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Madsen vor Minister-Meeting: Besseres Angebot muss Vorfahrt vor Billig-Ticket haben

Ein günstiges neues Ticket für Bus und Bahn soll kommen – darüber gibt es weitgehende Einigkeit. Doch die Ausgestaltung und Finanzierung ist offen. Im Vorfeld der morgigen Sonderkonferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern setzt  Verkehrsminister Madsen klare Prioritäten.

Im Tauziehen um ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket fordert Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen klare finanzielle Zusagen des Bundes. «In erster Linie brauchen wir ein entsprechendes Angebot für Bus und Bahn», sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur vor der Sonderkonferenz. «Ich habe so ein bisschen das Gefühl, wir sitzen alle im Zug und wenn wir nach vorne schauen, sehen wir, dass unsere Gleise aufhören, aber wir diskutieren darüber, ob wir nicht unsere Fahrkarten preiswerter machen sollen.»

Priorität haben die Sicherung des Betriebs und der Ausbau der Infrastruktur, also die Schaffung eines besseren Angebots, sagte Madsen. «Es nützt ja nichts, wenn ich in Schleswig-Holstein irgendwo in einem Dorf stehe, wo Bus und Bahn nicht fahren, aber dafür gibt es das Ticket künftig zum halben Preis.» Trotzdem müsse es ein Nachfolgeticket geben, sagte der Minister. Es sollte aus seiner Sicht keine Zahl im Namen bekommen, sondern Klima- oder Mobilitätsticket heißen. «Sonst wären wir ja auf ewig auf eine Summe fixiert.» Die Bundesregierung strebt eine Spanne zwischen 49 und 69 Euro im Monat an. Dies würde auch Madsen mittragen.

Hier das komplette Interview von Madsen mit dem Kieler dpa-Korrespondenten Wolfgang Schmidt:

«Zuerst aber muss uns der Bund zusichern, dass wir die Mittel, die wir brauchen, um unser aktuelles Angebot zu erhalten und unsere Infrastruktur auszubauen, auch sicher haben», nannte er als Voraussetzung. Auch die erhöhten Energiekosten müssten berücksichtigt werden. Nicht nur Bäckereien haben mit höheren Energiekosten zu kämpfen.

Es gehe darum, dass der Bund in ausreichender Höhe die Regionalisierungsmittel für Ausbau, Erhalt und Betrieb der Infrastruktur und zusätzlich für ein gefördertes Ticket fest zusagt, betonte Madsen. Dies sei keine freiwillige Leistung sondern seine im Grundgesetz verankerte Pflicht. «Wir brauchen in den nächsten zehn Jahren allein für Schleswig-Holstein weit über eine Milliarde Euro, wahrscheinlich sogar zwei Milliarden oder mehr.» Allein für die Aufrechterhaltung des bestehenden Nahverkehrsangebots benötige das Land aufgrund der explodierenden Kosten für Energie und Personal einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. «Wir reden also über riesige Summen und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir richtig an die Sache herangehen.»

Im Erfolgsfall könnte das neue Ticket zügig starten. «Wir warten dann nicht, bis wir 2030 die letzte Ausbaustufe erreicht haben», sagte Madsen. «Aber meine Befürchtung ist: Wir einigen uns auf ein Ticket und diskutieren dann über die Regionalisierungsmittel.» Sollten diese nicht wie erforderlich kommen, werde es nicht um einen Ausbau des Angebots gehen, sondern um Streichungen.

Madsen zeigte sich überzeugt, dass ein neues Ticket bald beschlossen wird. Das 9-Euro-Ticket sei auch in Schleswig-Holstein mit über 700.000 verkauften Exemplaren ein großer Erfolg gewesen, habe aber auch die Grenzen des Systems verdeutlicht. Es werde ein Ringen geben. «Ich glaube, innerhalb der nächsten Wochen werden wir eine Lösung bekommen; wir reden nicht über Monate.» Die Bürger wollten ein einfaches, verständliches und preiswertes Angebot. «Die Menschen wollen aber auch Qualität und Verlässlichkeit. Und das bekommen wir nur hin, wenn wir auch investieren.»

SH-Initiative: Nord-Länder erlauben Lkw-Energietransporte bis Ende April auch sonntags

Wegen teils akuter Engpässe bei Transporten im Energiesektor setzt die Landesregierung bis Ende April das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw aus. Wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute mitteilte, sei die Erhöhung der Transportkapazitäten unter anderem aufgrund des so genannten „Fuel Switch“ nötig, also der Verdrängung von Gas – nicht nur bei Kraftwerken, sondern auch bei Industrieprozessen. «Infolge dessen kommt es es zu einer Ausweitung der benötigten Mengen an Mineralöl und Flüssiggas für die Industrie», so Madsen.

