Archiv der Kategorie: Allgemein

1,6 Millionen für Gewerbegebiete bei Stolpe – Buchholz: „Die Saat einer Entwicklungsachse geht auf“

Wankendorfs Bürgermeisterin Silke Roßmann (rechts) beim symbolischen Spatenstich mit Minister Buchholz und Stolpes Bürgermeister Holger Bajorat

Der Ausbau der B 404 zur A 21 zwischen Kiel und Hamburg verkürzt nicht nur Fahrtzeit, sondern verbessert auch die Wirtschaftsstruktur. Inzwischen führt der Ausbaufortschritt zu weiterem Gewerbeflächenbedarf. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz überreichte dafür heute gleich zwei Förderbescheide im Kreis Plön. Knapp 930.000 Euro für die Erweiterung des Gewerbegebiets „Auf dem Bös“ erhielt Wankendorfs Bürgermeisterin Silke Roßmann – und einen Förderbescheid über knapp 700.000 Euro für die Erweiterung des Gewerbegebiets „An der Straßenmeisterei“ nahm Stolpes Bürgermeister Holger Bajorat entgegen.

„Die gute wirtschaftliche Entwicklung wird sich hier in der Region fortsetzen. So entstehen an der A 21 auch weiterhin Gewerbeflächen, weil immer mehr Investoren von der wichtigen Nord-Süd-Verbindung mit kurzen Wegen zwischen Skandinavien und Mitteleuropa überzeugt sind“, sagte Buchholz. Er erinnerte zugleich daran, dass die Wirtschaft im Land mittelständisch geprägt sei. „Der Mittelstand ist Motor für Wachstum und Beschäftigung. Davon profitieren jetzt die Gemeinden Wankendorf und Stolpe.“

Buchholz sieht viele gute Gründe für die kommunalen Investitionen an beiden Standorten: „Die Verkehrsanbindung ist bereits vorhanden, hier wird im Gegensatz zu ganz neuen Gewerbegebieten sparsamer mit dem Flächenverbrauch umgegangen und die bereits ansässigen Unternehmen können durch neue Nachbarn gewinnen“, so der Minister. Aus seiner Sicht dürfe es an dieser Landesentwicklungsachse bei der Erschließung neuer Gewerbeflächen „sehr gerne viele Nachahmer geben. Davon profitiert nicht nur der Kreis Plön, sondern auch die KielRegion und der HanseBelt.“

Nach 17 Monaten Bauzeit: Die Brücke über die B 76 in Timmendorfer Strand ist fertig

Minister Buchholz (Mitte) mit Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke und LBV-Chef Conradt

Einheimische und Gäste können wieder aufatmen: Alle Arbeiten rund um den Brückenersatzbau im Zuge der Bahnhofstraße über die B 76 sind abgeschlossen. Nach 17 Monaten Bauzeit herrscht wieder freie Fahrt in Timmendorfer Strand. „Endlich ist eine zentrale Verbindung im Ort wieder in Schuss und frei befahrbar“, freute sich Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz bei der Freigabe heute in Timmendorfer Strand gemeinsam mit Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr (LBV.SH). Für die Gemeinde, den Tourismus und für alle Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer seien dies sehr erfreuliche Nachrichten, sagte Buchholz.

Weiter sagte Buchholz – Audio starten

Die alte Stahlbetonbrücke in Timmendorfer Strand war in die Jahre gekommen und konnte nach rund sechzigjähriger Nutzung den heutigen Verkehrsmengen nicht mehr gerecht werden, erklärte Conradt. Sie habe deutliche altersbedingte Schäden an dem Beton der Gehweg-Kragarme und den Geländern aufgewiesen. Daher mussten im Vorwege die beschädigten Kragarme zurückgebaut und die verrosteten Geländer demontiert werden.

Die neue Ersatzbrücke wurde seit April 2021 in Stahlverbundbauweise errichtet. Die Baukosten belaufen sich auf mehr als zwei Millionen Euro und werden vom Bund getragen. „Das ist eine sehr gute Investition in die Gemeinde“, so der Minister. Am meisten freue er sich als Tourismusminister darüber, dass die Baustelle pünktlich zur nun startenden Saison an der Küste verschwunden sei.

Buchholz und Conradt warben bei dem Termin in Timmendorfer Strand außerdem um Fachkräfte für den LBV.SH. „Wir suchen stetig nach weiteren Straßenbauprofis, Verwaltungsfachleuten und Ingenieuren“, sagte Conradt. Auch für Auszubildende oder junge Leute, die sich für ein duales Studium interessierten, gebe es spannende Möglichkeiten.

