Einigung im Tauziehen um Tönnies-Konzern?

toennies_fleischIm Streit um die Vorherrschaft über Deutschlands größten Fleischkonzern, die Tönnies-Gruppe, arbeiten beide Parteien an einer außergerichtlichen Einigung. Das berichteten heute die «Neue Osnabrücker Zeitung» (NOZ) und das «Handelsblatt». Eine neue Familienholding soll den Machtkampf beenden, bestätigte ein Sprecher von Clemes Tönnies am Nachmittag. Danach befinden sich die beiden Gesellschafter Clemens und Robert Tönnies in Gesprächen über eine Neuordnung der Gruppe. Beide sollen künftig als gleichberechtigte Gesellschafter die Familien-Holding führen.

Erst im März hatte die Unternehmensgruppe Tönnies die Rüdiger Thomsen Schlacht- und Zerlegebetriebe aus Bad Bramstedt und Kellinghusen übernommen. Dort sind 85 Mitarbeiter beschäftigt.

Ziel der außergerichtlichen Gespräche sei es, Fragen zur Nachfolge, zu Beteiligungen und zur operativen Führung zu beantworten und damit die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten zu beenden. Clemens Tönnies hatte beiden Medien die bisher geheimen Gespräche bestätigt: «Ich bin hoffnungsfroh, dass wir das hinkriegen.» Zu den Verhandlungsfragen zählt auch der Umgang mit der bisher Clemens Tönnies privat gehörenden Zur Mühlen-Gruppe («Böklunder»). Zur Mühlen (2000 Mitarbeiter, 600 Millionen Euro Umsatz) soll in die gemeinsame Holding eingebracht werden. Grundlage sei eine «faire Bewertung» des Wurst-Herstellers.

Zuletzt standen sich beide Parteien am 20. April vor dem Bielefelder Landgericht gegenüber. Robert Tönnies verlangte dort, eine Übertragung von Unternehmensanteilen an seinen Onkel Clemens wegen groben Undanks rückabzuwickeln. Damit würden die Machtverhältnisse im Konzern kippen, nachdem Clemens Tönnies bereits das doppelte Stimmrecht verloren hatte. Clemens Tönnies, auch Aufsichtsrats-Chef beim Fußballclub Schalke 04, wehrte sich gegen die Vorwürfe.

Prokon vor Übernahme durch EnBW?

 

 Mit der Übernahme des insolventen Windkraftunternehmens Prokon will der drittgrößte deutsche Energiekonzern sich in Richtung Erneuerbare Energien neu ausrichten. Ob das klappt, entscheidet aber erst eine Prokon-Gläubigerversammlung im Juli

Der Energieversorger EnBW will die insolvente Windenergie-Firma Prokon für rund eine halbe Milliarde Euro übernehmen. Das Unternehmen reichte nach einer Mitteilung vom gestern Abend ein verbindliches Angebot zum Erwerb sämtlicher Prokon-Anteile ein. Der Gläubigerausschuss des Unternehmens in Itzehoe (Schleswig-Holstein) habe EnBW als «bevorzugten Investor» ausgewählt, teilten das Unternehmen und der Prokon-Insolvenzverwalter mit. EnBW lädt für heute zu einer Telefonkonferenz über ihre Pläne ein.

Der angebotene Kaufpreis umfasse einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, teilte EnBW mit. Das Handelsblatt hatte am Montag unter Berufung auf Branchenkreise berichtet, dass EnBW ein Angebot über 500 Millionen Euro unterbreiten wolle. Zuvor hatte auch der Hamburger Solar- und Windparkbetreiber Capital Stage ein Angebot für 94,9 Prozent der Prokon-Anteile gemacht. «Wir bedauern diese Entscheidung», kommentierte Felix Goedhart, Vorstandsvorsitzender der Capital Stage AG, die Entscheidung zugunsten von EnBW.