Ein weiterer Aspekt für die Ausweitung der Sonntags-Fahrerlaubnis bis zum Ende der Heizperiode sei auch die Verknappung der Binnenschiffkapazitäten aufgrund der wochenlangen Niedrigwasserphase auf dem Rhein. Dadurch mussten Gütertransporte in erheblichem Umfang auf die Schiene verlagert werden, die die Schienentransportkapazitäten weiter stark belasten. «Darum ist es erforderlich, die Transportkapazitäten für Energietransporte auf der Straße ebenfalls so weit wie irgend möglich auszuweiten», sagte Madsen. Der Initiative Schleswig-Holsteins, die Regelung bis Ende April auszuweiten, haben sich auch alle vier norddeutschen Nachbarländer angeschlossen.

Die Ausnahmegenehmigung gilt für Transporte aller Arten von Mineralöl (Heizöl, Diesel, Kerosin, Benzin) sowie von Flüssiggas (Butan/Propan). Die Ausnahme gilt auch für erforderliche Leerfahrten, die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Transporten stehen.

Minister auf Werften-Tour: Madsen heute zu Gast bei TKMS, German Naval Yards und Flensburger FSG

Präsentation im neuen Showroom von TKMS: Madsen mit den beiden Werft-Vorständen Alexander Orellano und Finanzchef Paul Glaser (v.l.)

Ein Werftentag im Licht von Krieg in Europa und einem anstehenden 100-Milliarden-Rüstungsprogramm der Bundesregierung: Heute besuchte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen in Begleitung des Maritimen Koordinators der Landesregierung, Andreas Burmester, die Kieler Werften Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards (GNYK) sowie die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG). Allein auf dem Werftgelände des Kieler Ostufers sind 3000 Menschen beschäftigt.

Madsen sagte den Werften dabei die Unterstützung des Landes zu. Die Wehrindustrie sei für Deutschland und Schleswig-Holstein wichtig. Er wolle ein klares Signal setzen: «Wir wollen uns gemeinsam darum bemühen, dass wir vom Paket der 100 Milliarden Euro Sondervermögen der Bundesregierung auch einen Teil abbekommen für unsere Unternehmen», so Madsen. «Wir sind da auch auf einem guten Weg, weil wir es hier mit Weltmarktführern zu tun haben.»

Es gelte pragmatische Lösungen zu finden, sagte der Minister im Blick auf erhoffte Aufträge aus dem Milliarden-Paket. Die Werften in Kiel sind spezialisiert auf den Bau von Marineschiffen wie U-Boote und Fregatten. Es sei beeindruckend gewesen, sich die Schiffbauhallen anzusehen und motivierte Menschen kennenzulernen, sagte Madsen. Er durfte auch ein U-Boot besichtigen.

Der Geschäftsführer von German Naval Yards, Rino Brugge, dankte für die Unterstützung des Landes. Es sei sehr wichtig, dass es in Schleswig-Holstein eine maritime Industrie gibt. «Wir kooperieren ja schon seit vielen Jahren miteinander in vielen Bauprogrammen», sagte auch TKMS-Vorstand Alexander Orellano auf die Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit beider Werften für Aufträge aus dem Bundeswehr-Sondervermögen. «Das wird sich in Zukunft auch nicht ändern.» Die Werft sei überzeugt davon, ihre Kunden überzeugen zu können, sagte Orellano. «Auch die Deutsche Marine.»

Beide Werften stehen auch bereit, sich an der Entsorgung von Kriegsmunition aus dem Meer zu beteiligen. Hierzu gebe es bei TKMS bereits vielversprechende Ansätze und Projekte. «Für mich ist es tatsächlich wichtig gewesen zu erfahren, dass wir ganz kurz vor der Reife stehen, Munition heben zu können», sagte auch Madsen. Es sei wichtig für die Werften im Blick auf die Zukunft, auch zivile Technologien zu entwickeln.

V.r.: GNYK-Chef Rino Brugge, Madsen und Alexander Orellano

TKMS investiere sehr viel, sagte Vorstand Orellano. Die Werft errichte nicht nur eine neue Schiffbauhalle und eine Brennstoffzellenproduktionshalle. Sie investiere auch viel in die Köpfe der Menschen und in Technologie. «Wir glauben, dass wir ein sehr guter Katalysator sein können auch für zivile Produkte.» So wolle die Werft für die Schifffahrt auf der Kieler Förde eine autonom fahrende Fähre mit alternativem Antrieb bauen.