Mehr unter: www.schleswig-holstein.de/lbvsh-jobs

Buchholz und Hafenchefs: Güter-Umschläge lagen 2021 auf Erfolgskurs

Minister Buchholz und Hafenchef Schnabel

Schleswig-Holsteins Häfen lagen 2021 klar auf Erfolgskurs: Der Umschlag von Waren und Gütern stieg im Vergleich zu 2020 um 4,9 Prozent auf 52,6 Millionen Tonnen, wie der Gesamtverband Schleswig-Holsteinischer Häfen (GvSH) heute in Berlin berichtete. Damit liegen die Häfen an Nord- und Ostsee wieder auf nahezu gleichem Niveau wie vor der Corona-Pandemie. Schleswig-Holstein ist nach Hamburg und Bremen weiter größter Seehafenstandort unter den Flächenländern.

Einen noch deutlicheren Zuwachs gab es mit 23,8 Prozent bei den Passagierzahlen auf nun 8,6 Millionen. Die Passagierzahlen lagen aber weiter unter dem Vor-Corona-Niveau. Für das laufende Jahr wird mit einer weiteren deutlichen Erholung gerechnet. «Hier erwarten wir im laufenden Jahr eine deutliche Steigerung, auch, weil durch die Verkehre, die von Sankt Petersburg abgezogen sind, sicherlich mehr Anläufe im Ostseeraum in Kiel stattfinden werden», sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Weiter sagte Buchholz nach dem heutigen Treffen des GvSH mit Parlamentariern in Berlin – Audio starten, Pfeil klicken…

Wesentliches Thema der Hafenbetreiber bleibt der Umweltschutz. «Die Schleswig-Holsteinischen Häfen sind sich ihrer Verantwortung bewusst, ihren Beitrag zur Einhaltung der Klimaziele zu leisten», sagte der GvSH-Vorstandsvorsitzende Frank Schnabel. Dafür seien hohe Investitionen geplant. Die Häfen würden bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. «Der notwendige Import von grünen Energieträgern wird über die Häfen erfolgen müssen. Darauf stellen wir uns ein.»

Notwendig sind beispielsweise zusätzliche Landstrom- und auch Flüssiggas-Anlagen. Dafür seien zusätzliche Bundesmittel nötig, sagte Buchholz. «Denn das können wir neben den normalen Infrastruktur-Ausgaben für die Häfen nicht stemmen.»

Die langfristigen Folgen des Krieges in der Ukraine für die Häfen im Norden sind nach Angaben des Verbands noch nicht zu beurteilen.

Auch im Norden rollt die Sanierungswelle: LBV.SH packt 130 Kilometer Straßen und Radwege an

Buchholz mit LBV.SH-Direktor Cont´radt (rechts) und dem Straßenbau-Experten Christoph Köster

Die Sanierungswelle für das Landesstraßennetz rollt auch durch die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg: Wie Verkehrsminister Bernd Buchholz heute mit Fachleuten des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) in Kiel sagte, sollen in den kommenden Monaten allein im nördlichen Landesteil knapp 130 Kilometer Straßen, rund elf Kilometer Radwege und fünf Brücken grundsaniert werden. „Unser LBV.SH packt in Nordfriesland sowie im Kreis Schleswig-Flensburg insgesamt 30 Straßen inklusive vier Radwegen an und investiert damit fast 60 Millionen Euro in eine bessere Infrastruktur“, sagte Buchholz. Zusammen mit LBV.SH-Direktor Torsten Conradt sowie den leitenden Ingenieuren Britta Lüth und Christoph Köster stellte er die geplanten 36 Einzelprojekte aus den beiden nördlichen Kreisen vor.

Hier ein Mitschnitt des Online-Pressegesprächs:

Während in früheren Jahren durchschnittlich 20 Millionen Euro in den Erhalt des Landesstraßennetzes gesteckt wurden, investiere die Landesregierung seit 2017 durchschnittlich 95 Millionen Euro jährlich, so Buchholz. Und das habe seinen guten Grund: „Nicht nur unsere Bürgerinnen und Bürger sind auf intakte Verkehrswege angewiesen, sondern auch alle Gäste des echten Nordens und ganz besonders unsere Wirtschaft.“

Laut LBV.SH-Chef Conradt sind in dem 58,7-Millionen-Euro-Paket für Nordfriesland und Schleswig-Flensburg insgesamt 17 Landesstraßen-Projekte enthalten. Der Rest entfalle auf zwölf Kreis- sowie sieben Bundesstraßen-Projekte, für die der Landesbetrieb in weiten Teilen ebenfalls zuständig sei. Enthalten seien in dem Arbeitsprogramm auch fünf umfangreiche Brücken-Sanierungen.