Mit der Entscheidung des Gläubigerausschusses ist aber nicht endgültig entschieden, ob der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW auch neuer Prokon-Inhaber wird. Erst eine Gläubigerversammlung Anfang Juli stimmt darüber ab, ob Prokon in eine Genossenschaft mit vielen Anteilseignern umgewandelt oder gänzlich veräußert werden wird.

Passen würde die Prokon-Übernahme aber in die Strategie des Karlsruher Unternehmens, dass sich vom Atomkonzern zum Ökostromanbieter wandeln will. «Mit einem Erwerb der Prokon würde EnBW einen großen Schritt im Hinblick auf ihre strategischen Ausbauziele im Bereich der Erneuerbaren Energien machen und ihr Wachstum in diesem Bereich deutlich beschleunigen», schrieb EnBW zu seinen Übernahme-Absichten.

Meyer zum Bahnstreik-Ende: Nicht erneut die Zumutbarkeits-Grenze überschreiten

BahnDer achte Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn ist vorbei. Der bisher längste Ausstand der Lokführergewerkschaft GDL sei wie geplant heute früh um 9.00 Uhr beendet worden, sagte ein Sprecher der GDL in Frankfurt am Main. Nach Angaben der Bahn wird es aber noch eine Weile dauern, bis der bundesweite Zugverkehr wieder normal rollt. Am Sonntag bleibt noch vor allem im Fernverkehr ein Ersatzfahrplan in Kraft. «Im Laufe des Sonntagnachmittags soll bereits ein Großteil der Züge wieder regulär fahren», betonte die Bahn in ihrem Verkehrskonzept.

Die GDL plant vorläufig keine weiteren Bahnstreiks. «Das Land und die Bahnkunden haben jetzt eine Pause verdient – und die Bahn eine Nachdenkpause zum Reagieren», sagte GDL-Chef Claus Weselsky der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer appellierte vor diesem Hintergrund vor allem an die GDL, die Grenze des Zumutbaren, die vergangene Woche überschritten worden sei, nicht erneut auszureizen.

Meyer sagte (Audiopfeil klicken):

Meyer: Wir brauchen Ferienwohnungen – auch in reinen Wohngebieten

 

Eine Bundesrats-Initiative will Vermietung von Ferienappartments in reinen Wohngebieten erlauben. Eine Neuregelung gibt es frühestens Ende des Jahres. Dazu berichtet das Flensburger Tageblatt:

Die Rechtswidrigkeit zahlloser Ferienwohnungen in Schleswig-Holstein lässt sich frühestens Ende des Jahres abstellen. So lautet die Prognose von Experten im Wirtschafts- und Innenministerium in Kiel.

Bis dahin könnte eine für den Tourismus im Norden wichtige Änderung der Baunutzungsverordnung in Kraft getreten sein. Sie soll die bisher rechtlich nicht vorgesehene Existenz von Ferienwohnungen in reinen Wohngebieten ausdrücklich ermöglichen. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) kündigte an, die Kieler Koalition werde eine entsprechende Bundesrats-Initiative aus Mecklenburg-Vorpommern unterstützen.

Meyer sagte dem Tageblatt (Audiopfeil klicken):

Das Problem ist in beiden Küstenländern das Gleiche, war aber von Klägern aus Mecklenburg-Vorpommern bis zum Bundesverwaltungsgericht ausgefochten worden. Anwohner aus einem reinen Wohngebiet fühlten sich davon gestört, dass in ihrer Nachbarschaft Wohnungen von ständig wechselnden Urlaubern bevölkert werden. Die Bundesverwaltungsrichter gaben ihnen 2013 Recht. Daraufhin gingen auch in Schleswig-Holstein vereinzelt Bürger in Küstenorten juristisch gegen Ferienwohnungen in Wohngebieten vor, unter anderem auf Fehmarn und in Heiligenhafen.