Zur Frage des Fachkräftebedarfs in der Werftenbranche und den Aussichten auf einem Anteil am Rüstungspaket der Bundesregierung sagte Madsen im Gespräch mit Journalisten weiter – Audio starten, Peil klicken…

Die Zeitenwende auf den Werften prägt inzwischen auch die Silhouette des Kieler Ostufers: Die neue Schiffbauhalle von TKMS wird 170 Meter lang, 70 Meter breit und 33 Meter hoch. Dort sollen ab dem Jahr 2023 U-Boote gebaut werden. Die Halle ist Teil eines Standortkonzeptes, in das der Industriekonzern Thyssenkrupp AG rund 250 Millionen Euro investiert.

TKMS hat von Norwegen und Deutschland Aufträge zum Bau von sechs U-Booten der HDW-Klasse 212 CD bekommen. Das letzte U-Boot soll nach derzeitigem Stand 2034 ausgeliefert werden. Der Bau der neuen Schiffsbauhalle sei im Zeitplan, sagte ein Sprecher. Rund 300 Beschäftigte können im Schichtbetrieb in der Halle arbeiten.

FSG-Crew mit Madsen auf dem Oberdeck der „Tennor Ocean“

Bei der FSG erörterte der Minister mit Geschäftsleitung und IG-Metall neben den Chancen durch mögliche Teilhabe an Marine-Aufträgen das enorme Potenzial der Offshore- Windparks und anderer Grüner Technologien. Im Marineschiffbau war die FSG zuletzt Anfang der 2000er Jahre beim Bau des Einsatzgruppenversorgers der Bundesmarine erfolgreich. FSG-Strategiechef Johannes Wolters (im Bild, Mitte) erinnerte daran, dass an der Werft mit ihren 700 Beschäftigten rund 8000 zukunftsträchtige Arbeitsplätze in der Region hingen.

Mit Blick auf das Milliardenprogramm des Bundes sagte Wolters weiter: „Uns ist wichtig, in der ausgerufenen Zeitenwende ein verlässlicher Partner der deutschen Marine und der Streitkräfte zu sein.“ Die Werft habe genügend Know How um den speziellen Anforderungen des Marineschiffbaus gerecht zu werden . „Die Strukturen und Anlagen der Werft ermöglichen dabei besonders wirtschaftliche Projekte“, so Wolters.

Madsen erinnerte abschließend daran, dass die FSG in 150 Jahren knapp 800 Schiffe konstruiert und gebaut habe. Die Werft sei ein bedeutender Arbeitgeber im nördlichen Schleswig-Holstein und besitzt eine herausragende Bedeutung für die Region Flensburg, aber auch für die Zulieferindustrie in Schleswig-Holstein. „Gerade deshalb finde ich es gut, dass sich die FSG bei so wichtigen und richtungsweisenden Projekten wie dem Forschungsschiff Polarstern 2 engagiert und auch Bereitschaft signalisiert hat, im Dialog mit Land und Bund eine wesentliche Rolle beim Ausbau von Offshore Wind zu spielen. Wir brauchen das Thema Offshore-Wind für ein Gelingen der Energiewende, hier sehe ich beim Bau von Umspannplattformen und Errichterschiffen erhebliche Potentiale für unsere Werftindustrie“, so der Minister.

Günther und Madsen eröffnen 67. Nordbau im Zeichen von Energiekrise und Energiewende

Ministerpräsident Günther setzt den symbolischen Stein zur Eröffnung der 67. Nordbau

Zusammen mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen hat Ministerpräsident Daniel Günther heute die Fachmesse NordBau in Neumünster eröffnet und für Wasserstoff als wichtigen Energieträger geworben. «Schleswig-Holstein soll Deutschlands Marktführer beim Grünen Wasserstoff werden», sagte der CDU-Politiker. Er begrüße es daher, dass Wasserstoff Sonderthema der Messe sei. «Wir brauchen innovative und umsetzbare Lösungen, damit die Energie auch dahin kommt, wo sie gebraucht wird. Hier ist die Baubranche ein wichtiger Partner.»