„Ich hoffe, dass wir trotz des großen Fachkräftemangels in der gesamten Branche und trotz der anhaltenden Pandemie-Auswirkungen bis zum Jahresende jeden Cent des bewilligten Geldes auch auf die Straße bekommen werden“, sagte Conradt. Zugleich warb er bei Schul- und Hochschulabsolventen, Jobsuchenden sowie Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern: „Unser Landesbetrieb hat viel zu bieten. Und wir suchen für unsere wichtige Aufgabe interessierte Menschen für die Bereiche Ingenieurswesen, Technik und Verwaltung. Außerdem bieten wir Auszubildenden und Schulabgängern ein Duales Studium“, so Conradt. (Mehr unter: www.schleswig-holstein.de/lbvsh-karriere)

Mit Blick auf die absehbare Baustellendichte im Land und die damit verbundenen Belastungen für Anwohner und vor allem Pendler in den kommenden Monaten bat Verkehrsminister Buchholz um Verständnis und Geduld: „Uns ist klar, dass wir den Menschen vielerorts einiges zumuten – aber nur, wenn wir heute investieren, verhindern wir für die kommenden Jahre noch größere und zeitintensivere Baustellen“, so der Minister. Vor allem bat er darum, Rücksicht auf die Beschäftigten der Baufirmen und die Kolleginnen und Kollegen des LBV.SH zu nehmen. „Sie alle sorgen dafür, dass unsere Straßen sicherer werden – und wir sollten auf die Sicherheit dieser Menschen achten“, sagte Buchholz.

Alle einzelnen Baumaßnahmen und Projekte finden sich in dieser Übersichtskarte:

www.schleswig-holstein.de/lbvsh-bauprogramm

Buchholz: „Darum hat die Westküste das Potenzial zum Jobmotor Schleswig-Holsteins“

Die Vorstellung der Pläne für eine Giga-Fabrik des Unternehmens Northvolt machen es überdeutlich: Die schleswig-holsteinische Westküste hat Perspektiven wie nie zuvor. Es gibt zahlreiche Vorhaben mit enormer Strahlkraft – ein Zauberwort dabei heißt Wasserstoff.

Buchholz bei der gestrigen Vorstellung der Batterie-Pläne in Heide. (Foto: Kraft)

Die einst strukturschwache Region mausert sich zum großen Hoffnungsträger für Schleswig-Holstein. Großvorhaben wie ein LNG-Terminal für Flüssigerdgas in Brunsbüttel, die Batteriefabrik bei Heide und diverse Wasserstoffprojekte verheißen tausende neue Arbeitsplätze und einen Technologiesprung. «Die Energiewende hat den Standort interessant gemacht», sagt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz.

Die Windräder der Westküste kenne jeder. Anderes ist laut Buchholz nicht so bekannt. So baue die Raffinerie Heide derzeit eine Großanlage, die mit Grünstrom grünen Wasserstoff erzeugen wird. Kombiniert mit CO2 aus dem Zementwerk Lägerdorf bei Itzehoe sollen daraus Methanol und andere synthetische Kraftstoffe hergestellt werden. «So bringt an der Westküste die Energiewende zugleich eine industrielle Wende», sagt Buchholz im Gespräch mit der Deutschen-Presse-Agentur.

Hier sein Gespräch mit dpa-Korrespondent Wolfgang Schmidt – Video starten

«Bei Wasserstofftechnologien sind wir mit unterschiedlichen Projekten ganz vorn dabei», sagt Buchholz. Diese Chancen müssten jetzt auch genutzt werden. Es gehe um Flächen und auch um Infrastruktur bis hin zu Wohnmöglichkeiten für tausende neue Arbeitskräfte in der Region. Hier ein Überblick der Vorhaben    

WASSERSTOFF: Ein Gutachten sieht für 2030 im Land einen Bedarf von 1,8 Terawattstunden an grünem Wasserstoff. Dieser werde für die klimaneutrale Herstellung von Rohstoffen in der Industrie und als Energieträger für alternative Antriebe im Verkehr benötigt. Besondern viel Wasserstoff werden die Industrieparks an der Westküste (Brunsbüttel) und Tankstellen benötigen. Laut Gutachten wird das windreiche Land 2030 ausreichend Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen können, um den eigenen Stromverbrauch zu decken und grünen Wasserstoff für sich und andere Länder zu produzieren.