Touristiker versetzt das in Alarmstimmung. Allen voran Wirtschaftsminister Meyer, im Ehrenamt zugleich Präsident des Deutschen Tourismusverbands. „Ferienwohnungen haben für Schleswig-Holstein eine enorme Bedeutung“, sagt er. „Deshalb brauchen wir für bestimmte Gemeinden eine saubere Regelung.“ In einzelnen Ferienorten machen Ferienwohnungen bis zu 80 Prozent aller Unterkünfte aus. Landesweit entfallen von rund 318.000 Gästebetten rund 192.000 auf Ferienwohnungen und teils Ferienhäuser.

Wie viele davon in reinen Wohngebieten liegen, ist bisher nicht bekannt. Bis zum 8. Juni sollen die für die Bauaufsicht zuständigen Kreise dazu eine Übersicht zusammenstellen. Insider gehen jedenfalls von einer nicht gerade geringen Zahl aus und sprechen seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von einer „hochbrisanten Angelegenheit“.

Dass das Problem nicht schon früher Wellen geschlagen hat, erklären sie schlicht mit dem Umstand „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Gerade in Schleswig-Holstein liegt ein überproportional hoher Anteil der Ferienwohnungen in normalen Einfamilienhäusern, weil sich viele Bürger in Küstenregionen damit ein Zubrot verdienen.

Meyer betont, er habe der Landesregierung in Schwerin bereits im vergangenen Jahr zugesagt, deren Bundesrats-Initiative zu unterstützen. Demgegenüber hatte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Johannes Callsen, Meyer Passivität vorgeworfen. „Wegen der Untätigkeit des Kieler Wirtschaftsministeriums wird es bis zur Feriensaison auch in diesem Jahr noch keine Rechtssicherheit für die Besitzer von Ferienwohnungen geben“, hatte Callsen beklagt.

Auch der Innen- und Rechtsausschuss des Landtags sah jetzt die Notwendigkeit, noch einmal Druck zu machen: Auf Initiative der FDP beschloss er – mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen –, die Landesregierung solle sich im Bundesrat für die Änderung der Baunutzungsverordnung einsetzen.

In Meyers Ministerium verweist man darauf, dass der Fahrplan zu einer Lösung von weiteren Mitspielern beeinflusst wird. Der Innen- und Rechtsausschuss des Bundesrates habe auf Antrag Baden-Württembergs beschlossen, die Abstimmung über die Bundesratsinitiative Mecklenburg-Vorpommerns auf den Herbst 2015 zu vertagen.

Grund sei „der Wunsch, zunächst die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe der Fachkommission Städtebau abzuwarten, die ihre Tätigkeit im Herbst abschließen und das Ergebnis der Bauministerkonferenz vorlegen wird“. Deshalb könne die Baunutzungsverordnung in veränderter Form frühestens zum Jahreswechsel in Kraft treten.

Meyer zur Pkw-Maut: Wir setzen auf die Rechts-Prüfung durch die EU

Mautbruecke an der A7 Hoehe Huettener Berge Richtung Norden. Maut Niemand keiner Wirtschaft Transport Verkehr Straße Straßen Strasse Strassen Maut Mautbruecke Mautbruecken Bruecke Autobahn Autobahnen Querformat QF Außen Außenaufnahme aussen Aussenaufnahme draußen draussen PresseONLY Copyright/Foto:grafikfoto.de
Lkw-Mautbruecke an der A7

Der Bundesrat hat heute das umstrittene CSU-Wunschprojekt Pkw-Maut durchgewunken. Damit nahmen die Gesetze von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die letzte parlamentarische Hürde und sind nun endgültig beschlossen.

Weil Schleswig-Holstein das Gesetz nur noch hätte verzögern, aber keinesfalls mehr verhindern können, gab Ministerpräsident Torsten Albig seine bisherige Blockadehaltung schließlich auf.