Auch Madsen betonte die Chancen von Wasserstoff als wichtigem Energieträger und als Ansiedlungsargument: «Wasserstoff kann von immer mehr Unternehmen genutzt werden, und davon können wir im Norden erheblich profitieren – auch wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen.» Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Die Produktion von sauberen Energien ist nach Ansicht von Günther und Madsen längst zu einem Markenzeichen von Schleswig-Holstein geworden: «Gerade jetzt, wo wir unsere eigene Energieproduktion dringend nachhaltig und unabhängig aufstellen müssen, werden wir unsere gute Ausgangsposition nutzen, um zu zeigen, wie die Energiewende gelingt», sagte Günther. Dabei spiele der Bausektor mit seinen vielen leistungsfähigen Fachbetrieben eine entscheidende Rolle.

Auf der 67. Nordbau steht bis Sonntag alles rund um Hoch- und Tiefbau, Baugeräte und Baumaschinen, Kommunaltechnik, Baustoffe, Bauelemente und Energietechnik auf der Agenda. Ein besonderer Fokus liegt nach Messeangaben zudem auf Beratung und Information zu energetischen Fragen. Diese richte sich an private Bauherren und Eigenheimbesitzer ebenso wie an Handwerker.

Das Thema Energie und Mittelstand hatte vor dem Messerundgang von Günther und Madsen auch den Wirtschaftsausschuss des Landtags beschäftigt, der ebenfalls auf der Nordbau tagte. Dabei erinnerte Madsen noch einmal an das von der Landesregierung verabschiedete Hilfspaket, inklusive eines 500-Millionen-Darlehnsfonds für notleidende Betriebe – vor allem Stadtwerke. Dabei machte Madsen deutlich, dass hinsichtlich weiterer Hilfen vor allem die Bundesregierung gefordert sei. Er habe sich bereits vor knapp einem Monat mit einem entsprechenden Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gewandt.

NAH.SH-Kongress macht der Branche Mut, auch mal weniger perfekte Dinge zu wagen

„Einfach mal machen!“ Verkehrs-Staatssekretär von der Heide

Reger Austausch, konzentriertes Publikum und eine klare Botschaft beim NAH.SH-Kongress in Lübeck: Der Nahverkehr in Deutschland befindet sich in einer Zeit des Aufbruchs. Und für Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide ist klar: „Diesen Schwung gilt es nun zu nutzen.“ Er erinnerte aber auch an die gewaltigen Herausforderungen, die nicht zuletzt das 9-Euro-Ticket im Bereich von Angebot und Infrastrukturbereich offengelegt habe. „Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die CO-2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent zu reduzieren und bis 2045 treibhausgasneutral zu werden. Und um das zu erreichen, müssen wir doppelt so viele Fahrgäste wie bisher vom Auto in Bus und Bahn bekommen“, so von der Heide.

Der Nahverkehrsverbund NAH.SH hatte zusammen mit den Kreisen, kreisfreien Städten und dem Land bereits im Frühjahr eine Vision für den ÖPNV 2030 formuliert. Entscheidend dabei sei, so von der Heide, dass man mit dem ÖPNV überall hinkommen könne, auch am Abend und an den Wochenenden. Das Land begleite schon jetzt zwei On-Demand-Angebote im Rahmen eines Pilotprojektes: ReMo in Rendsburg und das smarte DorfSHUTTLE im Amt Süderbrarup.

Beim Podium in der Lübecker Gollanwerft lautete die erste Frage dann auch gleich, was die Folge der drei Monate 9-Euro-Ticket sei. „Die Branche kann stolz darauf sein, dass sie in so kurzer Zeit dieses Ticket auf die Beine gestellt hat. Jetzt ist die Zeit des Aufbruchs und der Chancen des Nahverkehrs“, sagte NAH.SH-Chef Arne Beck.

Die Mobilitätsexpertin Katja Diehl brachte ihre Position in ihrem anschließenden Vortrag so auf den Punkt: „Das Auto hat in der Politik eine priorisierte Stellung, die zurückgenommen werden müsste. Aber in Deutschland ist das Auto unantastbar“ Um weg vom Auto zu kommen gäbe es fünf Anreize: Alternativen, Barrierefreiheit, Sicherheit, Bezahlbarkeit und Klimagerechtigkeit. Außerdem sollte man die Gelder, die in die Autoindustrie gesteckt werden, lieber in die Umweltindustrie investieren, zu der auch der Nahverkehr gehört.