HINTERGRUND: Wasserstoff kann Energie speichern. Grünstrom wird bisher bei sehr viel Wind und Sonne wegen Netzengpässen oft «abgeregelt», also nicht genutzt. Die Lösung: In Angebotsspitzen Wasserstoff als Energiespeicher erzeugen. Das geschieht dadurch, dass per Elektrolyse mit Hilfe von Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Und Wasser gibt es genug.

Wasserstoff kann auch in der Industrie fossiles Gas ersetzen. Bei der Dekarbonisierung des Lkw-Verkehrs, wo hohe Leistung und Reichweite gefragt sind, ist er ebenfalls verwendbar, besonders für Langstrecken mit dem Auto. Das Potenzial in Schleswig-Holstein ist deshalb so groß, weil hier viel Wind weht und Flächen oft leichter verfügbar sind als anderswo. Und pfiffige Bauern haben schnell gelernt, dass man mit Windstrom gut Geld verdienen kann.

BATTERIEFERTIGUNG: Ganz frisch haben Regierung und die schwedische Firma Northvolt eine Absichtserklärung zum Bau einer Batteriezellfertigung nahe Heide unterzeichnet. 3000 Arbeitsplätze sind geplant. 2025 soll die Produktion starten. Auch eine Anlage zum Recycling von Altbatterien ausrangierter E-Autos ist vorgesehen. «Ein solches Projekt wird auch eine Sogwirkung entfalten und andere Unternehmen anlocken», sagt Buchholz.

WESTKÜSTE 100: Das ist eine branchenübergreifende Partnerschaft aus leistungsstarken Unternehmen, der Entwicklungsagentur Region Heide und der Fachhochschule Westküste. Vorgesehen ist, grünen Wasserstoff für die Produktion klimafreundlicher Treibstoffe für Flugzeuge zu nutzen und ihn auch in Gasnetze einzuspeisen. Der Düngemittelkonzern Yara will seine Ammoniak-Produktion im ChemCoast Park Brunsbüttel durch Umstellung auf grünen Wasserstoff dekarbonisieren. Damit sollen jährlich über 265 000 Tonnen CO2 eingespart werden können.

E-FARM: In Nordfriesland entsteht mit dem von GP Joule initiierten Verbundprojekt eine grüne Wasserstoff-Infrastruktur. Dazu werden gehören fünf Wasserstoffproduktionsstandorte in der Nähe zu Windparks, zwei Wasserstoff-Tankstellen in Husum und Niebüll, zwei Brennstoffzellenbusse für den Linienverkehr und zunächst 30 Brennstoffzellen-Pkw.

Dazu hier unsere Podcast-Folge mit Ove Petersen von GP Joule:

AQUAVENTUS: Die Projekte dieser Initiative reichen von der Entwicklung von Offshore-Windanlagen mit integrierter Wasserstofferzeugung über eine zentrale Abnahmepipeline, maritime wasserstoffbasierte Anwendungen bis zu einer Forschungsplattform.

BATTERIEZELLENFOPOSCHUNG: 2021 hat der Aufbau des Forschungszentrums für Angewandte Batterietechnologie in Itzehoe begonnen. Hier geht es unter anderem um schnell ladende Batterien. Das Land steuert zu den mit 9,5 Millionen Euro kalkulierten Gesamtkosten 5,5 Millionen bei.

FORSCHUNG UND LEHRE: Regierung und Fachhochschule Westküste beraten über einen neuen Studiengang Erneuerbare Energien. Die Hochschule hat schon ein Institut für die Transformation des Energiesystems.

AQUAKULTUR: Die in Büsum ansässige Gesellschaft für Marine Aquakultur forscht an besseren Haltungssystemen für Fische und an Futter. Mit der Ansiedlung einer Forschungsstelle einer dänischen Futterfirma und von Start-ups besteht ein international vernetztes Forschungscluster.

INFRASTRUKTUR: «Im digitalen Bereich sind wir mit unserem Glasfasernetz gut aufgstellt», sagt Buchholz. Über die A23 sei der Anschluss der Region Heide an den Großraum Hamburg gewährleistet, aber die A20 samt Elbquerung werde benötigt, damit die Unternehmen Vorprodukte gut herbekommen und Endprodukte zurück. Auch der Schienenverkehr Richtung Hamburg müsse schneller werden.

ARBEITSKRÄFTE: Der «Importbedarf» sei gewaltig, sagt Buchholz. Zwar könnten in den nächsten Jahren noch viele Fachkräfte im Land für die genannten Projekte ausgebildet werden. Aber zum Beispiel für das Batteriefertigungsprojekt in Heide werde man auch international Fachleute anwerben müssen. Insgesamt sieht Buchholz im Zuge aller Projekte ein zusätzliches Arbeitskräftepotenzial von 5000 bis 10 000 Personen.

Buchholz zur geplanten Batterie-Fabrik bei Heide: „Ein echter Game-Changer für die Westküste“

Die Elektromobilität nimmt Fahrt auf. Damit steigt die Nachfrage nach Batterien – und auch der Bedarf am Recycling alter Batterien. Beides will der schwedische VW-Partner Northvolt von Schleswig-Holstein aus anbieten. Heute wurden die Pläne in Heide vorgestellt.

Pressekonferenz mit dem aus Schweden zugeschalteten Peter Carlsson – von links: Ministerpräsident Daniel Günther, Carlsson, Finanzministerin Monika Heinold, Wirtschaftsminister Buchholz.

Der schwedische Batteriehersteller Northvolt will in der Nähe von Heide eine Batteriezellfertigung mit rund 3000 neuen Arbeitsplätzen errichten. Eine entsprechende Absichtserklärung hat das Unternehmen mit der Landesregierung sowie der Region Heide geschlossen. Laut Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat die Investition einen Umfang von vier Milliarden Euro. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sprach von der größten Industrieansiedlung in Schleswig-Holstein seit Jahrzehnten – und einem «Game Changer» für die einstmals strukturschwache Region Westküste.

Buchholz sagte bei der heutigen Pressekonferenz in der Fachhochschule Westküste weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Die Bedeutung des neuen Werkes reicht weit über den Norden hinaus. Die deutsche Autoindustrie will insgesamt unabhängiger von bisher dominanten Zulieferern aus Asien werden. Hohe Marktanteile haben beispielsweise die südkoreanischen Elektronikkonzerne LG und Samsung. Die einzelnen Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze, teils geht es um eigene Entwicklung und Fertigung, teils aber auch um Partnerschaften mit Zulieferern und entsprechende Beteiligungen. Es gibt EU-weite Initiativen zum Aufbau einer selbstständigen europäischen Zelltechnologie, die Kommission in Brüssel hat entsprechende Programme aufgelegt.

So könnte die Fabrik in Heide künftig aussehen

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte unterdessen Fördermittel im Rahmen des Programms «Important Projects of Common European Interest» (IPCEI) an. «Northvolts Produktion wird konkret dazu beitragen, die Lieferketten für Elektromobilität in Deutschland und Europa zu stärken», so der Minister. «Deshalb wird auch die Bundesregierung das Projekt substanziell unterstützen.» Eine Summe nannte er noch nicht. Den Rahmen für Fördermittel des Landes bezifferte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) mit bis zu 50 Millionen Euro.

Peter Mikkel Carlsson

Die endgültige Investitionsentscheidung ist nach den Worten von Northvolt-Chef Peter Carlsson lediglich «eine Sache von Monaten». Das Unternehmen hat bereits online erste Stellen ausgeschrieben. Der Produktionsstart ist für 2025 geplant. Parallel soll eine Anlage zum Recycling von Altbatterien ausrangierter E-Autos entstehen. Die geplante Kapazität in Heide gibt das Unternehmen mit jährlich 60 Gigawattstunden für etwa eine Million E-Fahrzeuge an.

Für die Standortwahl sprach aus Sicht der Schweden neben der günstigen Lage zwischen Nord- und Mitteleuropa der «Reichtum an sauberer Energie». Erklärtes Ziel ist es, Batterien für E-Autos mit «dem geringsten ökologischen Fußabdruck in Kontinentaleuropa» herzustellen. Der Standort Heide mit seiner stark ausgebauten Windenergieproduktion sei der «Schlüssel zur Verwirklichung dieses Ziels», sagte Carlsson. Auch die große Zahl von Fachkräften und der große Kundenstamm in Deutschland hätten eine Rolle gespielt.

Habeck nannte die Northvolt-Entscheidung «ein starkes Signal» für sein Heimatland. «Es zeigt sich auch: Erneuerbare Energien vor Ort sind inzwischen ein entscheidender Standortfaktor. Wer viel Erneuerbare ausbaut, hat sehr gute Karten.»

