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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Der erste Schritt ist getan: B-5-Spatenstich für mehr Mobilität an der Westküste

Lang ersehnter Meilenstein für eines der größten Infrastrukturprojekte an der Westküste: Mit einem symbolischen Spatenstich haben heute der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, und Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz den Startschuss für den dreistreifen Ausbau der Bundesstraße B 5 zwischen Husum und Tönning gegeben. Im ersten Abschnitt geht es um die Verlegung des Knotenpunktes zwischen der B 5 und der Kreisstraße K137 am nördlichen Ende der Strecke. Buchholz dankte vor allem Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen für die finanzielle Beteiligung an dem 16-Millionen-Projekt. Der dritte Fahrstreifen der B 5 dient künftig wechselseitigen Überholmöglichkeiten auf jeweils 1,5 bis zwei Kilometern Länge. 

Buchholz sagte weiter (Audio starten)

„Die Region wartet seit Jahrzehnten zu Recht auf den Ausbau dieser knapp 20 Kilometer langen Strecke, denn die verbesserte B 5-Anbindung an die A 23 ist eine essentielle Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Westküste“, sagte Buchholz. Bedauerlich sei, dass der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt zwischen Tönning und Rothenspieker bereits beklagt sei. „Wir werden uns also trotz des heutigen Spatenstichs eher auf einen Marathonlauf als auf einen Sprint einstellen müssen“, so der Minister. 

Staatssekretär Ferlemann sagte im Gespräch mit Journalisten (Audio starten)

Nach den Worten des Direktors des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH), Torsten Conradt, laufen die Planungen für alle Abschnitte auf Hochtouren. „Sichere Straßen sind vor allem an der Westküste keine Frage des Wunschzettels, sondern Lebensadern für Pendler, Touristen und die Wirtschaft. Denn hier kann niemand mit der U-Bahn zur Arbeit oder zum Arzt fahren“, so Conradt.

Auch Landrat Lorenzen freute sich über den Baustart: „Der Kreis und die Stadt Husum haben erhebliche Finanzmittel und viel Engagement für den Ausbau der Verbindung von Bundes- und Kreisstraße eingebracht. Den Spatenstich haben wir lang herbeigesehnt. Wir hoffen, dass dies nun der Startschuss für die Baumaßnahmen der nächsten zehn Jahre ist.“

Laut LBV.SH-Chef Conradt ist die B 5-Strecke in mehrere Bauabschnitte untergliedert: Neben der Verlegung des Knotenpunktes zwischen B 5 und der Kreisstraße sowie dem beklagten Abschnitt zwischen Tönning und Rothenspieker werden aktuell die Unterlagen der nächsten Meilensteine erstellt, nämlich:

– für den zweiten Bauabschnitt zwischen Rothenspieker und Reimersbude,

– für den dritten Bauabschnitt von Reimersbude bis Platenhörn und

– für den vierten Bauabschnitt: von Platenhörn bis Husum.

Die mit dem heutigen Spatenstich begonnene Verlegung des Knotenpunkts startet mit dem Bau eines verbindenden Wirtschaftsweges, um die Erreichbarkeit der landwirtschaftlichen Flächen während der weiteren Bauphasen aufrecht zu erhalten. Ab 2021 werden dann die Herstellung der neuen Trasse für die Kreisstraße K 137, erforderliche Anpassungen an Leitungen, die Herstellung des Brückenbauwerks in der Anschlussstelle und der knapp zwei Kilometer lange Ausbau der B 5 folgen. Ausführende Firma für die Arbeiten am Wirtschaftsweg ist die Firma Eurovia. Die Bauzeit hierfür beträgt etwa ein halbes Jahr.

Technische Daten 5. Bauabschnitt gesamt: 

Neubau eines höhenfreien Anschlusses der K 137 an die B 5 mit gleichzeitig dreistreifigen Ausbau der B 5 im Anschlussstellenbereich.
Baulängen: gut 1,2 Kilometer Bundesstraße und 2,0 Kilometer Kreisstraße.

Baukosten: über 16 Millionen Euro
(Kostenträger: Bundesrepublik Deutschland mit 12,7 Millionen Euro sowie Kreis NF mit 3,6 Millionen Euro).

Verkehrszahlen: Zwischen Tönning und Husum werden auf der B 5 Verkehrsstärken von über 17.000 Kfz/24h prognostiziert für 2025. Der Schwerverkehrsanteil beträgt dabei zehn Prozent. Für die K 137 werden Verkehrsstärken von über 7.500 Kfz/24h in der Prognose 2025 erwartet. Der Schwerverkehrsanteil beträgt hier etwa sieben Prozent. 

Die B 5 wird im Zuge der Maßnahme auf eine Fahrbahnbreite von 12,50 m ausgebaut, zuzüglich jeweils 1,50 m Bankett in den Seitenbereichen, um die künftige dreistreifige Verkehrsführung aufnehmen zu können.

Ab heute macht sich die B5 an der Westküste breit – Erster Spatenstich für den Ausbau bei Husum

Setzen heute den ersten Spatenstich für den dreistreifigen Ausbau: Verkehrsminister Buchholz und Bundes-Staatssekretär Enak Ferlemann

Jahrzehnte herbeigesehnt – nun geht es endlich los, wenn auch nur in kleinen Schritten: Bundes-Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann und Verkehrsminister Bernd Buchholz werden heute Mittag um 12 Uhr bei Husum feierlich den ersten Spatenstich für den dreistreifigen Ausbau der Bundesstraße B 5 zwischen der nordfriesischen Kreisstadt und Tönning setzen.

Innerhalb der kommenden zehn Jahre sollen auf diesem 20-Kilometer-Abschnitt damit wechselseitig pro Fahrtrichtung je fünf Überholstrecken von je knapp zwei Kilometer Länge entstehen. „Damit entzerren wir den Verkehr von täglich über 17.000 Fahrzeugen und machen die Strecke erheblich sicherer“, sagte Buchholz. Neben Pendlern und dem gewerblichen Verkehr wird die Strecke vor allem auch von Touristen stark genutzt. Die Kosten für den heutigen ersten von insgesamt fünf Bauabschnitten liegen bei rund 16 Millionen Euro – neben der Verbreiterung der B 5 entstehen auch rund 20 Brücken- und Unterführungsbauwerke.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, nutzt seinen Besuch zugleich zur Stipvisite bei einem weiteren Westküsten-Infrastrukturprojekt – der Marschbahn. Um 14 Uhr wird er sich zusammen mit Buchholz von der DB Regio und der DB Netz über den Stand der Arbeiten an der maroden Strecke informieren.

Es geht wieder aufwärts am Arbeits- und Ausbildungsmarkt – Buchholz: Chance nutzen

Bei einer seiner Touren durch Betriebe des Handwerks ist es für Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz diese Woche nochmals deutlich geworden: Trotz aller Blessuren durch die vergangenen Corona-Monate springen Arbeits- und Ausbildungsmarkt wieder zaghaft bis kräftig an. Diesen Schwung gelte es zu nutzen – sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch auf Seiten der Azubis, findet der Minister in seiner „Meldung der Woche“ – Video starten.

Belttunnel-Prozess in der Zielgeraden: Kläger wie Beklagte sind mit dem Verlauf zufrieden

Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs (Mitte) mit Claus Baunkjaer (links) von Femern A/S und seinem dänischen Amtskollegen Mikkel Sune Smith

Kläger und Beklagte haben sich heute nach Ende der mündlichen Verhandlung über den Bau des Fehmarnbelttunnels zuversichtlich geäußert. «Wir werden das Projekt wahrscheinlich nicht komplett verhindern, können aber in vielen Punkten für einen besseren Umweltschutz sorgen», sagte Malte Siegert vom klagenden Naturschutzbund Nabu der Deutschen Presse-Agentur. Auch das auf deutscher Seite für die Planung des Tunnels zuständige Verkehrsministerium zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. «Ich sehe nach wie vor keine großen Hürden für das Projekt», sagte Staatssekretär Thilo Rohlfs.

Das Gericht will seine Entscheidung am 3. November verkünden. Die Richter hatten seit dem 22. September fünf Tage lang über die Klagen des Nabu, des Aktionsbündnisses gegen eine feste Fehmarnbeltquerung und mehrerer Fährunternehmen (Az.: BVerwG 9 A 7.19 u.a.) verhandelt. Die Kläger zweifeln die Verkehrsprognosen für den Auto- und Eisenbahntunnel an und fürchten gravierende Umweltauswirkungen.
Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens in Leipzig habe der Nabu seit 2005 viel erreicht, sagte Siegert. Er verwies auf die 2011 verhinderte Brückenlösung. Sie wäre nach Ansicht der Projektgegner für den Vogelzug und den Schiffsverkehr im Fehmarnbelt gefährlich. Stattdessen ist nun ein etwa 18 Kilometer langer Absenktunnel geplant.
Zu kurz kommt bei den aktuellen Plänen nach Ansicht der Umweltschützer der Schutz der Schweinswale. Ihnen könnte bei möglichen Sprengungen von Weltkriegsmunition während des Baus aber der Einsatz der Blasenschleier-Technik helfen. «Noch schwerer wiegt die drohende Zerstörung wertvoller Riffe im Trassenbereich», sagte Siegert. Im Zuge des jahrelangen Verfahrens habe der Nabu bereits dafür gesorgt, dass substanzielle Verbesserungen am Projekt vorgenommen wurden. «Das Urteil wird weitere Korrekturen für das Vorhaben für mehr Ökologie beinhalten.»

Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Rohlfs sagte, sein vorsichtiger Optimismus habe sich im Verlauf der Verhandlung verstärkt. Gegner hätten die Verfassungsmäßigkeit des Staatsvertrages mit Dänemark angezweifelt, auf den Einbau von Lüftungsfiltern im Tunnel gedrängt sowie auf die Gefahren für Schweinswale und Riffe hingewiesen. Auch die grundsätzliche Notwendigkeit des Projekts sei in Frage gestellt worden. An einigen Stellen seien möglicherweise Nachbesserungen notwendig, sagte Rohlfs.

Auch der Schutz der Schweinswale stellt aus Sicht des Verkehrsministeriums keine größere Hürde dar. Der Einsatz von Blasenschleier-Technik zum Schutz der Tiere vor den Auswirkungen von Sprengen sei von der dänischen Projektgesellschaft bereits zugesagt, sagte Rohlfs. Spannend bleibe die Frage, wie das Gericht den Umgang mit Riffen im Fehmarnbelt umgehe. Denkbar sei, dass die Richter weiteren Handlungsbedarf bei den Riffen erkennen.

Der deutsch-dänische Tunnel soll Fehmarn und Lolland verbinden. Dänemark wird ihn auf eigene Kosten von geschätzt 7,1 Milliarden Euro planen, bauen und betreiben. Für die Kosten der Straßen- und Schienenanbindung des Tunnels auf deutscher Seite in Höhe von 3,5 Milliarden Euro (inklusive Risikopuffer von 1,1 Milliarden Euro) muss die Bundesrepublik aufkommen. Der Planfeststellungsbeschluss liegt noch nicht vor. Auch hier sind Klagen wahrscheinlich. Mehrere Gemeinden drängen auf einen besseren Lärmschutz. In Dänemark besteht seit 2015 Baurecht.

Nach 20 Jahren Sackgasse: Buchholz schafft Baurecht für die Ortsumgehung Schwarzenbek

Grafik: Jochen Wenzel

Darauf hat das Herzogtum Lauenburg mehr als 20 Jahre gewartet: Die zweite Hälfte der Ortsumgehung Schwarzenbek im Zuge der Bundesstraße B 209 kann gebaut werden. Wie Verkehrsminister Bernd Buchholz heute mitteilte, ist gegen den im August vorgelegten Planfeststellungsbeschluss des Landes keine Klage eingereicht worden. „Damit haben wir endlich Baurecht und einer weiteren Entlastung der Innenstadt von Schwarzenbek steht nichts mehr im Wege“, freute sich der Minister. Die Kosten für den Ausbau liegen nach derzeitigem Stand bei rund 10 Millionen Euro.

Buchholz sagte weiter (Audio starten)

  

Laut Buchholz werde die Nord-Ost-Umgehung Schwarzenbeks abschnittsweise in drei Bauabschnitten realisiert und soll die B 404 im Westen der Stadt mit der B 209 östlich von Schwarzenbek verbinden. Der erste Bauabschnitt zwischen der B 404 und der städtischen Kerntagente „Zubringer Nord“ wurde bereits 1997 fertiggestellt.
Der nun anschließende zweite Bauabschnitt von drei Kilometern Länge führt bis zur „Grabauer Straße“.

Buchholz mit Blick auf ein Treffen mit Bundes-Verkehrssaatssekretär Enak Ferlemann am Montag: „Wir werden uns nun rasch beim Bund für die Aufnahme des Projekts in den Haushalt einsetzen, um einen raschen Baubeginn zu ermöglichen.“ Als eine der „wichtigsten Grundlagen“ für den Planfeststellungsbeschluss nannte Buchholz die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt, Land und dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH).

Bundesgericht verkündet am 3. November Urteil zum Belttunnel

Vor dem Bundesverwaltungsgericht ist heute die erste Runde der mündlichen Verhandlung über Klagen gegen die Fehmarnbeltquerung zu Ende gegangen. Das Gericht will seine Entscheidung am 3. November (13.00 Uhr) verkünden. Die Leipziger Richter hatten seit dem 22. September über die Klagen des Nabu, des
Aktionsbündnisses gegen eine feste Fehmarnbeltquerung und mehrerer
Fährunternehmen (Az.: BVerwG 9 A 7.19 u.a.) verhandelt.

Die Kläger zweifeln die Verkehrsprognosen für den Auto- und Eisenbahntunnel an und fürchten gravierende Umweltauswirkungen. Ab 6. Oktober soll in einer zweiten Runde noch über Klagen der Stadt Fehmarn und eines Landwirts verhandelt werden.

Der deutsch-dänische Tunnel soll Fehmarn und Lolland verbinden. Dänemark wird ihn auf eigene Kosten von geschätzt 7,4 Milliarden Euro planen, bauen und betreiben. Für die Kosten der Straßen- und
Schienenanbindung des Tunnels auf deutscher Seite muss die Bundesrepublik aufkommen. In Dänemark besteht seit 2015 Baurecht.

Leichte Aufhellung am Arbeitsmarkt stimmt Buchholz vorsichtig optimistisch

Die Arbeitslosigkeit ist in Schleswig-Holstein im September im Vergleich zum Vormonat gesunken. Wie die Regionaldirektion der Agentur für Arbeit heute berichtete, sind derzeit im Norden 94.000 Frauen und Männer ohne festen Job. Das sind 3,7 Prozent oder 3.600 Betroffene weniger als im August. Die Corona-Krise macht sich im Vorjahresvergleich deutlich bemerkbar: Gegenüber dem September 2019 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 17.700 Menschen oder 23,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 6,0 Prozent, nach 6,2 Prozent im August und 4,8 Prozent vor einem Jahr.

Die Aufhellung stimmt Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz vorsichtig optimistisch: „Sowohl die Zahl der Arbeitslosen als auch die gesunkene Zahl der Betriebe in Kurzarbeit machen deutlich, dass die Zeichen auf Entspannung stehen – doch trotz Herbst-Belebung bleibt die Gesamtlage natürlich vom weiteren Corona-Infektionsgeschehen abhängig und damit unsicher.“

Als besonders erfreulich bezeichnete Buchholz den Rückgang der Zahl der arbeitslosen jungen Menschen und der arbeitslosen Ausländer im Vergleich zum Vormonat. „Das zeigt, dass die Dynamik im Arbeitsmarkt wieder zunimmt“, sagte er und erinnerte alle Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz daran, dass auch in den nächsten Wochen noch Ausbildungsverträge geschlossen werden können. „Nutzen Sie die Beratungsangebote der Arbeitsagenturen und Kammern. Eine Berufsausbildung bildet die Grundlage für einen erfolgreichen Start in das Erwerbsleben und sichert den Betrieben zugleich den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs“, so Buchholz.

Der Fachkräftemangel, der demographische Wandel sowie die Digitalisierung seien weiterhin die TOP-Themen des Arbeitsmarktes. Entsprechend müssten die Betriebe in die Fort- und Weiterbildungen ihrer Beschäftigten und die digitale Infrastruktur investieren. Das Land helfe seinerseits mit entsprechenden Förderprogrammen wie dem Landesprogramm Arbeit.

Positiv bewertete Buchholz den anhaltenden Trend bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, deren Zahl nach vorläufigen Werten von Mai bis Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht zulegte. „Es erscheint paradox, dass während des Corona-Lockdowns die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen ist, aber Personaleinstellungen haben immer einen Vorlauf und der Bedarf ist in einigen Branchen wie im Gesundheits- und Pflegebereich ungeachtet der Pandemie hoch“, so der Minister

Achtung: Corona-Hilfen für Juni bis August können noch bis 9. Oktober beantragt werden

Unternehmen, die für die zurückliegenden Monate Juni bis August noch Überbrückungshilfen erhalten wollen, können bis einschließlich 9. Oktober einen Antrag stellen. Darauf verständigten sich heute Bund und Länder. Ursprünglich sollte die Antragsfrist für die erste Phase der Überbrückungshilfen am 30. September enden. Die vom Bund eröffnete zweite Phase der Überbrückungshilfe umfasst die Monate September bis Dezember 2020. Anträge hierfür können voraussichtlich ab Mitte Oktober über Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschafts- oder Buchprüfer gestellt werden.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz appellierte an die von der Corona-Krise besonders hart getroffenen Betriebsinhaberinnen und -inhaber, von dieser Zuschuss-Möglichkeit Gebrauch zu machen. „Denn anders als in der ersten Phase wurden die Förder-Bedingungen auf Druck von uns und anderen Ländern deutlich gelockert. Jetzt können vor allem kleine Unternehmen mit bis zu fünf oder zehn Beschäftigten stärker profitieren, weil die bisherige Deckelung auf monatlich 3.000 oder 5.000 Euro Zuschuss entfällt und auch für diese Firmen ein Zuschuss von bis zu 50.000 Euro pro Monat möglich wird“, sagte der Minister.

Zugleich erinnerte Buchholz daran, dass im Rahmen des jüngsten Nachtragshaushalts des Landes auch die Förderinstrumente des Landes nochmals deutlich aufgestockt wurden. So wurde der Härtefall-Fonds, über den mehrjährig tilgungs- und zinslose Darlehen gewährt werden, um 15 auf 80 Millionen Euro und das Beteiligungskapital nochmals um fünf auf 20 Millionen Euro aufgestockt. Bislang wurden aus den Landesförderungen – inklusive des mit 180 Millionen Euro ausgestatteten Mittelstands-Sicherungsfonds – rund 185 Millionen Euro in Anspruch genommen.  Buchholz appellierte jedoch an die Betriebe im Land, sich rechtzeitig darauf einzustellen, dass die Zuschüsse absehbar zum Jahresende auslaufen.

Buchholz zum Corona-Wirtschafts-Halbjahr 2020: Mit Weitsicht, aber auch Glück durch die Krise

Es hätte deutlich schlimmer kommen können: Mit einem Minus von 3,8 Prozent bei der der Wirtschaftsleistung ist Schleswig-Holstein unter allen 16 Bundesländern im ersten Halbjahr auf dem ersten Platz gelandet. Und damit sich die Wirtschaft auch im zweiten Halbjahr zumindest weiter stabilisieren kann, hat die Landesregierung gestern nochmals einen Nachtragshaushalt mit weiteren Notkrediten auf den Weg gebracht.

Für Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz seine „Meldung der Woche“ – Video starten

Deutsche Werften funken SOS – Buchholz: Insolvenzen konnten bislang abgewendet werden

Auf Deutschlands Seeschiffwerften droht wegen der Corona-Krise der Verlust Tausender Jobs und möglicherweise sogar die Zerschlagung der ganzen Branche. «Nach den Ankündigungen der Unternehmen sehen wir mehr als ein Drittel der 18 000 Arbeitsplätze auf den deutschen Werften als akut gefährdet an», erklärte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, heute in Hamburg bei der Vorstellung der diesjährigen Schiffbauumfrage unter Betriebsräten. Und das sei nicht einmal die schlimmstmögliche, sondern eine realistische Annahme. Werde nicht gegengesteuert, sehe er die Gefahr, dass es die Branche Schiffbau in ein paar Jahren gar nicht mehr gebe, «sondern dass wir nur noch punktuell über Schiffbau im Norden reden können».

Friedrich forderte die Politik in Bund und Ländern sowie Unternehmen zu einem schnellen und entschlossenen Handeln auf. Es gehe jetzt darum, die Strukturen zu sichern und dafür schnell Geld aus den Hilfsprogrammen der Bundesregierung bereitzustellen. Die Bundesregierung müsse zudem die angekündigten Aufträge für die Marine zügig vergeben. «Briefe und Papiere – etwa zur Schlüsseltechnologie Marineschiffbau – sind genug geschrieben.» Von den Arbeitgebern verlangte er, nicht nur über angeblich zu hohe Kosten zu reden, sondern über die Qualität im Schiffbau: «Wir müssen besser und nicht billiger sein, um uns auf dem Weltmarkt durchzusetzen.»

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Nordmetall, Nico Fickinger, bestätigte den Krisenbefund der Gewerkschaft. «Die IG Metall sollte daraus aber auch die richtigen Schlüsse ziehen: Keine teuren Belastungen der Unternehmen in der Tarifrunde des nächsten Jahres, keine weiteren Erschwernisse durch Veränderung des Werkvertragsrechts.» Stattdessen sollten mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitseinsatz Einzug halten. «Das wären Beiträge zu Zukunftssicherung und Arbeitsplatzerhalt bei Werften.»

Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Arbeitsminister Bernd Buchholz bestätigte einerseits den Befund der IG Metall, machte zugleich aber auch deutlich, dass zumindest in Schleswig-Holstein Insolvenzen bislang erfolgreich abgewehrt werden konnten. Allerdings verliere auch Schleswig-Holstein absehbar in relativ kurzer Zeit fast 700 Stellen im Schiffbau – darunter 300 Stellen bei der Flensburger Schiffbaugesellschaft und 150 Stellen bei der Rendsburger Werft Nobiskrug.

Auch Buchholz sieht die Unterstützung des Bundes im Bereich des Marineschiffbaus als eine der wichtigsten Stützen der Branche: «Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds sowie das Vorziehen von öffentlichen Aufträgen gepaart mit der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes sind geeignete Instrumente.»

Weiter sagte Buchholz – Audio starten

In der heute vorgestellten Umfrage geht rund die Hälfte der Befragten in allen 39 deutschen Seeschiffwerften davon aus, dass in ihren Unternehmen in den nächsten Monaten weitere Arbeitsplätze abgebaut werden. Neue Aufträge gebe es so gut wie keine. Insbesondere im Passagier- und Spezialschiffbau seien die Prognosen düster. «Es gibt keine Kreuzfahrten, es gibt keinen Bedarf an neuen Kreuzfahrtschiffen. Dieser Markt ist komplett zusammengebrochen», sagte Thorsten Ludwig, Forschungsleiter der Agentur für Struktur- und Personalentwicklung (AgS), die die 29. Schiffbauumfrage verantwortet.

Entsprechend prognostizierten die Betriebsräte von knapp einem Drittel aller Werften eine sich verschlechternde Auftragslage. «Zentral ist dabei, in diesen 30 Prozent Werften arbeiten über 50 Prozent aller Beschäftigten im deutschen Schiffbau», sagte Ludwig – und fügte an: So skeptisch seien die Betriebsräte in den vergangenen 15, 20 Jahren noch nie gewesen.

Rund 7500 Beschäftigte seien derzeit in Kurzarbeit. Das sei der höchste jemals gemessene Wert. Gleichzeitig seien die Leiharbeitsquote und die Zahl der Werksverträge gestiegen. «Es ist für manche offensichtlich günstiger, Stammbeschäftigte in Kurzarbeit zu setzen und Leiharbeit einzusetzen», sagte Ludwig. Nur in den Reparaturwerften seien alle an Bord. «Alle Reeder, die ihre Schiffe nicht auslasten und fahren lassen können, machen jetzt «waschen, legen, föhnen»», sagte Ludwig. Allerdings werde dabei aber nur das Nötigste gemacht. «Es gibt keine größeren Umbauten.»

Bei den Werften dominieren Ludwig zufolge immer stärker Zusammenschlüsse. So arbeiteten in den fünf größten Gruppen inzwischen 80 Prozent aller Beschäftigten – allen voran die Meyer Werft Gruppe mit der Meyer und der Neptun Werft in Papenburg und Rostock mit insgesamt 3923 Mitarbeitern, gefolgt von Thyssen Krupp Marine Systems mit 3607 Beschäftigten in Kiel, Emden und Hamburg sowie der Genting Group mit 3075 Mitarbeitern bei der Lloyd Werft Bremerhaven und den MV Werften in Stralsund, Warnemünde und Wismar.

Friedrich kritisierte vor allem die Papenburger Meyer Werft, die seit mehr als einem halben Jahr nur sage, wie schwierig alles sei. «Ich würde von der Meyer Werft gerne mal konkret wissen, wie ist die finanzielle Lage, (…) welche Pläne gibt es tatsächlich für die Beschäftigung und wie soll in Zukunft das Thema Werkverträge gestaltet werden.» Denn nur dann könne nach Lösungen gesucht werden. Alles andere sei für die Menschen auf der Werft nicht zumutbar.

Sorgen bereiten den Betriebsräten und der IG Metall auch die Themen Ausbildung und die daran anschließende Übernahme im Betrieb. Obwohl der Schiffbau bei jungen Leuten nach wie vor attraktiv sei – auf einen Ausbildungsplatz seien im Schnitt knapp zwölf Bewerber gekommen – werde auf einigen Werften offensichtlich erstmals darüber diskutiert, die Zahl der Ausbildungsplätze zu reduzieren und Ausgelernte nicht unbedingt zu übernehmen, sagte Ludwig. «Das ist nicht unbedingt das beste Signal an junge Leute, die ihre Zukunft im Schiffbau sehen.»