Dazu sagte Albigs Verkehrsminister Reinhard Meyer heute in Kiel (Audiopfeil klicken):

Starten soll die Maut 2016, an einem noch nicht genannten Termin. Sie gilt für inländische Autobesitzer auf Autobahnen und Bundesstraßen, für Pkw-Fahrer aus dem Ausland nur auf Autobahnen. Inländer entrichten im Schnitt 74 Euro Jahresmaut, je nach Größe und Umweltfreundlichkeit des Autos. Sie sollen ihr Geld über eine niedrigere Kfz-Steuer zurück bekommen.

Die CSU hatte befürchten müssen, dass die rot-grün dominierte Länderkammer die Maut auf den letzten Metern noch einmal aufhalten könnte, um nachträglich Ausnahmen für Autobahnabschnitte in Grenznähe durchzusetzen.

Meyer: Her mit dem Handelsabkommen – aber unter 3 Bedingungen

Die EU sollte nach Ansicht des Kieler Wirtschaftsministers Reinhard Meyer ein Freihandelsabkommen mit den USA abschließen, bevor China das tut. Allerdings seien klare Bedingungen zu erfüllen, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur am Rande der am Freitag in Osnabrück endenden Konferenz der Verbraucherschutzminister. So dürften Arbeitnehmer- oder Verbraucherschutzstandards nicht gesenkten werden. Zudem müssten einem solchen Abkommen die Parlamente und auch der Bundesratzustimmen, damit es eine demokratische Legitimation bekommt.

Meyer sagte der dpa weiter (Audiopfeil klicken):


Im Hinblick auf rechtliche Auseinandersetzungen sollte mit den USA ein Handelsgerichtshof eingerichtet werden, der seine Entscheidungen offen kommuniziert, sagte Meyer. Dieser Vorschlag von Bundesminister Sigmar Gabriel (SPD) sei der richtige Weg, statt Entscheidungen Schiedsgerichten zu überlassen, die nicht transparent arbeiteten. 

«Die Grundlage des Wohlstandes in Deutschland haben wir durch den Freihandel erzielt», sagte Meyer. «Das Exportmodell Deutschland funktioniert nicht nur bei großen Unternehmen, sondern auch bei den vielen kleineren und mittleren, wie wir sie in Schleswig-Holstein haben. Davon profitieren die Arbeitnehmer, dadurch entstehen Arbeitsplätze.»

Land und Landwirte besiegeln Kompromiss für Werbeschilder von Direktvermarktern

Warleberg
Meyer (links) mit Bauernverbandspräsident Werner Schwarz (rechts) und Henrik Buchenau vom Gutshof Warleberg bei Kiel

Schleswig-Holsteins Bauernverbandspräsident Werner Schwarz und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer haben den Kompromiss zu Werbeschildern von Direktvermarktern endgültig besiegelt: „Wir haben die bisherigen Regelungen, die formal unter das Straßenverkehrsrecht fallen, deutlich großzügiger ausgelegt als in der Vergangenheit und bringen die für das Land wirtschaftlich wichtige Direktvermarktung damit hoffentlich ein erhebliches Stück voran“, sagte Meyer soeben  bei einem Ortstermin auf dem Obsthof „Gut Warleberg“ in Neuwittenbek bei Kiel.

Bauernverbands­präsident Werner Schwarz: „Auch wenn die Neureglung – wie bei jedem Kompromiss – sicher nicht jeden Streitfall in Zukunft vermeiden wird, so haben wir für unsere Mitglieder doch eine insgesamt tragfähige und gute Lösung erarbeitet.“

Meyer sagte gegenüber dem Schleswig-Holstein-Magazin des NDR (Audiopfeil klicken):

(Mehr dazu auch heute Abend im NDR-Schleswig-Holstein-Magazin um 19.30 Uhr sowie morgen in den Ausgaben der „Kieler Nachrichten“ und der „Eckernförder Zeitung“)

Meyer hob besonders die Neuregelung der Abstände in dem neuen Erlass hervor: Während früher eine Werbetafel in maximal 500 Metern Entfernung vom Hof aufgestellt werden durfte, so sei dies nun in bis zu drei Kilometern Luftlinie erlaubt. „Das hilft nicht nur den Erzeugern, sondern gleichermaßen auch Einheimischen und Gästen unseres Landes, bei denen der direkte Hof-Einkauf von Obst, Spargel oder anderen landwirtschaftlichen Produkten immer beliebter wird“, sagte Meyer. Schwarz erinnerte daran, dass gerade abgelegenen Betrieben durch die Neuregelung eine bessere Chance eröffnet werde, ihre Produkte direkt zu bewerben.