Die Landesregierung setzt nach den Worten von Buchholz darauf, dass die Northvolt-Fabrik eine Sogwirkung hat und weitere Unternehmen zum Beispiel als Zulieferer entlang der Achse Heide-Hamburg anzieht. Die Kreisstadt des Kreises Dithmarschen liegt wenige Kilometer von der Nordsee entfernt gut 100 Kilometer nordwestlich der Hansestadt. Probleme, ausreichend Fachkräfte zu finden, die in der eher ländlich geprägten Region arbeiten wollen, sieht Northvolt-Chef Carlsson nicht. Das Unternehmen habe erst 2021 rund 1800 Stellen ausgeschrieben und damit 100 000 Bewerbungen ausgelöst. Northvolt hat bislang ein Werk für Batteriezellen in im hohen Norden Schwedens.

Ein wichtiger Partner von Northvolt ist Volkswagen mit einer 20-prozentigen Beteiligung, als weitere Kunden werden unter anderem BMW sowie Volvo genannt. Die Schweden bauen eigens für VW Kapazitäten in Skellefteå aus, das seit Ende 2021 produziert. Das Werk werde bis Ende 2025 an seine Grenzen stoßen, sagte Carlsson. Parallel plant Europas absatzstärkster Hersteller selbst weitere Zellfabriken, gesetzt ist dafür bislang der Standort der bisherigen VW-Motorenfabrik in Salzgitter. Der Betriebsrat fordert mindestens eine weitere eigene Zellfabrik in Deutschland. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach sich für einen Standort an der niedersächsischen Nordseeküste aus, auch weil dort – wie eben in Heide – viel Ökostrom aus Windkraft verfügbar ist.

Hier die Pressekonferenz in Heide als Livestream-Aufzeichnung:

Derzeit baut auch der chinesische Konzern CATL in der Nähe von Erfurt ein Fertigung für E-Auto-Batteriezellen, aus der sich auch BMW bedienen will. BMW hat aber auch in Northvolt investiert. Opel und weitere Marken des Stellantis-Konzerns (Peugeot, Citroën, Fiat) hingegen wollen auf die Fertigung einer eigenen Zellfabrik in Kaiserlautern (Rheinland-Pfalz) zurückgreifen, die dort zusammen mit der französischen Totalenergies-Tochter Saft entsteht. Mercedes-Benz kündigte an, zur Versorgung seiner Elektroautos in die Batteriezell-Alianz von Stellantis und Totalenergies einzusteigen.

Mit Partnern wollen die Schwaben weltweit acht Zellfabriken errichten, darunter vier in Europa. Der US-Rivale Tesla nutzt viele seiner fahrzeugprozierenden Standorte gleichzeitig für die Zellfertigung – so auch in Grünheide bei Berlin.

Buchholz erörtert mit Werft-Chefs die neue Rolle des Marine-Schiffbaus im Norden

Buchholz und FSG-Chef Maracke vor dem jüngsten Neubau von FSG-Eigner Lars Windhorst. Foto: Frank Molter (dpa)

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz hat sich am Abend über die Lage der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) informiert und mit Geschäftsführer Philipp Maracke über mögliche Beiträge der FSG zur Zukunftsfähigkeit der Marine gesprochen. «Wir hatten ein wirklich konstruktives Gespräch», sagte Maracke. Es habe einen grundsätzlichen Austausch über die Auftragslage gegeben, die sich gut entwickele. In der Gruppe Nobiskrug-FSG gebe es insgesamt sechs Aufträge. «Wir haben uns auch über den Marineschiffbau ausgetauscht.» In diesem Markt wolle man wieder verstärkt mitmischen. «Wir arbeiten an Angeboten, aber auch an einem konkreten Auftrag.»

Man könne zudem im Kontext der angespannten weltpolitischen Lage der Marine Kapazitäten anbieten. Buchholz sagte, auch im Marineschiffbau habe die Werft eine Expertise. «Das werden wir in Berlin sicherlich an den unterschiedlichen Stellen auch noch mal platzieren.»

Bereits Anfang des Monats hatte die Werft in einem Brief an die Bundestagsabgeordneten angesichts des angekündigten Sondervermögens von 100 Milliarden Euro für Investitionen in die Bundeswehr mit ihrer Expertise im Marineschiffbau – und der Möglichkeit sofort loslegen zu können – geworben. «Wir können unmittelbar hochindustrialisierte Fertigungskapazitäten zum Bau weiterer Lose existierender Klassen bereitstellen», heißt es in dem Brief. Man könne die Deutsche Marine mit hochwertigen Schiffen versorgen und einen Beitrag zur Stärkung der Verteidigung leisten. Die FSG hat unter anderem Einsatzgruppenversorger des Typs 702 (Berlin-Klasse) entwickelt und gebaut. Darüber hinaus wurden für das britische Verteidigungsministerium sechs Mehrzweck-RoRo-Schiffe der Point-Sealift-Klasse geliefert.

