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Tourismustag 2022: Minister Madsen über zwei Seiten einer glänzenden Goldmedaille

Der Tourismus im Norden steht gut da. Kämpft aber auch mit Problemen wie Fachkräftemangel, steigenden Energiepreisen sowie hier und dort mit schwindender Akzeptanz der Einheimischen. Aber was würde mit einem Urlaubsort passieren, wenn keine Gäste mehr kämen? Eine von vielen Fragen des diesjährigen IHK-Tourismustages.

Madsen vor rund 200 Branchenvertreterinnen und -vertretern im Deutschen Haus in Flensburg

Tourismusminister Claus Ruhe Madsen sieht Schleswig-Holsteins Tourismus nach den Coronajahren wieder auf einem guten Weg. Aber die Medaille habe zwei Seiten, die Entwicklung sei nicht überall gleich gut, sagte er heute vor über 200 Vertreterinnen und Vertretern der Branche in Flensburg auf dem Tourismustag Schleswig-Holstein. «Wir hatten Regionen, in denen sehr viel los war und Regionen, in denen etwas weniger war.» Unterkunftsformen wie Ferienwohnungen und Camping hätten sich schneller erholt als die Hotellerie. Zudem seien Gäste aus dem Ausland nach wie vor Mangelware. «Es muss uns gelingen, Menschen aus anderen Ländern zu überzeugen, hierher zu kommen.»

Nach den Corona-Einbrüchen von 2020 und 2021 erzielte der Tourismus in Schleswig-Holstein mit 15,2 Millionen Übernachtungen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Rekord. Im Vergleich zum selben Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 gab es nach Angaben des Statistikamts Nord ein Plus von 4,4 Prozent. Der Norden war demnach das einzige Bundesland mit einem Zuwachs. 2013 waren es noch weniger als zehn Millionen Übernachtungen in diesem Zeitraum. Die Ankunftszahlen lagen aber noch unter dem Wert von 2019. Rund 96 Prozent der Gäste kamen aus dem Inland, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen.

Der Tourismus gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Schleswig-Holstein. 2019 erwirtschaftete die Branche rund 9,7 Milliarden Euro Jahresumsatz. Rund 160 000 Menschen sind direkt in der Branche beschäftigt, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Björn Ipsen sagte. Dennoch: Der Tourismus sei auch in Schleswig-Holstein kein Selbstläufer. Die immens gestiegenen Energiekosten, die nicht einfach an die Kunden weitergegeben werden könnten, seien ein Thema, das die Branche aktuell beschäftige.

Am Randes des Tourismustages sagte Madsen weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Als Dauerbrenner unter den Problemen nannte Ipsen den Fachkräftemangel. Dieser sei das größte Risiko aus Sicht der Unternehmer geworden. Während der Corona-Pandemie seien viele Mitarbeiter in andere Branchen abgewandert. Auch in der Politik werde gesehen, Schleswig-Holstein attraktiver zu machen für Fachkräfte aus anderen Regionen und Ländern.

Madsen sagte, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben sei ein Weg. Aber «es leben bereits viele Menschen mit Migrationshintergrund in diesem Land, um die wir uns kümmern müssen. Viele Frauen finden nicht zurück in den Beruf», sagte er. Zudem gebe es etliche Langzeitarbeitslose. Man könne aber nicht einfach sagen, wir hätten sie gerne in Arbeit. «Wir müssen uns mit denen beschäftigen. Wir müssen den Leuten unter den Arm greifen.»

Ein Thema, das vor allem seit den Coronasommern 2020 und 2021 in immer mehr Urlaubsregionen des Landes diskutiert wird, ist die Akzeptanz des Tourismus bei Einheimischen. Dem trägt auch die Tourismusstrategie 2030 Rechnung, die im April im Landtag verabschiedet wurde. Diese nimmt nicht mehr nur die Gästeperspektive ein, sondern berücksichtigt auch Bedürfnisse der Einheimischen und Beschäftigten.

Madsen verwies darauf, dass Tourismus auch Strukturen schaffe. Er habe das selbst erfahren, als seine Eltern mit ihm von Kopenhagen in einen kleinen Ort an der dänischen Nordseeküste gezogen seien. «Zwölf Menschen lebten da.» Aber im Sommer seien dort mehr als 1000 Menschen gewesen. «Und deswegen hatten wir einen kleinen Friseur, einen Supermarkt, sogar eine ganz kleine Tankstelle. Infrastruktur, die man doch niemals für zwölf Menschen machen würde.» Das sei das Argument, das in die Regionen gebracht werden müsse.

Corona sei auch eine Zeit, in der alle kurz inne gehalten hätten, aus dem Hamsterrad ausgestiegen seien, sagte Madsen. Aber wie wäre ein Ort, eine Küste, eine Insel langfristig, wenn keine Gäste kämen, nannte er als eine der Fragen: Hätten wir noch ein Museum, einen Zoologischen Garten oder anderes? «Hätten wir noch einen Job?»