Meyer und Schwarz appellierten an die Betriebe, sich auch künftig rechtzeitig bei den jeweiligen Niederlassungen des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV-SH) Genehmigungen für die Werbetafeln einzuholen. Es sei deshalb wichtig, sich möglichst schon sechs Wochen vor Saisonstart mit dem LBV in Verbindung zu setzen und die geeigneten Aufstellplätze abzusprechen.

Wie in der Vergangenheit seien die Behörden auch weiterhin bereit, die vorübergehende Aufstellung von Werbeanlagen auf privatem Grund ohne förmliches Antrags- und Genehmigungsverfahren zu dulden, wenn dadurch weder die Sicherheit des Straßenverkehrs noch andere öffentliche Belange beeinträchtigt werden.

Termine heute: Radweg, Direktvermarkter, Westdialog, Eiderbrücke, Verbraucherschutz-Konferenz

Die presserelevavten Termine des Wirtschaftsministers und seines Staatssekretärs heute: 

Für Frühaufsteher: 8.15 Uhr Ortstermin mit Meyer und Landtagsabgeordneten am Radweg der L 76 in Borstel-Hohenraden (mit MdL’s Kai Vogel, Eka von Kalben, Peter Lehnert). Hier wird die L 76 auf 6,3 km und der Radweg auf 1,5 km Länge saniert
Termin mit Kanalblick und frischem Obst: 10.15 Uhr, gemeinsam mit Bauernverbandspräsident Werner Schwarz besucht Meyer den Obst-Direktvermarkter Gut Warleberg in Neuwittenbek bei Kiel. Hier wird nach monatelangem Tauziehen der Kompromiss für das Aufstellen von Werbetafeln für Direktvermarkter besiegelt.

12 Uhr: Staatssekretär Frank Nägele beim „Westdialog“ in Dagebüll und anschließend ab 16 Uhr an der reparaturfälligen Eiderbrücke in Tönning

18 Uhr: Meyer im Kamingespräch der Verbraucherschutzminister-Konferenz in Osnabrück. Themen u.a.: Mehr Klarheit und Wahrheit von Grundpreisangaben bei Waren, Stärkung des Verbraucherschutzes bei Immobilienkäufen, Begrenzung der Vorfälligkeitsentschädigung bei Immobilienkrediten.

Land eröffnet Flüchtlingskonferenz – Chance für Unternehmen

fluechtlinge-nordafrikaDie schleswig-holsteinische Landesregierung will zur Stunde auf einer Konferenz mit rund 500 Teilnehmern den sogenannten Flüchtlingspakt vorstellen. Zehn Arbeitsgruppen haben sich im Vorfeld des Flüchtlingsgipfels mit verschiedenen Fragen rund um Asylsuchende und ihrer Integration in Schleswig-Holstein beschäftigt. Hier einige Beispiele für Bereiche, in denen Handlungsbedarf gesehen wurde oder wird.

Zu den Aspekten des Arbeitsmarktes sagte Arbeitsminister Reinhard Meyer (Audiopfeil klicken):

UNTERBRINGUNG: Bis zu 20 000 Asylsuchende werden dieses Jahr in Schleswig-Holstein erwartet. Nach der Erstaufnahme werden sie auf die Kommunen verteilt. Eine Mammutaufgabe, auch finanziell. Städte und Gemeinden finden nicht auf die Schnelle ausreichenden Wohnraum. Auch wie die Flüchtlinge verteilt werden sollen, wird diskutiert – nach einem festen Schlüssel oder nach anderen Kriterien. Wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte, soll über eine Neuverteilung der Flüchtlinge bis Ende des dritten Quartals Einvernehmen mit den Landräten und Bürgermeistern erzielt werden. Die Gespräche hätten noch nicht angefangen. Spürbare finanzielle Hilfen für die kommunale Ebene sollen im Flüchtlingspakt bereits enthalten sein.