Das abschließende Statement von Katja Diehl, dass „die Branche vielleicht weniger eitel und perfekt sein sollte“, unterstrich der Staatssekretär Tobias von der Heide mit den Worten: „Wir sollten die Dinge anpacken und einfach mal machen – und ein Scheitern gegebenenfalls in den Kauf nehmen.“

Staatssekretärin Carstens: Maritime Branche des Nordens steht fest zusammen

Spitzentreffen am Stand des Maritimen Clusters (v.l.): Staatssekretär Schulte aus Mecklenburg-Vorpommern, SH-Staatssekretärin Julia Carstens, Bremens Verkehrssenatorin Vogt und Hamburgs Senator Westhagemann.

Die maritime Branche des Nordens steht auch in der Krise fest zusammen – und zeigt seit heute Flagge auf der international führenden maritimen Fachmesse „Schiff, Maschine, Meerestechnik“ (SMM) in Hamburg. Am Empfang für Minister und Senatorinnen und Senatoren nimmt zur Stunde auch Schleswig-Holsteins neue Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens teil.

Das Maritime Cluster Noorddeutschland (MCN) nutzte den Auftritt, um eigene, länderübergreifende Projekte und Initiativen vorzustellen. Staatssekretärin Carstens sagte bei dem Treffen: „Die maritime Industrie in Schleswig-Holstein beweist seit Jahren ihre Innovationskraft. Um Schleswig-Holstein als Standort leistungsstarker maritimer Wirtschaft und exzellenter Forschung weiter zu stärken, müssen Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung eng zusammenarbeiten.

Das MCN bietet über Länder- und Verwaltungsgrenzen hinweg in Rahmen eines einzigartigen Clusters eine gemeinsame Struktur zur Förderung und Stärkung der maritimen Branche. Dies macht das MCN zu einem Leuchtturmprojekt für die maritime Zusammenarbeit der fünf norddeutschen Länder.“ Auf der Fachmesse werden noch bis zum 9. September Themen wie alternative Antriebe, Energieeinsparmöglichkeiten oder Innovationen im Bereich Landstrom-Versorgung beleuchtet.

Madsen: SH-Tourismus blickt trotz aller Krisen auf ein Rekord-Halbjahr zurück

Meer und Strände locken Touristen in Scharen in den Norden. Die Zahlen für das erste Halbjahr machen der Branche und der Landesregierung Mut. Die Preisrekorde verändern aber auch das Reiseverhalten von Gästen.

TA.SH-Chefin Bunge und Tourismusminister Madsen

Die Reiselust der Deutschen lässt den Tourismus im Land zwischen den Meeren nach den Corona-Einbrüchen von 2020 und 2021 wieder boomen. Besonders die Ziele an Nord-und Ostsee stehen bei den Gästen hoch im Kurs. Mit 15,2 Millionen Übernachtungen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erzielte der Tourismus in Schleswig-Holstein einen Rekord. Tourismusminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) sprach heute bei der Halbjahres-Pressekonferenz der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH) in Kiel von einem großartigen ersten Halbjahr.

Im Vergleich zum selben Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 gab es ein Plus von 4,4 Prozent, wie aus Angaben des Statistikamtes Nord hervorgeht. Der Norden war das einzige Bundesland mit einem Zuwachs. 2013 waren es noch weniger als zehn Millionen Übernachtungen in diesem Zeitraum. Bei den Gästeankünften verbuchten die Häuser mit mindestens zehn Betten und die Campingplätze noch ein Minus von 5,1 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2019. Insgesamt 3,7 Millionen Übernachtungsgäste wurden von Januar bis Juni 2022 in Schleswig-Holstein gezählt.

Besonders groß waren die Zuwachse demnach bei Ferien auf Campingplätzen und in Ferienhäusern. Rund 96 Prozent der Gäste kamen aus dem Inland, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen.

Die Tourismus-Agentur erwartet auch ein starkes zweites Halbjahr, wie Geschäftsführerin Bettina Bunge sagte. Der Rekord von 36 Millionen Übernachtungen aus dem Jahr 2019 werde aber voraussichtlich nicht erreicht. Zwar seien die Ergebnisse für den Sommer sehr gut, aber für Herbst und Winter gebe es eine gewisse Zurückhaltung bei den Buchungen. Als Gründe nannte Bunge Unsicherheiten im Blick auf die Corona-Lage und die finanzielle Situation von Haushalten.

Hier ein Mitschnitt der gesamten Pressekonferenz – Video starten…

Die ersten sechs Monate eines Jahres tragen 40 Prozent zum jährlichen Tourismusgeschäft bei. Nord- und Ostsee zusammen kamen im ersten Halbjahr auf 83 Prozent der Übernachtungen. Die Top 5 unter den Destinationen waren Sylt, Lübeck mit Travemünde, St. Peter-Ording, Timmendorfer Strand und Grömitz.  Aber der Tourismus hat coronabedingt auch weiter Probleme: Eine der größten Herausforderungen sei der Fachkräftemangel, sagte Madsen.

Viele Beschäftigte hatten die Branche in den Corona-Jahren 2020 und 2021 verlassen und kamen nicht wieder. Eine Folge: Restaurants machen mehr Ruhetage als früher, auch in der Saison. Die Zahl der Tourismusbetriebe war im Juni mit 3743 um 214 niedriger als im gleichen Monat 2019. Die Zahl der Betten stieg dagegen von 230 776 auf 243 662. Die Bettenauslastung sank im Vergleich zu 2019 minimal auf 52 Prozent.

«Die Reiselust bleibt ungebrochen», resümierte die Tourismusmarketing-Chefin Bunge. Gäste kämen, um Meer, Strände, Freiheit, Natur und Sicherheit im Land zu genießen. Auch habe sich die bundesweite Wahrnehmung des Landes sehr gut entwickelt. Touristen guckten aber genauer, wofür sie im Urlaub ihr Geld ausgeben.

Angesichts zum Teil voller Ferienorte im Sommer sagte Madsen, es sei wichtig, mit den dort lebenden Menschen zu sprechen und bei Gästen Verständnis zum Beispiel für die Natur zu wecken. «Ich muss sowohl den Gast als auch die Menschen und die Natur, wo ich bin, respektieren», sagte Madsen. Wachstum sei nicht unendlich.

«Wir werden in den nächsten Jahren viel stärker darüber reden müssen: Wie kriegen wir Menschen dazu bewegt, dass sie in dieser Branche arbeiten? Wie kriegen wir Menschen dazu bewegt, dass sie im ganzen Land sich verteilen?» Und wenn viele Menschen mit dem Fahrrad Urlaub machten, sei die Belastung ganz anders, als wenn alle mit dem Auto kämen, sagte Madsen. «Wichtig ist einfach, dass wir die Menschen vor Ort wieder davon begeistern, wie schön es ist, dass Gäste bei uns sind, dass diese Gäste bei uns Arbeitsplätze sichern und dass zu guter Letzt diese Menschen ja auch ein gutes Zeichen für uns alle sind, nämlich, dass wir in einem schönen Bundesland leben.»

Wirtschaft und Wirtschaftsminister: Maritime Infrastruktur auch in der Krise stärken

Schulterschluss von Wirtschaft und Politik für eine Stärkung der maritimen Infrastruktur des echten Nordens: Beim 4. Maritimen Parlamentarischen Abend der IHK Schleswig-Holstein in Kiel plädierten am Donnerstag sowohl IHK-Vizepräsident Knud Hansen als auch Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen für eine gemeinsame Kraftanstrengung: Gerade in der aktuellen Energiekrise sei es unerlässlich, die Leistungsfähigkeit unserer Häfen und Wasserstraßen aufrecht zu erhalten. Das gelte sowohl für Städte und Kommunen, als auch für Land und Bund, sagte Madsen vor den rund 100 Gästen.

Denn nicht zuletzt das Gelingen der Energiewende und die Unabhängigkeit von russischem Gas hänge von funktionierenden Häfen ab: Das reiche vom Umschlag von Windkraftanlagen bis hin zum Import von alternativen Energieträgern und Schiffstreibstoffen wie LNG, SNG und grünem Wasserstoff oder grünem Ammoniak.

Tariftreue bei öffentlichen Aufträgen: Madsen setzt auf Überzeugung statt auf Gesetze

Neue Debatte, alte Argumente: Ein Tariftreue- und Vergabegesetz für öffentliche Aufträge spaltet weiter den Landtag in Kiel. SSW und SPD brachten dazu erneut einen Entwurf ein, über den das Parlament heute erwartungsgemäß kontrovers diskutierte. Die Regierungskoalition und die FDP rückten dabei den Bürokratieabbau in den Fokus, um dem heimischen Mittelstand zu helfen. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) sagte, die Regierung wolle mit den Sozialpartnern über eine stärkere Tarifbindung sprechen, ohne zusätzliche Bürokratie zu schaffen. «Das geht nur mit Überzeugungsarbeit und nicht mit Gesetzen.»

Madsens Rede dazu im Landtag hier:

Bei mehr Bürokratie beteiligten sich viele kleine und mittlere Unternehmen nicht an Ausschreibungen, weil die Hürden zu hoch seien, sagte Madsen. «Tarifverträge sind nichts, worüber eine Regierung oder ein Parlament befindet oder die per ordre de mufti festgelegt werden.» Schlichtweg falsch seien Vorwürfe, die Landesregierung unterstütze Lohndumping.

SSW und SPD wollen mit einem Gesetz nach eigenen Angaben einen fairen Wettbewerb um das wirtschaftlichste Angebot bei der Vergabe öffentlicher Verträge gewährleisten. Das Gesetz soll auch den Einsatz von Niedriglohnkräften verhindern. Zugleich sollen Sozialverträglichkeit, Umweltschutz, Energieeffizienz und Innovation von Angeboten gefördert werden.  Ein erstes Gespräch zur Tarifbindung hatte Madsen am Montag mit DGB-Nord-Chefin Laura Pooth. Sie hätten vereinbart, dazu mit Vertretern von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Ministerium zusammenzukommen.

Das alte Gesetz habe sich in weiten Teilen bewährt, sagte die SSW-Abgeordnete Sybilla Nitsch. Es habe kleine und mittlere Unternehmen vor Wettbewerbsverzerrungen durch landesfremde Konzerne geschützt. Seit der Abschaffung werde die heimische Wirtschaft immer wieder von Billigangeboten von Konzernen ausgebootet. «Deshalb müssen wir die bis 2018 geltenden Regelungen für einen fairen Wettbewerb und für Ausschreibungen, die eben nicht auf dem Rücken von Beschäftigten, Klima oder Umwelt gewonnen werden, dringend wieder einführen.»

Es gehe darum, den untersten Mindestlohn zu zahlen, sagte die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten habe keine Tarifbindung. Nur in Schleswig-Holstein und Bayern gebe es kein Tariftreue- und Vergabegesetz. Mehr Tarifbindung erzeugen zu wollen sei richtig, sagte Ex-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Darüber müsse aber mit den Unternehmen diskutiert werden. SSW und SPD führten eine Scheindebatte: «Damit erreichen Sie das Ziel nicht.» Bei der Auftragsvergabe im Land gebe es auch kein Lohndumping. «Das ist doch irre, das findet doch gar nicht statt», sagte Buchholz.

Der Grüne Oliver Brandt bedauerte das Absinken der Tarifbindung auch in Schleswig-Holstein. «Das liegt nicht zuletzt an der Zunahme atypischer und nichtregulärer Beschäftigung wie Zeitarbeit, Teilzeit und selbstständiger Beschäftigung in Niedriglohnbranchen in den letzten Jahren.» Die Evaluation des alten Tariftreuegesetzes habe gezeigt: «Das beste Gesetz ist nur so gut wie seine Umsetzung», sagte Brandt.

Für die CDU lehnte Lukas Kilian eine Wiedereinführung des Gesetzes ab. Dieses sei sehr bürokratisch und das alte Gesetz habe die angestrebten Ziele nicht erreicht. Zudem sei der Gesetzentwurf schludrig vorbereitet. Kilian warf den Initiatoren «Mindestlohn-Populismus» vor.

Jamaika hatte das von der Vorgängerkoalition aus SPD, Grünen und SSW beschlossene alte Gesetz wieder abgeschafft und dies mit zu hohem bürokratischen Aufwand bei der Vergabeprüfung begründet. Die Grünen verankerten es wieder in ihrem Landtagswahlprogramm, konnten sich in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU aber nicht durchsetzen.

Technologie-Schub: 6,6 Millionen vom Land für die IT-Aufrüstung unserer Hochschulen

Bescheidübergabe über den Dächern von Kiel (v.l.): Helge Illig (Uni Lübeck), CAU-Präsidentin Simone Fulda und die Minister Prien und Madsen

Kräftiger Investitions-Schub in die digitale Infrastruktur der schleswig-holsteinischen Hochschullandschaft. Wie Bildungs- und Wissenschaftsministerin Karin Prien heute (31. August) in Kiel zusammen mit Wirtschafts- und Technologieminister Claus Ruhe Madsen erläuterte, stelle das Land für den Aufbau eines „Virtualisierten Datacenters“ bis Mitte 2023 knapp 6,6 Millionen Euro bereit.

Den entsprechenden Förderbescheid überreichten Prien und Madsen symbolisch an CAU-Präsidentin Simone Fulda und Helge Illig, IT-Leiter der Universität zu Lübeck (UzL). Während auf die CAU rund 4,5 Millionen der Fördersumme entfallen, erhalten die Uni Lübeck und die Technische Hochschule Lübeck knapp 2,1 Millionen Euro. 

„Die großen Anforderungen an die IT-Struktur während der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 mit Online-Vorlesungen und Seminaren haben uns die Notwendigkeit dieser Investition massiv vor Augen geführt“, sagte Prien. Sie machte zugleich deutlich, dass von dem Projekt nicht nur die Universitäten in Kiel und Lübeck, sondern – etwa über den Aufbau von Cloud-Lösungen –  alle zehn Hochschulstandorte des Landes profitieren werden. „Auch die zukünftigen Herausforderungen der Hochschuldigitalisierung können in einem Land wie Schleswig-Holstein nur gemeinsam gelöst werden.“ Deshalb sei im Koalitionsvertrag eine Digitalisierungsoffensive Hochschulen beschlossen worden, mit der sowohl die Digitalkompetenzen der Lehrenden und Lernenden als auch die digitale Infrastruktur verbessert werden solle.

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sei das Geld aus dem Landesprogramm Wirtschaft eine echte Investition in die Zukunft: „Auch, wenn es zunächst um reine Technik wie neue Server und Speicher, die aktuellsten Softwarelösungen oder diverse Netzinfrastrukturen geht – all das ist schlichtweg die Basis für einen gelungenen Technologietransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Und es dient dazu, dass wir unseren akademischen Nachwuchs zu Top-Fachkräften von morgen ausbilden“, so Madsen. Weiter sagte er im Gespräch mit Carsten Kock von R.SH:

Besonders positiv ist nach den Worten beider Minister, dass die Universitäten Kiel und Lübeck im Schulterschluss als so genannte Leadpartner agieren, während die übrigen acht öffentlichen Hochschulen als assoziierte Partner vom Projekt profitieren.

Hintergrund der Förderung ist das EU-Programm „Next Generation EU“, über das für die kommenden Jahre europaweit 750 Milliarden Euro zur Bewältigung der Corona-Pandemie bereitgestellt werden. Auf Schleswig-Holstein entfallen 59,1 Millionen Euro.

CAU-Präsidentin Simone Fulda dankte dem Land und bezeichnete die geplanten Investitionen als „wichtige Weichenstellung für die CAU und die Hochschulen in Schleswig-Holstein“. Es würden damit maßgebliche infrastrukturelle Grundlagen für die weitere Digitalisierung in Forschung, Lehre, Transfer und Verwaltung geschaffen, auf denen die Hochschulen individuell aufsetzen können. An der CAU beispielsweise mit dem gerade gegründeten Digital Science Center, mit dem wir unsere zahlreichen und drittmittelstarken Aktivitäten bündeln. Die Flexibilität und Ausfallsicherheit des virtuellen Datacenters kommt damit unmittelbar der digitalen Transformation der CAU zugute und bietet die technische Grundlage für unsere vielfältigen Digitalisierungsinititativen.  

Hier ein Livestream-Mittschnitt des Pressegesprächs – Video starten

Nach den Worten von Helge Illig, dem IT-Verantwortlichen der Uni Lübeck, gehe es beim Projekt „Virtualisiertes Datacenter der Hochschulen Schleswig-Holsteins an zwei Standorten“ um eine Erneuerung bzw. Erweiterung der IT-Infrastruktur der jeweiligen Rechenzentren zur Schaffung einer gemeinsamen Plattform, um kollaborative digitale Dienste für Forschung, Lehre und Verwaltung anbieten zu können. Diese stünden dann allen Hochschulen des Landes Schleswig-Holsteins zur Verfügung. Ferner bestehe die Möglichkeit, dass durch sog. Housing Hochschulen ihre Redundanz-Systeme (Ersatzsysteme zur Erhöhung der Ausfallsicherheit) in die neu geschaffenen Serverschränke stellen könnten.

Im Sinne der Nachhaltigkeit seien so an den anderen Standorten keine bzw. weniger Backup-Serverräume mehr notwendig. Ein weiteres Projekt der TH Lübeck beinhaltet zur Erneuerung der strukturierten Verkabelung den Austausch der aktiven Datennetz-Komponenten. Nach den Worten von Madsen waren die Hochschulen mit dem Datacenter-Projekt im Frühjahr einem Aufruf des Landes gefolgt. Dabei ging es um „Investitionen in die digitale Infrastruktur an Hochschulen“, die aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert werden.