Damit die Klimawende nicht am Knowhow scheitert: Land fördert Qualifizierungsprojekte

Klimawende braucht kluge Köpfe – deshalb fördert das Land die Entwicklung und Erprobung neuer Qualifizierungsmodule rund um Energie-Themen mit rund 1,2 Millionen Euro.

Marten Jensen (links) von OFFTEC mit Dr. Gisa Andresen von der Ärztekammer sowie Gerhard Möller (2.v.r) vom Berufsverband der Schornsteinfeger mit drei „Glücksbringern“

Wirtschafts- und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen übergab dazu heute in Kiel Förderbescheide an den Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks, die nordfriesische Firma OffTEC und die Ärztekammer Schleswig-Holstein. „Unser Land hat große Chancen vom Ausbau der Erneuerbaren Energien zu profitieren. Die Betriebe und ihre Beschäftigten müssen sich aber neuen Herausforderungen stellen. Dabei ist eine passgenaue Qualifizierung der Schlüssel zum Erfolg – für die Unternehmen, aber auch für das Gelingen der Energiewende“, so Madsen.

Gefördert werden Projekte, in denen Weiterbildungsmodule entwickelt und mit den Beschäftigten in der Praxis getestet und umgesetzt werden. Der Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks aus Neumünster erhält dafür 632.000 Euro, die OffTEC GmbH aus Enge-Sande knapp 498.000 Euro und die Ärztekammer Schleswig-Holstein rund 76.000 Euro. Knapp zwei Drittel der Förderung stammen aus dem Landeshaushalt, der Rest aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF).

Landesinnungsmeister Gerhard Möller (Mitte) mit Minister und Projektmanager Jonas Suhr

Mit Blick auf das Schornsteinfegerhandwerk erinnerte Madsen an die Herausforderungen in Zusammenhang mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Energien (Dekarbonisierung). „Hier steht das Dienstleistungsangebot des Schornsteinfegerhandwerks vor riesigen Herausforderungen“, so der Minister. Das vom Land geförderte Projekt beschäftige sich daher mit der Konzeption und Erprobung von Schulungsmaßnahmen, die die Beschäftigten der Branche bei Neuerungen in Zusammenhang mit der Energiewende unterstützen.

Marten Jensen von OFFTEC mit dem Minister

Beim Projekt „RENES“ der Firma OffTEC werden neue Qualifizierungsmodule im Bereich elektrotechnischer und elektronischer Tätigkeiten entwickelt und erprobt, damit Mitarbeitende in den Bereichen Erneuerbare Energien spezielle Fachkenntnisse erlangen. „Davon versprechen wir uns, den Umbau der Wirtschaft auf umweltschonende Systeme und Verfahren voranzutreiben“, sagte Madsen. Zu den Themenschwerpunkten gehören Photovoltaik, Fahrzeugumrüstung und Elektromobilität.

Ärztekammer-Vizepräsidentin Gisa Andresen

Im Rahmen des Projekts „Qlima“ der Ärztekammer geht es um Qualifizierungsmodule für die nachhaltige ambulante Gesundheitseinrichtung. Dabei sollen Ärztinnen und Ärzte sowie anderes medizinisches Fachpersonal dazu befähigt werden, klimafreundliche Maßnahmen in ihren ambulanten Gesundheitseinrichtungen zu etablieren und Patienten zum Einfluss des Klimawandels auf die Gesundheit beraten.

Der Förderaufruf hatte sich an Bildungsträger beruflicher Qualifizierungsmaßnahmen mit Sitz in Schleswig-Holstein gerichtet. „Alle drei ausgewählten Projekte haben uns besonders durch ihre inhaltliche Ausrichtung und den starken Praxisbezug überzeugt“, sagte Madsen. Weiter erklärte der Minister – Audio starten, Pfeil klicken…

Die Bescheidübergabe fand bei der Kieler Verkehrsgesellschaft mbH (KVG) in der jüngst fertiggestellten Werkstatthalle für E-Busse statt. Hier werden elektrisch- und hybridbetriebene Busse mit modernster Technik gewartet. Von den insgesamt gut 200 Bussen im Stadtgebiet Kiel sind mittlerweile bereits die Hälfte mit Elektromobilität ausgestattet. Die KVG ist auch an dem Projekt „RENES“ (Renewable Energy New Electric Skills) der Firma OffTEC GmbH beteiligt, bei dem auch der Verband des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein als Kooperationspartner fungiert.

Land erteilt Baugenehmigung für Akkuzug-Werkstatt der Firma Stadler in Rendsburg

Stadler-Deutschland-Chef Lübben (links) nimmt im Beisein von Minister Madsen die Baugenehmigung von APV-Chef Martin Hamm entgegen.

Grünes Licht für den Neubau der Instandhaltungswerkstatt des Zugherstellers Stadler in Rendsburg: Das Amt für Planfeststellung Verkehr (APV) hat heute im Beisein von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen den 100 Seiten starken Planfeststellungsbeschluss an Edzard Lübben, Geschäftsführer der Stadler Service Deutschland übergeben. „Damit sind wir nach 22 Monaten Verfahrensdauer dieses für die Verkehrswende wichtigen Projekts einen riesigen Schritt weiter“, sagte Madsen bei der Übergabe der Unterlagen durch APV-Chef Martin Hamm.

Wie Madsen erläuterte, sei mit dem Planfeststellungsbeschluss auch die so genannte sofortige Vollziehbarkeit angeordnet worden. „Das heißt, dass unmittelbar mit den Arbeiten begonnen werden kann.“ Lübben zeigte sich erfreut und sagte: „Wir freuen uns, dass das Planfeststellungsverfahren nun abgeschlossen werden konnte, so dass wir unverzüglich vor Anbruch des Winters die geplanten und dringend anstehenden Bauarbeiten an der Werkstatt zur Instandhaltung der neuen batterieelektrischen Regionaltriebzüge für Schleswig-Holstein beginnen können. Stadler wird am Standort Rendsburg eine Werkstatt zur Instandhaltung der 55 batterieelektrischen Fahrzeuge errichten und damit bis zu 30 neue Arbeitsplätze schaffen.“

Ziel des rund 30-Millionen-Euro-Projekts ist es, die Voraussetzungen für den sicheren Betrieb von Akku-Triebwagen zu ermöglichen. Repariert und gewartet werden die Züge in Rendsburg. Die Vorbereitungen für den Bau des Werks haben nach Zulassung mittels vorläufiger Anordnung durch das APV bereits Anfang des Jahres begonnen. Nun kann weitergebaut werden. „Ich bin sicher, dass mit dem Planfeststellungsbeschluss ein wichtiger Meilenstein für einen klimaneutralen Bahnbetrieb in Schleswig-Holstein erreicht wurde und wir durch das Projekt in der Region Rendsburg viel für die Attraktivität des ÖPNV erreichen werden“, sagte Madsen. Das sei wichtig für das Erreichen der Klimaziele.

Der Planfeststellungsbeschluss und die Planunterlagen liegen vom 12. Oktober bis 25. Oktober bei der Stadt Rendsburg zur Einsichtnahme aus und sind ab dem 12. Oktober auch online unter https://planfeststellung.bob-sh.de  abrufbar.

Länderminister hoffen weiter auf Bewegung des Bundes bei Deutschland-Ticket

Mit den Ergebnissen der heutigen Verkehrsminister-Sonderkonferenz noch nicht zufrieden: Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide

Sonderkonferenz ohne Durchbruch: Bund und Länder peilen bis Mitte Oktober eine Verständigung über ein Folgeangebot für das 9-Euro-Ticket im Nahverkehr an. Alle Länder hätten bekundet, dass sie sich vorstellen könnten, ein Anschlussticket mitzutragen, sagte die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Maike Schaefer (Grüne) aus Bremen nach den heutigen Beratungen mit Bundesminister Volker Wissing (FDP). Dazu solle nun eine Arbeitsgruppe zügige Beratungen aufnehmen.

Nach den Worten von Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide erwarteten die Länder aber zugleich, dass dies an eine Anhebung der generellen Regionalisierungsmittel des Bundes gekoppelt sei. Mit dem Geld aus Berlin bestellen die Länder Leistungen bei den Verkehrsunternehmen.

Von der Heide sagte nach der Konferenz – Audio starten, Pfeil klicken…

Bundesverkehrsminister Volker Wissing begrüßte es unterdessen, dass die Länder nun mit dem Bund ein Folgeticket zum 1. Januar 2023 einführen wollten. Dies sei ein ehrgeiziges Ziel, es brauche dafür schnelle Entscheidungen. Er hoffe, dass es bei der Verkehrsministerkonferenz am 12./13. Oktober einen Eckpunktebeschluss geben könne. Wissing äußerte Verständnis, dass die Länder angesichts der hohen Energiepreise eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel forderten. Dies sei noch zu klären.

Minister an der Westküste: Glasfaser für Husum – Millionen für Dithmarscher Bio-Frosterei

Westküsten-Tag rund um Wirtschaft, Tourismus, Technologie: Wirtschaftsminister Madsen traf heute nicht nur erstmals auf Husums Bürgermeister Schmitz, er nahm zugleich den ersten Spatenstich für die Glasfaser-Erschließung des Ortsteils Rödemis vor. Danach hatte er auch noch für eine Biofrost-Firma in Dithmarschen einen Millionen-Förderbescheid im Gepäck. Doch der Reihe nach…

Minister Madsen (Mitte) mit Bürgermeister Schmitz (2.v.r.), Landrat Lorenzen (2.v.l.) sowie Jutta Albert von der Tourismus und Stadtmarketing Husum GmbH und Holger Danneberg

Bei Madsens zweistündigem Treffen mit Schmitz ging es neben Gewerbeflächen vor allem um die Wachstumsstrategie „Husum-Tourismus 2025“. «Ich konnte bei meinem Besuch spüren, dass hier eine Region erkannt hat, dass etwas getan werden muss», sagte Madsen im Anschluss an die Debatte um die touristische Ausrichtung, an der auch Landrat Florian Lorenzen teilnahm. Tourismus-Berater Jan Sönnichsen von der Berliner Destination LAB GmbH gab dem Minister Einblicke in Inhalte und Ziele des Umsetzungsmanagements. Dazu zählt auch eines von mehreren Schlüsselprojekten, das „Destinature Dorf Husum“ im Ortsteil Schobüll.

Danneberg, Inhaber der „WERKHAUS Design + Produktion GmbH“, erläuterte dem Minister anschließend die Planungen im Detail. Damit sich Madsen vor Ort ein konkretes Bild machen konnte, fuhr die Gruppe anschließend nach Schobüll. Nach einem kurzen Rundgang schwärmte Madsen: «Hier möchte ich Urlaub machen und würde tatsächlich hierher radeln.» Husum sei eine einnehmende Stadt, die von Tradition geprägt sei und gleichwohl einen „Nach-Vorne-Blick“ habe.

Tiny-House-Prototyp im Husumer Ratssaal: Jan Sönnichsen (links) und Holger Danneberg (rechts) erläutern dem Minister das Modell

Außerdem sei die Stadt enorm aktiv, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Dazu gehörten innovative touristische Projekte wie die Planungen in Schobüll, aber auch Vorhaben wie der Neubau des Sport- und Freizeitzentrums mit Schwimmbad, die vor allem den Einheimischen zugutekommen. Die Kritik vieler Bürgerinnen und Bürgern im Ortsteil Schobüll gegen das neue Projekt sei ihm bekannt. Aus seiner Zeit als Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock habe er auch Bürgerproteste für geplante Projekte miterlebt. «Miteinander reden ist wichtig, aber man sollte auch mit dem Wandel gehen. Veränderung bringt letztlich auch Begeisterung mit sich», sagte Madsen.

Spatenstich (v.l.): Olaf Kretschmann, Stadtwerke Husum, Hannes Pohl, Pohl-Gruppe, Uwe Schmitz, Bürgermeister Husum, Ute Gabriel-Boucsein, BBNG, Norbert Jungjohann, Stadtwerke Husum Minister Madsen
 

Im Husumer Ortsteil Rödemis folgte dann der erste Spatenstich für den Aufbau eines Glasfasernetzes. Die Stadt Husum hatte der Stadtwerke Husum GmbH und der Husum Netz den Auftrag erteilt, langfristig eine optimale Breitbandversorgung in der Stadt zu gewährleisten. Als Grundversorger und Inhaber modernster Infrastrukturen haben die Unternehmen die Aufgabe bereits in Angriff genommen und die Husum Glasfaser GmbH & Co. KG gegründet. Unterdessen wurde Husum in einzelne Ausbaugebiete unterteilt. Im ersten Gebiet – Rödemis – wurde laut Bürgermeister Schmitz schnell deutlich, dass die Einwohnerinnen und Einwohner das Netz der Stadtwerke wollen. Und so haben alle Beteiligten die Planung und Umsetzung noch deutlich schneller vorangetrieben, damit Einheimische, Unternehmen und Feriengäste so schnell wie möglich alle digitalen Anwendungen stabil, schnell und sicher nutzen können.

«Mit ihrem entschlossenen Vorgehen haben die Husumer die Zeichen der Zeit richtig erkannt. Die bisherige Breitband-Versorgung in der Stadt ist sehr fragmentiert und gerade in den Randlagen schlecht. Das wird sich mit dem Bau eines flächendeckenden Glasfasernetzes ändern – und das eigenwirtschaftlich und ohne Fördermittel», sagte Madsen. Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen, die Chance zu nutzen: „Buchen Sie möglichst einen Glasfaseranschluss und unterstützen Sie damit die technologische Zukunft ihrer Stadt und ihrer Wirtschaftsregion.“

Madsen erinnerte daran, dass Schleswig-Holstein zwar im Bundesvergleich deutlich vorn beim Bau von Glasfaseranschlüssen bis ins Haus liege – laut der aktuellen BREKO Marktanalyse bei 61 Prozent verfügbaren Hausanschlüssen – aber die Städte noch deutlich schlechter aufgestellt seien.

Die Visualisierung der 2024 fertigen Biofrost-Anlage in Friedrichsgabekoog.

Gute Nachrichten gab es zum Schluss der Westküsten-Tour schließlich noch für den Wirtschaftsstandort Dithmarschen: Die Firma Bio-Frost Westhof investiert rund 50 Millionen Euro in die Errichtung einer innovativen Frosterei in Friedrichsgabekoog. Das Land unterstützt das Projekt mit 2,7 Millionen Euro. Madsen übergab dazu einen entsprechenden Förderbescheid an die Geschäftsführung Berit Carstens-Lask und Rainer Carstens. Mit Blick auf die 24 neu entstehenden Arbeitsplätze sagte Madsen: «Diese Jobs sind für die Region äußerst wichtig. Hierdurch entstehen Beschäftigungsmöglichkeiten für Fachkräfte, aber auch für Geringqualifizierte, die es zunehmend schwerer haben, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.»

Die Frosterei soll nach Angaben der Geschäftsleitung eine der größten Bio-Frostereien in Europa werden. Das vom Land geförderte Teilprojekt der 50-Millionen-Investition umfasst rund 18 Millionen Euro. Madsen lobte bei seinem Besuch vor allem das Konzept einer CO2-neutralen Produktion. Der gesamte Energiebedarf der Frosterei werde aus erneuerbaren Quellen gespeist. „Die Anlage speichert überschüssigen Wind- und Sonnenstrom als thermische Energie und ermöglicht damit dessen zeitversetzte Nutzung. Damit spiegelt dieses Projekt für mich den Kern von Schleswig-Holstein wieder: nachhaltig, naturnah, innovativ und auf die Zukunft ausgerichtet“, so Madsen.

Madsen vor Minister-Meeting: Besseres Angebot muss Vorfahrt vor Billig-Ticket haben

Ein günstiges neues Ticket für Bus und Bahn soll kommen – darüber gibt es weitgehende Einigkeit. Doch die Ausgestaltung und Finanzierung ist offen. Im Vorfeld der morgigen Sonderkonferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern setzt  Verkehrsminister Madsen klare Prioritäten.

Im Tauziehen um ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket fordert Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen klare finanzielle Zusagen des Bundes. «In erster Linie brauchen wir ein entsprechendes Angebot für Bus und Bahn», sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur vor der Sonderkonferenz. «Ich habe so ein bisschen das Gefühl, wir sitzen alle im Zug und wenn wir nach vorne schauen, sehen wir, dass unsere Gleise aufhören, aber wir diskutieren darüber, ob wir nicht unsere Fahrkarten preiswerter machen sollen.»

Priorität haben die Sicherung des Betriebs und der Ausbau der Infrastruktur, also die Schaffung eines besseren Angebots, sagte Madsen. «Es nützt ja nichts, wenn ich in Schleswig-Holstein irgendwo in einem Dorf stehe, wo Bus und Bahn nicht fahren, aber dafür gibt es das Ticket künftig zum halben Preis.» Trotzdem müsse es ein Nachfolgeticket geben, sagte der Minister. Es sollte aus seiner Sicht keine Zahl im Namen bekommen, sondern Klima- oder Mobilitätsticket heißen. «Sonst wären wir ja auf ewig auf eine Summe fixiert.» Die Bundesregierung strebt eine Spanne zwischen 49 und 69 Euro im Monat an. Dies würde auch Madsen mittragen.

Hier das komplette Interview von Madsen mit dem Kieler dpa-Korrespondenten Wolfgang Schmidt:

«Zuerst aber muss uns der Bund zusichern, dass wir die Mittel, die wir brauchen, um unser aktuelles Angebot zu erhalten und unsere Infrastruktur auszubauen, auch sicher haben», nannte er als Voraussetzung. Auch die erhöhten Energiekosten müssten berücksichtigt werden. Nicht nur Bäckereien haben mit höheren Energiekosten zu kämpfen.

Es gehe darum, dass der Bund in ausreichender Höhe die Regionalisierungsmittel für Ausbau, Erhalt und Betrieb der Infrastruktur und zusätzlich für ein gefördertes Ticket fest zusagt, betonte Madsen. Dies sei keine freiwillige Leistung sondern seine im Grundgesetz verankerte Pflicht. «Wir brauchen in den nächsten zehn Jahren allein für Schleswig-Holstein weit über eine Milliarde Euro, wahrscheinlich sogar zwei Milliarden oder mehr.» Allein für die Aufrechterhaltung des bestehenden Nahverkehrsangebots benötige das Land aufgrund der explodierenden Kosten für Energie und Personal einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. «Wir reden also über riesige Summen und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir richtig an die Sache herangehen.»

Im Erfolgsfall könnte das neue Ticket zügig starten. «Wir warten dann nicht, bis wir 2030 die letzte Ausbaustufe erreicht haben», sagte Madsen. «Aber meine Befürchtung ist: Wir einigen uns auf ein Ticket und diskutieren dann über die Regionalisierungsmittel.» Sollten diese nicht wie erforderlich kommen, werde es nicht um einen Ausbau des Angebots gehen, sondern um Streichungen.

Madsen zeigte sich überzeugt, dass ein neues Ticket bald beschlossen wird. Das 9-Euro-Ticket sei auch in Schleswig-Holstein mit über 700.000 verkauften Exemplaren ein großer Erfolg gewesen, habe aber auch die Grenzen des Systems verdeutlicht. Es werde ein Ringen geben. «Ich glaube, innerhalb der nächsten Wochen werden wir eine Lösung bekommen; wir reden nicht über Monate.» Die Bürger wollten ein einfaches, verständliches und preiswertes Angebot. «Die Menschen wollen aber auch Qualität und Verlässlichkeit. Und das bekommen wir nur hin, wenn wir auch investieren.»

SH-Initiative: Nord-Länder erlauben Lkw-Energietransporte bis Ende April auch sonntags

Wegen teils akuter Engpässe bei Transporten im Energiesektor setzt die Landesregierung bis Ende April das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw aus. Wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute mitteilte, sei die Erhöhung der Transportkapazitäten unter anderem aufgrund des so genannten „Fuel Switch“ nötig, also der Verdrängung von Gas – nicht nur bei Kraftwerken, sondern auch bei Industrieprozessen. «Infolge dessen kommt es es zu einer Ausweitung der benötigten Mengen an Mineralöl und Flüssiggas für die Industrie», so Madsen.

Ein weiterer Aspekt für die Ausweitung der Sonntags-Fahrerlaubnis bis zum Ende der Heizperiode sei auch die Verknappung der Binnenschiffkapazitäten aufgrund der wochenlangen Niedrigwasserphase auf dem Rhein. Dadurch mussten Gütertransporte in erheblichem Umfang auf die Schiene verlagert werden, die die Schienentransportkapazitäten weiter stark belasten. «Darum ist es erforderlich, die Transportkapazitäten für Energietransporte auf der Straße ebenfalls so weit wie irgend möglich auszuweiten», sagte Madsen. Der Initiative Schleswig-Holsteins, die Regelung bis Ende April auszuweiten, haben sich auch alle vier norddeutschen Nachbarländer angeschlossen.

Die Ausnahmegenehmigung gilt für Transporte aller Arten von Mineralöl (Heizöl, Diesel, Kerosin, Benzin) sowie von Flüssiggas (Butan/Propan). Die Ausnahme gilt auch für erforderliche Leerfahrten, die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Transporten stehen.

Minister auf Werften-Tour: Madsen heute zu Gast bei TKMS, German Naval Yards und Flensburger FSG

Präsentation im neuen Showroom von TKMS: Madsen mit den beiden Werft-Vorständen Alexander Orellano und Finanzchef Paul Glaser (v.l.)

Ein Werftentag im Licht von Krieg in Europa und einem anstehenden 100-Milliarden-Rüstungsprogramm der Bundesregierung: Heute besuchte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen in Begleitung des Maritimen Koordinators der Landesregierung, Andreas Burmester, die Kieler Werften Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards (GNYK) sowie die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG). Allein auf dem Werftgelände des Kieler Ostufers sind 3000 Menschen beschäftigt.

Madsen sagte den Werften dabei die Unterstützung des Landes zu. Die Wehrindustrie sei für Deutschland und Schleswig-Holstein wichtig. Er wolle ein klares Signal setzen: «Wir wollen uns gemeinsam darum bemühen, dass wir vom Paket der 100 Milliarden Euro Sondervermögen der Bundesregierung auch einen Teil abbekommen für unsere Unternehmen», so Madsen. «Wir sind da auch auf einem guten Weg, weil wir es hier mit Weltmarktführern zu tun haben.»

Es gelte pragmatische Lösungen zu finden, sagte der Minister im Blick auf erhoffte Aufträge aus dem Milliarden-Paket. Die Werften in Kiel sind spezialisiert auf den Bau von Marineschiffen wie U-Boote und Fregatten. Es sei beeindruckend gewesen, sich die Schiffbauhallen anzusehen und motivierte Menschen kennenzulernen, sagte Madsen. Er durfte auch ein U-Boot besichtigen.

Der Geschäftsführer von German Naval Yards, Rino Brugge, dankte für die Unterstützung des Landes. Es sei sehr wichtig, dass es in Schleswig-Holstein eine maritime Industrie gibt. «Wir kooperieren ja schon seit vielen Jahren miteinander in vielen Bauprogrammen», sagte auch TKMS-Vorstand Alexander Orellano auf die Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit beider Werften für Aufträge aus dem Bundeswehr-Sondervermögen. «Das wird sich in Zukunft auch nicht ändern.» Die Werft sei überzeugt davon, ihre Kunden überzeugen zu können, sagte Orellano. «Auch die Deutsche Marine.»

Beide Werften stehen auch bereit, sich an der Entsorgung von Kriegsmunition aus dem Meer zu beteiligen. Hierzu gebe es bei TKMS bereits vielversprechende Ansätze und Projekte. «Für mich ist es tatsächlich wichtig gewesen zu erfahren, dass wir ganz kurz vor der Reife stehen, Munition heben zu können», sagte auch Madsen. Es sei wichtig für die Werften im Blick auf die Zukunft, auch zivile Technologien zu entwickeln.

V.r.: GNYK-Chef Rino Brugge, Madsen und Alexander Orellano

TKMS investiere sehr viel, sagte Vorstand Orellano. Die Werft errichte nicht nur eine neue Schiffbauhalle und eine Brennstoffzellenproduktionshalle. Sie investiere auch viel in die Köpfe der Menschen und in Technologie. «Wir glauben, dass wir ein sehr guter Katalysator sein können auch für zivile Produkte.» So wolle die Werft für die Schifffahrt auf der Kieler Förde eine autonom fahrende Fähre mit alternativem Antrieb bauen.

Zur Frage des Fachkräftebedarfs in der Werftenbranche und den Aussichten auf einem Anteil am Rüstungspaket der Bundesregierung sagte Madsen im Gespräch mit Journalisten weiter – Audio starten, Peil klicken…

Die Zeitenwende auf den Werften prägt inzwischen auch die Silhouette des Kieler Ostufers: Die neue Schiffbauhalle von TKMS wird 170 Meter lang, 70 Meter breit und 33 Meter hoch. Dort sollen ab dem Jahr 2023 U-Boote gebaut werden. Die Halle ist Teil eines Standortkonzeptes, in das der Industriekonzern Thyssenkrupp AG rund 250 Millionen Euro investiert.

TKMS hat von Norwegen und Deutschland Aufträge zum Bau von sechs U-Booten der HDW-Klasse 212 CD bekommen. Das letzte U-Boot soll nach derzeitigem Stand 2034 ausgeliefert werden. Der Bau der neuen Schiffsbauhalle sei im Zeitplan, sagte ein Sprecher. Rund 300 Beschäftigte können im Schichtbetrieb in der Halle arbeiten.

FSG-Crew mit Madsen auf dem Oberdeck der „Tennor Ocean“

Bei der FSG erörterte der Minister mit Geschäftsleitung und IG-Metall neben den Chancen durch mögliche Teilhabe an Marine-Aufträgen das enorme Potenzial der Offshore- Windparks und anderer Grüner Technologien. Im Marineschiffbau war die FSG zuletzt Anfang der 2000er Jahre beim Bau des Einsatzgruppenversorgers der Bundesmarine erfolgreich. FSG-Strategiechef Johannes Wolters (im Bild, Mitte) erinnerte daran, dass an der Werft mit ihren 700 Beschäftigten rund 8000 zukunftsträchtige Arbeitsplätze in der Region hingen.

Mit Blick auf das Milliardenprogramm des Bundes sagte Wolters weiter: „Uns ist wichtig, in der ausgerufenen Zeitenwende ein verlässlicher Partner der deutschen Marine und der Streitkräfte zu sein.“ Die Werft habe genügend Know How um den speziellen Anforderungen des Marineschiffbaus gerecht zu werden . „Die Strukturen und Anlagen der Werft ermöglichen dabei besonders wirtschaftliche Projekte“, so Wolters.

Madsen erinnerte abschließend daran, dass die FSG in 150 Jahren knapp 800 Schiffe konstruiert und gebaut habe. Die Werft sei ein bedeutender Arbeitgeber im nördlichen Schleswig-Holstein und besitzt eine herausragende Bedeutung für die Region Flensburg, aber auch für die Zulieferindustrie in Schleswig-Holstein. „Gerade deshalb finde ich es gut, dass sich die FSG bei so wichtigen und richtungsweisenden Projekten wie dem Forschungsschiff Polarstern 2 engagiert und auch Bereitschaft signalisiert hat, im Dialog mit Land und Bund eine wesentliche Rolle beim Ausbau von Offshore Wind zu spielen. Wir brauchen das Thema Offshore-Wind für ein Gelingen der Energiewende, hier sehe ich beim Bau von Umspannplattformen und Errichterschiffen erhebliche Potentiale für unsere Werftindustrie“, so der Minister.

Günther und Madsen eröffnen 67. Nordbau im Zeichen von Energiekrise und Energiewende

Ministerpräsident Günther setzt den symbolischen Stein zur Eröffnung der 67. Nordbau

Zusammen mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen hat Ministerpräsident Daniel Günther heute die Fachmesse NordBau in Neumünster eröffnet und für Wasserstoff als wichtigen Energieträger geworben. «Schleswig-Holstein soll Deutschlands Marktführer beim Grünen Wasserstoff werden», sagte der CDU-Politiker. Er begrüße es daher, dass Wasserstoff Sonderthema der Messe sei. «Wir brauchen innovative und umsetzbare Lösungen, damit die Energie auch dahin kommt, wo sie gebraucht wird. Hier ist die Baubranche ein wichtiger Partner.»

Auch Madsen betonte die Chancen von Wasserstoff als wichtigem Energieträger und als Ansiedlungsargument: «Wasserstoff kann von immer mehr Unternehmen genutzt werden, und davon können wir im Norden erheblich profitieren – auch wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen.» Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Die Produktion von sauberen Energien ist nach Ansicht von Günther und Madsen längst zu einem Markenzeichen von Schleswig-Holstein geworden: «Gerade jetzt, wo wir unsere eigene Energieproduktion dringend nachhaltig und unabhängig aufstellen müssen, werden wir unsere gute Ausgangsposition nutzen, um zu zeigen, wie die Energiewende gelingt», sagte Günther. Dabei spiele der Bausektor mit seinen vielen leistungsfähigen Fachbetrieben eine entscheidende Rolle.

Auf der 67. Nordbau steht bis Sonntag alles rund um Hoch- und Tiefbau, Baugeräte und Baumaschinen, Kommunaltechnik, Baustoffe, Bauelemente und Energietechnik auf der Agenda. Ein besonderer Fokus liegt nach Messeangaben zudem auf Beratung und Information zu energetischen Fragen. Diese richte sich an private Bauherren und Eigenheimbesitzer ebenso wie an Handwerker.

Das Thema Energie und Mittelstand hatte vor dem Messerundgang von Günther und Madsen auch den Wirtschaftsausschuss des Landtags beschäftigt, der ebenfalls auf der Nordbau tagte. Dabei erinnerte Madsen noch einmal an das von der Landesregierung verabschiedete Hilfspaket, inklusive eines 500-Millionen-Darlehnsfonds für notleidende Betriebe – vor allem Stadtwerke. Dabei machte Madsen deutlich, dass hinsichtlich weiterer Hilfen vor allem die Bundesregierung gefordert sei. Er habe sich bereits vor knapp einem Monat mit einem entsprechenden Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gewandt.

NAH.SH-Kongress macht der Branche Mut, auch mal weniger perfekte Dinge zu wagen

„Einfach mal machen!“ Verkehrs-Staatssekretär von der Heide

Reger Austausch, konzentriertes Publikum und eine klare Botschaft beim NAH.SH-Kongress in Lübeck: Der Nahverkehr in Deutschland befindet sich in einer Zeit des Aufbruchs. Und für Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide ist klar: „Diesen Schwung gilt es nun zu nutzen.“ Er erinnerte aber auch an die gewaltigen Herausforderungen, die nicht zuletzt das 9-Euro-Ticket im Bereich von Angebot und Infrastrukturbereich offengelegt habe. „Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die CO-2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent zu reduzieren und bis 2045 treibhausgasneutral zu werden. Und um das zu erreichen, müssen wir doppelt so viele Fahrgäste wie bisher vom Auto in Bus und Bahn bekommen“, so von der Heide.

Der Nahverkehrsverbund NAH.SH hatte zusammen mit den Kreisen, kreisfreien Städten und dem Land bereits im Frühjahr eine Vision für den ÖPNV 2030 formuliert. Entscheidend dabei sei, so von der Heide, dass man mit dem ÖPNV überall hinkommen könne, auch am Abend und an den Wochenenden. Das Land begleite schon jetzt zwei On-Demand-Angebote im Rahmen eines Pilotprojektes: ReMo in Rendsburg und das smarte DorfSHUTTLE im Amt Süderbrarup.

Beim Podium in der Lübecker Gollanwerft lautete die erste Frage dann auch gleich, was die Folge der drei Monate 9-Euro-Ticket sei. „Die Branche kann stolz darauf sein, dass sie in so kurzer Zeit dieses Ticket auf die Beine gestellt hat. Jetzt ist die Zeit des Aufbruchs und der Chancen des Nahverkehrs“, sagte NAH.SH-Chef Arne Beck.

Die Mobilitätsexpertin Katja Diehl brachte ihre Position in ihrem anschließenden Vortrag so auf den Punkt: „Das Auto hat in der Politik eine priorisierte Stellung, die zurückgenommen werden müsste. Aber in Deutschland ist das Auto unantastbar“ Um weg vom Auto zu kommen gäbe es fünf Anreize: Alternativen, Barrierefreiheit, Sicherheit, Bezahlbarkeit und Klimagerechtigkeit. Außerdem sollte man die Gelder, die in die Autoindustrie gesteckt werden, lieber in die Umweltindustrie investieren, zu der auch der Nahverkehr gehört.

Das abschließende Statement von Katja Diehl, dass „die Branche vielleicht weniger eitel und perfekt sein sollte“, unterstrich der Staatssekretär Tobias von der Heide mit den Worten: „Wir sollten die Dinge anpacken und einfach mal machen – und ein Scheitern gegebenenfalls in den Kauf nehmen.“