ERSTAUFNAHME: In den drei Universitätsstädten des Landes sollen neue Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge entstehen. Flensburg, Lübeck und Kiel sollen jeweils rund 600 Flüchtlinge in Campusnähe aufnehmen. Ziel ist es, die bisherige Zahl der Erstaufnahmeplätze von 1350 (Neumünster und Boostedt ab Herbst 2015) auf rund 3200 zu erhöhen. Die neuen Erstaufnahmen könnten in der geplanten Größe eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration erhalten, und auch die Einrichtung einer eigenen Polizeiwache wie in Neumünster und Boostedt würde so ermöglicht.

SPRACHE und BILDUNG: In der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster soll es künftig Sprachkurse für Erwachsene geben. Und auch schulpflichtige Kinder sollen bereits hier eine schulvorbereitende Förderung erhalten. Zudem werden die Deutsch-als-Zweitsprache-Zentren in den Kommunen personell aufgestockt. Dort würden die Kinder zunächst unterrichtet, und auch auf der Regelschule gehe die Sprachförderung weiter, sagte Innenminister Stefan Studt (SPD) im März im Landtag. Dafür stellt die Landesregierung weitere 125 Lehrkraftstellen und zusätzliche Mittel im Umfang von 7,7 Millionen Euro bereit.

BETREUUNG UND EHRENAMT: Ehrenamtler bewältigen einen Großteil der Flüchtlingsarbeit. Da diese aber sehr komplex ist, wie der Bischof der Nordkirche, Gothart Maagard, sagte, brauchen sie dringend professionelle Ansprechpartner seitens des Landes. Die Nordkirche stellt in jedem der neun Kirchenkreise einen hauptamtlichen Flüchtlingsbeauftragten ein, der Gemeinden in ihrer Arbeit beraten und unterstützen soll. Außerdem wurde ein Leitfaden für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit herausgegeben. Doch auch die Flüchtlinge selbst brauchen professionelle Beratung. Die Diakonie fordert daher mehr Mittel für die vom Land finanzierte Migrationssozialberatung.

ARBEIT UND AUSBILDUNG: Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sind Ausbildung und Arbeit neben Sprachkenntnissen absolute Voraussetzungen für die Integration. Daher sollen sich Flüchtlinge bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen über den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt informieren können. Zudem soll erfragt werden, welche Kompetenzen, Abschlüsse und Berufserfahrung ein Asylsuchender hat. So könnten den Flüchtlingen vor der Verteilung auf die Kommunen den Kompetenzen entsprechende Angebote gemacht werden. Meyer möchte zudem erreichen, dass Flüchtlinge nach dem Abschluss einer dreijährigen Ausbildung die Möglichkeit haben, mindestens zwei Jahre in dem erlernten Beruf zu arbeiten. Die Wirtschaft begrüßt diese Initiativen mit Blick auf den Fachkräftebedarf.

SH-Tourismusbarometer steht auf „Sonne“ – Branche bleibt aber ehrgeizig

Der Tourismus boomt in Schleswig-Holstein – und das nicht mehr nur im Sommer. Für den Wettbewerb mit den Nachbarländern sieht sich das nördlichste Bundesland gut gewappnet. Doch die Branche bleibt ehrgeizig. Vor allem die Qualität soll weiter steigen.

