Neuer Branchentreff der Maritimen Wirtschaft: Buchholz eröffnet Kieler Fachmesse MEER KONTAKTE

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz hat die Unternehmen der maritimen Branche im Land dazu aufgerufen, Lehren aus der europäischen Werftenkrise zu ziehen und sich möglichst hochgradig zu spezialisieren: „Nur wer innovativ, spezialisiert und gut vernetzt ist, der ist auch wetterfest gegenüber globalen Veränderungen, internationalen Krisen und ökonomischen wie ökologischen Herausforderungen“, sagte Buchholz heute bei der Eröffnung der neuen Branchen-Fachmesse „MEER KONTAKTE“ in Kiel. Über 100 Unternehmen und Institutionen der Branche, die in Schleswig-Holstein mit über 42.000 Beschäftigten in mehr als 1800 Unternehmen knapp 9,3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, zeigen bis Freitag im Ostseekai in Kiel ihr Leistungsspektrum und diskutieren über verschiedene Fachthemen. Organisiert wurde die Messe, die auch als Branchentreffpunkt in Norddeutschland initiiert wurde, von den Geschäftsstellen des Maritimen Clusters Norddeutschland (MCN) in Kiel und Hamburg.
Im Gespräch mit Redakteurin Kerstin von Stürmer von NDR 90,3 sagte Buchholz beim Messer-Rundgang
(Audiopfeil klicken)
Buchholz erinnerte daran, dass Schleswig-Holstein vor allem ein starker Standort der Küsten- und Meeresforschung sei. Hier lägen enorme Kompetenzen, die sich die Branche durch Wissens- und Technologietransfer zunutze machen sollte. Der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein sowie die einheimische Wirtschaft befänden sich in einem ständigen Innovationswettlauf mit nationalen und internationalen Wettbewerbern. „Darum ist es der Landesregierung überaus wichtig, die Gründung von Start-ups zu fördern und diese zu unterstützen. Ihre Innovationskraft ist ein entscheidender Impuls für die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten maritimen Wirtschaft“, so der Minister.

Als ein innovatives Beispiel von Technologieentwicklung „made in SH“ nannte Buchholz den Schutz von Meeressäugetieren – vor allem von Schweinswalen – vor dem Explosionslärm bei Vernichtung alter Seeminen mit Hilfe der so genannten Blasenschleiertechnik. Künstlich erzeugte Luftblasen senken dabei die Ausbreitungsgeschwindigkeit und die Intensität des Wasserschalls. Den Durchbruch für diese Technologie brachte eine Kombination aus Ideen des damaligen Amtes für Katastrophenschutz, Messungen der Bundesmarine sowie die Innovationskraft des Lübecker Unternehmens HYDROTECHNIK-Lübeck GmbH.
Laut Buchholz blieben nach dem Zweiten Weltkrieg rund 1,6 Millionen Tonnen Munition im Meer zurück – größtenteils vor den Küsten Schleswig-Holsteins. Um diese Altlasten ausfindig zu machen, arbeitet das Land Archiv-Unterlagen und tausende Einsatzberichte des Kampfmittelräumdienstes systematisch auf. Vor sechs Jahren förderte das Land eine Untersuchung mit dem Ziel, die mühselige Arbeit durch moderne Web-Technologie zu erleichtern. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit sei schließlich eine Lösung gefunden worden, die heute den Kern eines umfassenden Kampfmittelinformationssystems bildet. Entwickelt wurde das System von der 2011 gegründeten EGEOS GmbH in Hennstedt bei Itzehoe. Auch in der Landesinitiative „Zukunft Meer“, die der Vernetzung politischer Zuständigkeitsbereiche rund um die Meere dient, sei die Lösung des Munitions-Problems ein zentrales Thema.
Wie Buchholz weiter sagte, wird aktuell auch das vom MCN ins Leben gerufene Unternehmernetzwerk MUNITECT durch das Land unterstützt, in dem sich kleine und mittelständische Unternehmen organisiert haben, um eine leistungsfähige und kostengünstige Sensorplattform zu entwickeln. Durch sie wird das sichere Aufspüren von Munitionsaltlasten ermöglicht.
Als ein weiteres Musterbeispiel für die Innovationskraft der Branche nannte Buchholz das frisch gegründete Netzwerk „Eco Ship 60″, das umweltfreundliche Antriebssysteme für bis zu 60 Meter lange Arbeits- und Patrouillenboote entwickelt, um eine Kostenreduktion bei hoher Leistung und großer Reichweite zu ermöglichen.
„Das Netzwerk, zu dem derzeit 17 Unternehmen und Institutionen aus Norddeutschland gehören, wird durch spezifische Forschungs- und Entwicklungsprojekte erheblich zum Wissen und zur Innovationskraft der beteiligten Betriebe beitragen und den Innovationsstandort Norddeutschland weiter stärken“, sagte Buchholz. Die Besonderheit des Netzwerkansatzes sei die ganzheitliche Betrachtung aller technologischen Teilbereiche und ihrer Interdependenzen. Für kleinere Schiffstypen mit deutlich geringerer Leistung als 4.000 Kilowatt gibt es keine systematischen, ganzheitlichen sowie nachhaltigen Ansätze zur Entwicklung alternativer Antriebssysteme. „Das EcoShip60-Netzwerk ist angetreten, diese Lücke zu schließen“, so der Minister.
Und so berichten die KN
Nähere Informationen zur HYDROTECHNIK-Lübeck GmbH und dem Netzwerk Munitect:
Link zur Hydrotechnik Lübeck GmbH









„Mit der Übernahme von Atlas Elektronik und dem Gemeinschaftsunternehmen mit der norwegischen Kongsberg ist tkms mit seinen aktuell rund 3600 Beschäftigten in der Lage, das gesamte Spektrum im Marineschiffbau von der Konstruktion, Entwicklung über die Fertigung bis hin zu Kampfsystemen anzubieten“, sagte Buchholz bei der Festansprache. Zuletzt hatte Deutschland mit Norwegen eine enge Kooperation vereinbart, in deren Rahmen die Bundeswehr zwei baugleiche U-Boote von Thyssenkrupp Marine Systems sowie Lenkflugkörper des norwegischen Unternehmens Kongsberg kaufen will.
Das Joint Venture sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung eines neuen europäischen U-Boot-Standards für den globalen Markt. Das bevorstehende norwegische U-Boot-Programm werde den Weg für die weitere Zusammenarbeit ebnen.
Bei den Unternehmen in Schleswig-Holstein herrscht wieder große Zuversicht. Laut dem IHK-Konjunkturklimaindex konnte das Land im zweiten Quartal nochmals deutlich zulegen. Damit wurde auch der Vorjahreswert deutlich übertroffen und die Erwartungen befinden sich auf dem höchsten Stand seit drei Jahren. Die Unternehmerinnen und Unternehmer können auch nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz positiv in die Zukunft blicken und sollten das Konjunkturhoch für weitere Investitionen und Expansionen nutzen. Er erinnert daran, dass das Land – in Kooperation mit der EU – erhebliche Fördergelder für Projekte und innovative Ideen zur Verfügung stellt und noch reichlich Fördermittel bereit stehen.
„Sowohl junge als auch alt eingesessene Unternehmen sollten vor allem die Möglichkeiten nutzen, die der Europäische Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Landesprogramms Wirtschaft bietet. Auf diese Weise können sich die Betriebe im Land mit unserer Unterstützung noch leistungsstärker machen und Start-Ups bietet sich die großartige Chance, ihre Ideen zu verwirklichen“, so Buchholz. Ziel des EFRE sei, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Schleswig-Holstein und seiner Unternehmen weiter voranzubringen und so auch die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Insgesamt stehen bis 2023 mindestens 255 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung.