Der russische Überfall auf die Ukraine scheint unterdessen auch zu einem strategischen Umdenken in der Chefetage des Essener Stahlkonzerns Thyssen-Krupp zu führen. Der mögliche Verkauf der Kieler U-Boot-Werft Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) ist nach Einschätzung von Buchholz vom Tisch. «Nach meinen Informationen will sich der Konzern nicht von seinem Ableger trennen», sagte der FDP-Politiker heute der Deutschen Presse-Agentur.

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hatte auf der Hauptversammlung im Februar gesagt, für TKMS «neben dem Stand-alone-Szenario auch mögliche Partnerschaften und Konsolidierungsoptionen» zu prüfen. Zuletzt hatte die Werft Milliardenaufträge für sechs U-Boote für Deutschland und Norwegen sowie über drei weitere U-Boote für Israel abgeschlossen.

Die Auftragsbücher der Kieler Werft seien voll, sagte Buchholz: «Deshalb hat der Konzern hier auch eine Beschäftigungsgarantie bis 2029 gegeben – welches Unternehmen kann das schon?» Mit dem Ukraine-Krieg sei auf furchtbare Weise ins Bewusstsein gerückt, dass Verteidigung und Wehrtechnik gebraucht werden, um die Bundeswehr mit dem besten Material auszustatten und zu schützen, aber auch, um Aggressoren etwas entgegensetzen zu können. «Das mag auch mit ausschlaggebend sein, dass Thyssenkrupp die Werft nun behalten will.»

Natürlich rechneten sich Unternehmen auch Chancen aus, bei der Umsetzung des 100-Milliarden-Euro-Sondervermögens für die Bundeswehr dabei zu sein, sagte Buchholz. «TKMS gehört mit Sicherheit dazu.» Erforderlich sei zumindest eine bessere Kooperation zwischen den Werften in Deutschland. «Seit wir auch den Überwasserschiffbau als Schlüsseltechnologie eingestuft haben, wäre es nicht falsch, in Deutschland ein Konsortium zu bilden, das diese Aktivitäten vielleicht in einer großen Firma versammelt», sagte Buchholz. Er werde mit den Beteiligten weiter darüber sprechen.

SH bringt bis Herbst im östlichen Landesteil 71 km Straßen und 37 km Radwege in Schuss

Buchholz mit dem LBV.SH-Team Britta Lüth, Christoph Köster (hinten links) und Direktor Torsten Conradt

Schleswig-Holstein lässt im östlichen Landesteil in diesem Jahr 71 Kilometer Straßen auf Vordermann bringen. Außerdem werden in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein sowie in der Stadt Lübeck fast 37 Kilometer Radwege und acht Brücken grundlegend saniert, wie Verkehrsminister Bernd Buchholz heute in Kiel mitteilte. «Unser Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr packt insgesamt 16 Straßen sowie 12 Radwege an und investiert damit allein knapp 60 Millionen Euro im östlichen Landesteil in eine bessere und sicherere Infrastruktur.» Das Programm für die Region umfasst 31 Einzelprojekte. Zu den aufwendigsten Vorhaben zählen der dreistreifige Ausbau der B404 zwischen Bargteheide und Todendorf/Sprenge (Kreis Stormarn), der zweite Bauabschnitt der Ortsumgehung Schwarzenbek (Herzogtum Lauenburg) und eine Brückensanierung in Geesthacht (B404).

Hier die Online-Pressekonferenz als Mitschnitt:

Im Blick auf den massiven Sanierungsstau im knapp 3700 Kilometer langen Landesstraßennetz sagte Buchholz, die Straßeninfrastruktur im Land sei über Jahrzehnte kontinuierlich kaputtgespart worden. «Während in früheren Jahren teilweise nicht einmal 20 Millionen Euro pro Jahr in den Erhalt der Landesstraßen gesteckt wurden, liegt die Landesregierung im Durchschnitt der letzten vier Jahre bei jährlich knapp 95 Millionen Euro.»

Auch im zweiten Pandemie-Jahr 2021 habe der Landesbetrieb über 180 Millionen Euro für die Reparatur von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen eingesetzt, gab der Minister an. Besonders für die ländlichen Regionen sei ein systematischer Erhalt des Straßennetzes elementar. «Nicht nur Hunderttausende von Pendlern sind auf intakte Verkehrswege angewiesen, sondern auch unsere Wirtschaft samt Logistikgewerbe sowie Millionen von Gästen im echten Norden.»

Ein interaktiver Überblick über die größten Baustellen findet sich hier

Buchholz setzt auf Rückenwind des Bundes beim Bau des Lübecker Trave-Campus

Es geht um die Zukunft der Fachkräfte in Schleswig-Holstein und um ein 182-Millionen-Projekt mitten in Lübeck: An dem von der Handwerkskammer geplanten Trave-Campus sollen jährlich 700 junge Menschen in verschiedenen Berufen unter einem Dach aus- und fortgebildet werden. Doch die Kosten haben sich während der letzten vier Jahre verdoppelt und bringen das Vorhaben ins Wanken.

Nun steht Hilfe des Bundes in Aussicht – für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz seine „Meldung der Woche“. Video starten.

Eine Million vom Land: Rohlfs sorgt für Rückenwind im „Robbenparadies“

Die Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog, Tanja Rosenberger (rechts) freute sich heute über den Förderbescheid von Staatssekretär Rohlfs (2.v.r.)

Frischer Rückenwind des Landes für die Seehundstation Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen: Tourismus-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs überreichte heute an Stationschefin Tanja Rosenberger einen Förderbescheid über knapp 1,1 Millionen Euro. Damit soll die 2019 gestartete Modernisierung der 36 Jahre alten Einrichtung weiter vorangetrieben werden.

Die Station erhielt bereits unter anderem ein neues Ausstellungs- und Empfangsgebäude sowie attraktivere Außenbereiche. „Mit aktuell über 141.000 Besuchern im Jahr ist die Seehundstation nach wie vor ein echter Gäste-Magnet und damit wesentlicher Bestandteil für den Tourismus an der Westküste“, sagte Rohlfs. Für die neue Ausstellung „Heimische Robben im Weltnaturerbe Wattenmeer“ sei das Geld gut angelegt. Die aktuelle Förderung in Höhe von 1.063.860 Euro betreffe vor allem den Teilbereich der Besucherinformation. Die Gesamtkosten dafür liegen bei 1.418.480 Millionen Euro. Seit Schließung des Hafens Friedrichskoog im Jahr 2015 hatte das Land insgesamt 6,5 Millionen Euro in den Um- und Ausbau investiert. Die Station finanziert sich ansonsten aus Eintritts- und Spendengeldern.

Die Seehundstation Friedrichskoog ist die einzige vom Land Schleswig-Holstein autorisierte Aufnahmestelle für erkrankte, verlassene oder geschwächt aufgefundene Robben. Das Interesse an der Rehabilitation von jungen Robben und dem richtigen Verhalten gegenüber diesen Wildtieren im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist nach den Worten von Rohlfs und Rosenberger ein wichtiger Grund für den Besuch der Seehundstation Friedrichskoog. Dies wird genutzt, um wichtige Themen wie die Gefährdungen und den Schutz der Meeressäuger in ihrem Lebensraum im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu transportieren.

Rohlfs und Kumbartzky (rechts) bei der Übergabe von Dialogdisplays in Heide – hier mit Heides Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat und einem Polizeibeamten

Vor seinem Besuch in Friedrichskoog war Rohlfs in Heide in seiner Funktion als Verkehrs-Staatssekretär unterwegs. Zusammen mit dem Präsidenten der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein, Oliver Kumbartzky, überbrachte er symbolisch an sechs Bürgermeister aus der Region so genannte Dialogdisplays. Bei den Geräten handelt es sich um „freundliche Radarkontrollen“, die Autofahrer mit der digitalen Anzeige ihrer Geschwindigkeit zur Achtsamkeit mahnen.

Verkehrsministerium und Landesverkehrswacht hatten im vergangenen Jahr 50 dieser Geräte an Kommunen ausgegeben – wobei angesichts von über 300 Bewerbungen am Ende das Los entscheiden musste. Neben der Stadt Heide gehörten die Gemeinden Wöhrden, Epenwöhrden, Eggstedt, Süderhastedt und Kuden zu den Gewinnern. „Diese Geräte tragen auf sanfte Weise dazu bei, die Straßen in den Städten und gemeinden ein Stück sicherer zu machen“, sagte Rohlfs. Ein Dialog-Display kostet rund 5.000 Euro.