Sylt_3Über dem Tourismus in Schleswig-Holstein scheint die Sonne. Mit kräftigen Zuwächsen auf Rekordwerte im Vorjahr und einem guten Start 2015 steuert das Land zwischen den Meeren wieder eine gute Sommersaison an. Doch von dieser allein hängt der Erfolg nicht mehr so stark ab wie jahrzehntelang in der Vergangenheit. «Schleswig-Holstein ist auf gutem Weg, zu einer Ganztagsdestination zu werden», sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer heute zum sogenannten Sparkassen-Tourismusbarometer für den Norden. «Wir haben den größten Zuwachs in den Monaten der Nebensaison.»

Die Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten hatten 2014 die Zahl ihrer Übernachtungsgäste um nahezu sieben Prozent auf die Rekordmarke von fast 6,8 Millionen erhöht und die der Übernachtungen auf 26,35 Millionen. In den ersten beiden Monaten 2015 gab es weitere kräftige Zuwächse. Dabei soll es nicht bleiben: 30 Millionen Übernachtungen, 30 Prozent mehr Bruttoumsatz und Platz 3 unter den Ländern bei der Gästezufriedenheit nannte Meyer als Ziele bis 2025. Beim letzten Punkt hat der Norden zwar aufgeholt, steht aber noch auf Platz 7. Die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum und Modernisierung. Im laufenden Jahr kommen insgesamt 2000 neue Betten hinzu, noch einmal 4500 sollen es bis 2019/2020 sein.

Im Gespräch mit RSH-Reporterin Anne Brauer sagte Meyer weiter (Audiopfeil klicken):

Mit höherer Qualität und einem besseren Marketing auch im Hinblick auf junge Gäste will Schleswig-Holstein im harten Wettbewerb mit der Konkurrenz noch besser abschneiden. Bei den Zuwachsraten lag das Land 2014 auf dem vierten Platz nach dem Saarland, Bremen und Hamburg. Die Konkurrenz aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen landete auf den Rängen 13 und 14. Schleswig-Holstein hatte aber auch Nachholbedarf.

Das Land sei auf gutem Weg, müsse aber wachsam bleiben, sagte der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Jörn Klimant. Die Tourismusstrategie des Landes greife. «Gerade die deutschen Urlauber entdecken Schleswig-Holstein neu.» Problematisch bleibe zum Teil die Verkehrsanbindung. Im vorigen Jahr erwirtschaftete der Tourismus mit 144 000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 6,9 Milliarden Euro.

Branchenexperten warnten davor, sich auf den zuletzt guten Ergebnissen auszuruhen. «Viele Betriebe müssen weiterhin mit allem Einsatz an der Qualität ihrer Angebote arbeiten», sagte Sparkassenverbandspräsident Reinhard Boll. «Einen schwer enttäuschten Urlauber bekommt man kaum zurück.»

2015 scheine sich der positive Trend fortzusetzen, sagte Karsten Heinsohn von der Beratungsfirma dwif, die das Tourismusbaromter erstellt. «Man spricht wieder über Schleswig-Holstein im Reiseland Deutschland», sagte er. Auch die Auslandsmärkte seien keine Nische mehr. Seit 2000 sei die Zahl der Übernachtungen von Ausländern um eine Million gestiegen. Vor allem Gäste aus der Schweiz, Österreich und Dänemark sorgten für das Plus.

Der Norden müsse die Dynamik des Vorjahres weiter unterlegen, sagte dwif-Geschäftsführer Mathias Feige. Zu viele Gastbetriebe – sie sind mit durchschnittlich 8 Mitarbeitern und 281 000 Euro Jahresumsatz ganz überwiegend sehr klein, hätten keine oder nur eine unzureichende Strategie. In einer Befragung hätten auch nur 18 Prozent angegeben, das internationale Geschäft sei für sie wichtig. In anderen Ländern liege der Wert über 60 Prozent. Im Norden hätten viele lange nur auf den Inlandsmarkt gesetzt. Zudem habe jeder vierte Betrieb erklärt, Marketing sei für den Erfolg nicht wichtig, sagte Feige. Immerhin aber meinten neun von zehn, Qualität sei wirklich wichtig.

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie