei den Veranstaltungen verhinderten. Lediglich vier positive Tests gab es im Anschluss an die Feiern, eine Ansteckung in der Disco selbst sei laut den Gesundheitsämtern aber unwahrscheinlich. «Im Modell-Zeitraum war in den drei Kreisen die Inzidenz zwar gestiegen, das war aber ein genereller Trend und ist eher auf Reiserückkehrer und den Schulstart zurückzuführen. Bei den Partys hat sich niemand angesteckt, soweit wir wissen», betonte Buchholz. Besonders positiv sei außerdem die teilweise hohe Quote der Geimpften und Genesenen. Bei einer Party im Horizon in Ostholstein lag sie bei 74 Prozent.

Und diese Bilanz zieht „Joy“-Betreiber Joey Clausen aus Henstedt-Ulzburg

Die Modellprojekte zeigten, dass die Öffnung von Diskotheken unter kontrollierten Bedingungen sicher sei, sagte der Minister weiter. «Mit einem Test- und Kontrollregime können wir dieser gebeutelten Branche wieder eine Perspektive geben.» Auch die Lüftungsanlagen hätten sich bewährt, das zeigten die CO2-Messungen während der Veranstaltungen. Die Erkenntnisse aus den Modellprojekten seien eine wichtige Grundlage, um mögliche Öffnungsschritte vorzubereiten, so Buchholz. Verpflichtende Nachtestungen solle es hingegen nicht mehr geben. «Die waren für die wissenschaftliche Begleitung entscheidend. Aber nur etwas mehr als die Hälfte der Tests nach der Veranstaltung wurden überhaupt an die Veranstalter gemeldet. Hier könnte vielleicht über Erinnerungsmails oder Anreize der Diskotheken wie Ticketverlosungen nachgedacht werden. Denn sinnvoll sind die Nachtestungen allemal,» so der Minister.

Buchholz: August-Arbeitsmarkt in Sommerlaune und Wirtschaft weiter wetterfest

Schleswig-Holsteins Arbeitsmarkt zeigt sich aus Sicht von Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz in Sommerlaune und die Wirtschaft angesichts sinkender Firmenpleiten weiter wetterfest: So sank die Zahl der Arbeitslosen im August im Vergleich zum Juli um 4.100 Personen, 85.200 Menschen waren ohne festen Job. „Das waren 12.400 Arbeitslose weniger als im Vorjahresmonat und es gibt allen Grund zu Optimismus, dass sich dieser Trend im Herbst fortsetzen wird“, sagte Buchholz zu den heute vorgelegten Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Juli um 0,3 auf 5,4 Prozent. Die Zahl der Firmenpleiten ging gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 um 13 Prozent zurück

Als besonders erfreulich bezeichnete es Buchholz, dass die positive wirtschaftliche Entwicklung auch Langzeitarbeitslosen wieder eine Perspektive am Arbeitsmarkt eröffne. So sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Vormonatsvergleich um 1,4 Prozent auf 34.313 Betroffene . Ebenso sei die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen von aktuell 8.328 aufgrund des Ausbildungs-Starts deutlich zurückgegangen – und zwar um 8,6 Prozent gegenüber dem Vormonat und 23,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Zur Lage am Arbeitsmarkt und zur Situation der Betriebe im echten Norden sagte Buchholz weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Wie Buchholz sagte, habe das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in mehreren Studien die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt untersucht. „Und je spezialisierter die Unternehmen in einer Region unterwegs sind und je höher die Beschäftigten qualifiziert sind, desto besser sind sie gegen Krisen gewappnet“, so der Minister. Er erinnerte daran, dass das Land Bildungsträger fördert, die zusammen mit kleinen und mittelständischen Betrieben berufliche Qualifizierungsmosdule entwickeln und erproben.

Als Beispiel nannte Buchholz Module zur Datenanalyse- und Interpretation, Lehr- und Lernhilfen für Auszubildende in der Branche der Erneuerbaren Energien sowie in der Informationstechnologie. Bildungsträger können bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein (www.ib-sh.de) bis zum 30. September entsprechende Anträge stellen. Mit Blick auf den Ausbildungsmarkt und der bevorstehenden „Digitalen Woche“ in Kiel vom 12. bis 19. September appellierte Buchholz auch an junge Menschen, weiter nach Ausbildungsplätzen zu schauen: „Neben einem Studium bietet auch eine betriebliche Ausbildung oder eine Kombination aus beidem beste Karrierechancen.“

Die Zahl der Firmenpleiten im Norden sank im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich um 13 Prozent auf 258. Verglichen mit der ersten Hälfte des Vor-Corona-Jahres 2019 waren das sogar 33 Prozent weniger, wie das Statistikamt Nord heute mitteilte. Derweil ist die Zahl der Verbraucherpleiten enorm gestiegen, und zwar «so stark, dass schon im ersten Halbjahr 2021 mit 2033 Fällen die Zahl für das gesamte Jahr 2020 um neun Prozent überschritten wurde».

Die absolut höchste Zahl an Firmen- und Privatinsolvenzen zählten die Statistiker in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Pinneberg. Gemessen an der Zahl der Unternehmen beziehungsweise Einwohner «war jedoch jeweils die kreisfreie Stadt Neumünster am stärksten betroffen».

Das niedrige Niveau der Firmenpleiten erklären die Statistiker auch damit, dass erst seit dem 1. Mai wieder die volle Antragspflicht bei Insolvenz gilt. Normalerweise muss ein Insolvenzantrag spätestens drei Wochen nach Eintritt eines Insolvenzgrunds gestellt werden.

Wegen der Pandemie hatte die Bundesregierung im Frühjahr 2020 die Meldepflichten für Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit außer Kraft gesetzt. Für Zahlungsunfähigkeit galt die Antragspflicht seit Oktober wieder, für überschuldete Firmen blieb sie unter bestimmten Voraussetzungen bis Ende April ausgesetzt. «Ob damit die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steigen wird, wird sich voraussichtlich im zweiten Halbjahr zeigen», so die Statistiker.

Buchholz: Nun liegt der Strassen-Anbindung des Fehmarnbelttunnels kein Stein mehr im Weg

Ende eines jahrelangen zähen Tauziehens um die Straßenanbindung des künftigen Fehmarnbelt-Tunnels in Ostholstein: Mit einem außergerichtlichen Vergleich haben das Land und die skandinavische Reederei Scandlines diese Woche endgültig den Weg für den autobahnähnlichen Ausbau der B 207 zwischen Puttgarden und Heiligenhafen freigemacht.

Für Verkehrsminister Bernd Buchholz seine „Meldung der Woche“ – Video starten.

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus