Minister und Gewerkschaften: Erhalt von Senvion-Standorten und Jobs behält höchste Priorität
Der Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen des Windenergieanlagen-Herstellers Senvion an dessen Standorten in Bremerhaven, Husum und Trampe/Eberswalde hat bei den anstehenden Verhandlungen mit der Geschäftsführung oberste Priorität. Darin waren sich heute Vertreter der IG Metall, Betriebsräte, Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner, Bremerhavens Bürgermeister Melf Grantz sowie weitere Vertreter der Länder einig. Sie hatten sich heute auf Einladung der IG Metall Bezirke Küste und Berlin-Brandenburg-Sachsen zum zweiten Runden Tisch zur Zukunft von Senvion im Gewerkschaftshaus in Hamburg getroffen.
Nach den Worten von Meyer geht es um den Erhalt von wichtigen Industriearbeitsplätzen. „Wir werden deshalb die Bemühungen der IG Metall und der Betriebsräte, über alternative Konzepte mit der Geschäftsführung zu reden, weiter unterstützen. Wir werden auch selbst versuchen, dazu mit dem Vorstand in den Dialog zu kommen.“ Meyer sagte im Anschluss an das Treffen weiter (Audiopfeil klicken)
Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, erklärte im Anschluss: „Die Betriebsräte wollen ihre Alternativen zu den geplanten Schließungen und Entlassungen konkretisieren und zusammenfassen. Das gemeinsame Konzept werden sie dann der Geschäftsführung präsentieren. Wir erwarten, dass diese auf die Ideen aus der Belegschaft eingeht und sie nicht einfach vom Tisch fegt.“
Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner sagte: „Die Schließung von Offshore-Werken in Deutschland ist ein Fehler. Die ersten Ausschreibungen zeigen, dass die Branche gerade wieder neue Dynamik bekommt. Da heißt es am Markt präsent zu bleiben und sich gemeinsam mit Politik und Gewerkschaft dafür einzusetzen, dass das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) so geändert wird, dass ein dynamischer Ausbau in den nächsten Jahren möglich ist.“
IHK-Konjunkturklimaindex: SH-Unternehmen segeln mit Rückenwind in den Sommer.
Der IHK-Konjunkturklimaindex, der einen Wert zwischen null und 200 annehmen kann, hat sich im ersten Quartal 2017 von 113,5 (Vorquartal) auf 118,2 Punkte verbessert und damit den entsprechenden Vorjahreswert von 120,3 Punkten fasst wieder erreicht. Besonders an den geplanten Investitionen zeigt sich der gestiegene Optimismus: Es gehen nunmehr 28,1 Prozent (Vorquartal: 27,5 Prozent) der Unternehmen von zunehmenden Investitionen aus und nur noch 15,6 Prozent sprechen von abnehmenden Investitionen (Vorquartal: 19,7 Prozent).
Zu der insgesamt erfreulichen Entwicklung sagt Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein: „Die Binnenkonjunktur ist weiterhin stabil. Zudem erfährt die Industrie einen deutlichen Schub im ersten Quartal 2017. Allerdings mahnen die leicht rückläufigen Exporterwartungen in diesem Sektor zur Wachsamkeit. Diese Entwicklung spiegelt die weiterhin bestehenden politischen Risiken wider“. Insgesamt 42,9 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut, 47,5 Prozent als befriedigend und 9,6 Prozent als schlecht (Vorquartal: 39,6 Prozent; 52,3 Prozent; 8,1 Prozent). Dies ergab die repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Schleswig-Holstein.
Bei der Betrachtung der einzelnen Wirtschaftsbereiche zeigt sich die Industrie in einer robusten Verfassung. Besonders bei den Herstellern von Investitionsgütern stellt sich die Lage als überdurchschnittlich dar. Auch für die Hersteller von Vorleistungsgütern sowie Ge- und Verbrauchsgütern zeugen die Antworten von einer deutlichen Lageverbesserung. Die Bauwirtschaft insgesamt verzeichnet hingegen einen Rückgang im Vergleich zum Vorquartal. Während der Hochbau boomt, können andere Bereiche des Bausektors den Stand des Vorquartals nicht halten. Die Situation im Einzelhandel hat sich gegenüber dem Vorquartal leicht aufgehellt. Bei den Kreditinstituten hat sich die konjunkturelle Einschätzung zum zweiten Mal in Folge deutlich verbessert. Von einer Normalisierung kann allerdings noch nicht gesprochen werden, da weiterhin mit einem Beschäftigungsabbau zu rechnen ist. Im Verkehrsgewerbe verharrt die Stimmung auf dem Niveau des Vorquartals. Die unternehmensnahen Dienstleistungen erweisen sich unverändert als Garant für die stabile Konjunkturentwicklung im Norden. Allerdings wird sich dies nicht mehr im selben Ausmaß wie bisher in steigenden Beschäftigtenzahlen niederschlagen, da mehr Unternehmen von einem Beschäftigungsabbau ausgehen als im Vorquartal. Bei den personenbezogenen Dienstleistungen und der Gesundheitswirtschaft trübt eine schlechtere Bewertung der Ertragslage das Stimmungsbild.
Insgesamt etwas optimistischer als im Vorquartal beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftslage für die kommenden 12 Monate. 22,7 Prozent der Befragten erwarten eine günstigere, 59,4 Prozent eine gleichbleibende und 18,0 Prozent eine schlechtere Lage (Vorquartal: 18,2 Prozent; 61,5 Prozent; 20,3 Prozent). Dazu sagt Präsidentin Kühn: „Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage im ersten Quartal 2017 zeugen wieder von mehr Optimismus nach den Rückschlägen im vergangenen Jahr. Besonders die hervorstechende Erwartungshaltung in der Industrie kompensiert leicht rückläufige Tendenzen in anderen wichtigen Branchen“.
SH-Tourismus weiter auf Rekordkurs: 2016 verzeichnete der echte Norden ein Übernachtungsplus von 4,1 Prozent
Meyer mit Frank Behrens (links) und Catrin Homp vom Tourismusverband sowie Reinhard Boll vom Sparkassen und Giroverband Schleswig-Holstein
Mit dem Übernachtungsplus wurde in den gewerblichen Betrieben erstmals die Marke von 28 Millionen Übernachtungen übertroffen. Das ist das Ergebnis des Sparkassen-Tourismusbarometers, das der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) und der Sparkassen- und Giroverband heute gemeinsam in Kiel präsentierten. In diesem Jahr beschäftigt sich die Branche vor allem mit der Frage, wie der Nutzen des Tourismus auch über die klassischen Wachstumsziele hinaus weiter gesteigert werden kann.
Im Gespräch mit Journalisten sagte Meyer zu den Ergebnissen des Barometers
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Die Zahlen sprechen für sich: Mit einem Plus von rund 1,1 Millionen Übernachtungen im Jahr 2016 wurde sogar das sehr erfolgreiche Vorjahr (rund 27 Mio. Übernachtungen) noch einmal übertroffen. Als bestes Flächenbundesland platzierte sich Schleswig-Holstein damit klar über dem Bundesdurchschnitt (+2,5 Prozent) und wies zum vierten Mal in Folge eine höhere Nachfragedynamik als seine benachbarten Küstenbundesländer auf. Erfreulich ist auch der Blick auf das zunehmende Auslastungsniveau: Die Auslastung der Betten stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Punkte auf 37 Prozent.
TV-SH-Vorsitzender Dr. Jörn Klimant sagte im Gespräch mit RSH-Reporter Andreas Otto
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Und auch bei der Gästezufriedenheit konnte Schleswig-Holstein erneut punkten: Das Land liegt in den Bewertungen auf Online-Plattformen derzeit mit 84,2 von 100 möglichen Indexpunkten hinter Bayern auf Rang zwei im Bundesländervergleich. Bereits 2012 konnten in diesem Bereich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen überholt werden; die schleswig-holsteinische Nordsee liegt mit 86,4 Punkten sogar auf Platz sechs aller deutschen Tourismusregionen.
„Die Zahlen belegen ganz deutlich: Schleswig-Holsteins Tourismusstrategie greift“, sagte Wirtschaftsminister Meyer. Positiv sei vor allem das Wachstum in der Nebensaison zu bewerten. So verzeichneten Beherbergungsstätten ab zehn Betten sowie die Campingplätze im Januar und Februar 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2,7 Prozent mehr Gäste und 2,2 Prozent mehr Übernachtungen. Saisonverlängerung spiele eine zentrale Rolle bei der „Marktsicherungsstrategie des Schleswig-Holstein-Tourismus in Zeiten begrenzten Wachstums“. Die Qualitätsoffensive im Tourismus sei mit Unterstützung des Landes erfolgreich: „Viele Urlaubsorte haben in ihre öffentliche touristische Infrastruktur investiert: in neue Promenaden, Seebrücken und Gästeeinrichtungen. In der Folge wurde zum Teil in erheblichem Ausmaß privat investiert“, hob Meyer hervor. An die touristischen Akteure appellierte der Minister, ihre „erfolgreichen Bemühungen um Qualität weiter fortzusetzen“.
Fest steht: Die Branche befindet sich weiter im Wachstum: Der Wirtschaftsfaktor Tourismus wies im vergangenen Jahr erstmals knapp acht Milliarden Euro an Bruttoumsatz aus. Der Anteil des Tourismus am gesamten Primäreinkommen Schleswig-Holsteins liegt damit bei 5,3 Prozent. Dem Land bringt das Steuereinnahmen in Höhe von 245 Millionen Euro.
Der anhaltende touristische Aufschwung schlägt sich mittlerweile auch in den Bilanzen der Betriebe nieder. „Mit der Zimmerauslastung sind auch die Zimmerpreise gestiegen. Allein von 2014 auf 2015 wuchs die Gewinnmarge der Betriebe um 4,5 Prozent. Diese Dynamik versetzt die Branche auch in die Lage, fällige Investitionen zu tätigen“, sagte Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein. Und das ist auch nötig: Neben Neuinvestitionen seien auch Investitionen in den Bestand wichtig, um die Qualität weiter zu steigern und zufriedene Gäste anzulocken. „Hier besteht ganz klar noch Ausbaupotenzial“, so Boll.
Die angeschobenen Qualitätsinitiativen gelte es nun fortzuführen, um auch langfristig bei der Gästezufriedenheit und einer höheren Wertschöpfung punkten zu können, betonte auch Dr. Jörn Klimant, Vorsitzender des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein. Der Tourismus im nördlichsten Bundesland sei gefragt, die Zukunft weiter aktiv zu gestalten, neue attraktive Angebote auf den Markt zu bringen und auch die Herausforderungen der Digitalisierung strategisch anzugehen.
Das jährliche Tourismusbarometer ist für die Branche immer auch Anlass, vorauszublicken. So sind sich die Akteure einig, den Fokus nicht allein auf das quantitative Wachstum auszurichten. „Nicht alle Orte und Regionen in Schleswig-Holstein können, müssen und wollen in gleichem Maße weiterwachsen“, sagte Klimant. Natürlich leiste der Tourismus einen großen Beitrag für die Regionalentwicklung. „Seine positiven Auswirkungen gehen dabei deutlich über ökonomische Effekte hinaus. Die Branche trägt zu einer stärkeren Attraktivität der Region und des Wirtschaftsstandortes sowie zum Ausbau der Infrastruktur bei“, so Klimant. Dies konnte anhand der drei Orte St. Peter-Ording, Grömitz und Berkenthin beispielhaft nachgewiesen werden. So zeigte sich unter anderem, dass der Tourismus ein zusätzliches Angebot an Veranstaltungen, Verkehrs- und Freizeitinfrastruktur schafft. Darüber hinaus ist er wichtiger Arbeitgeber auch für Menschen aus den umliegenden Gemeinden.
Trotz der zahlreichen positiven Effekte für Orte und Regionen könne der Tourismus insbesondere in Spitzenzeiten Begleiterscheinungen hervorrufen, die teilweise als negativ wahrgenommen und sich fast immer aus der typischen räumlichen beziehungsweise zeitlichen Konzentration von Besuchern ergeben würden. „In Schleswig-Holstein zeigt sich dies punktuell und saisonal vor allem in Verkehrsproblemen und Preissteigerungen. Diese Umstände müssen wir frühzeitig erkennen und ihnen proaktiv begegnen“, sagte Klimant. Wichtige Maßnahmen seinen hier die unmittelbare Kommunikation mit Einwohnern, Wirtschaft und Gästen sowie eine enge Kooperation mit anderen Wirtschaftszweigen mit dem Ziele, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken. Hier besteht nach Ansicht der Experten noch Nachholbedarf.
Schleswiger OVG bestätigt Sperrung der Piste durch LBV-SH am Flugplatz Hartenholm
Das schleswig-holsteinische Oberverwaltungsgericht (OVG) hat die Sperrung der Start- und Landebahn des Flughafens Hartenholm (Kreis Segeberg) durch die Flugaufsicht des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) bestätigt. Das teilte das Gericht heute in Schleswig mit. Anfang Mai hatte das Gericht ähnlich entschieden. Dagegen hatte die Betreiberin des Flugplatzes Beschwerde eingelegt.
Bereits Anfang März hatte die Flugaufsicht eine weitere Nutzung der Bahnen untersagt. Start und Landebahn seien zu nah an einem Waldstück gelegen. Der rund zwei Hektar umfassende Waldbestand müsse teilweise entfernt werden, damit Flugzeuge in Hartenholm wieder sicher starten und landen könnten, so die Richter. Bevor der Flughafen wieder für den Verkehr freigegeben werden könne, müsse sich die Betreiberin mit dem Waldbesitzer über das Fällen der Bäume einigen. Dies ist bisher nicht passiert. Eigentümer des Waldstücks ist das Land Schleswig-Holstein. Die Landesforsten verlangen zum Ausgleich eine Ersatzfläche zur Wiederaufforstung.
Metall- und Elektroindustrie im Norden brummen – beste Geschäftslage seit 2012
Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie verzeichnet nach eigenen Angaben die beste Geschäftslage seit fünf Jahren. Mehr als 80 Prozent der Betriebe beurteilten ihre aktuelle Situation als gut oder befriedigend, teilte der Arbeitgeberverband Nordmetall mit. Das seien 10 Prozentpunkte mehr als in der Konjunkturumfrage vor einem halben Jahr.
Sorgen bereiten den Arbeitgebern jedoch der Mangel an geeigneten Fachkräften sowie ein steigender Kostendruck. Kaum eine Firma könne steigende Kosten über höhere Preise an die Kunden weitergeben. «Das schmälert Gewinnmargen und damit die Voraussetzungen für Investitionen und Arbeitsplätze», berichtete Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch.
Nur ein Fünftel der Unternehmen will Nordmetall zufolge seine Belegschaft vergrößern, knapp ein Zehntel muss Stellen abbauen. Die übrigen wollen die Beschäftigungsstärke halten. An die Adresse der Gewerkschaften gerichtet warnte der Verbandspräsident vor höheren Löhnen. «Wenn wir noch teurer werden, wird sich für viele Unternehmen die Standortfrage immer unausweichlicher stellen.» 15 Prozent der Befragten erwägten bereits Produktionsverlagerungen ins Ausland.
An die Politik appellierte Lambusch, «endlich wirksame Maßnahmen» zur Bekämpfung des Fachkräftemangels einzusetzen. Mehr als die Hälfte der Befragten beurteilte das Fachkräfte-Angebot als schlecht oder unbefriedigend, ein Zuwachs von ebenfalls 10 Prozentpunkten verglichen mit dem Herbst. «Trotz der weltpolitischen Unsicherheiten hat sich die deutsche Industrie gut im Weltmarkt behauptet», resümierte der Nordmetall-Präsident. Vor allem Metall und Elektro-Produkte seien weiter stark nachgefragt.
Rund 30 Prozent der Betriebe erwarten im nächsten halben Jahr demnach eine bessere, 58 Prozent eine gleichbleibende und die übrigen eine schlechtere Geschäftslage.
Ein breites Arbeitgeber-Bündnis befragte rund 660 Unternehmen mit rund 150 000 Beschäftigten in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und im nordwestlichen Niedersachsen zur Konjunktur. 158 Betriebe (104 600 Beschäftigte) beteiligten sich den Angaben zufolge.
SH-Industrie schließt Produktionsbilanz 2016 im Minus – Meyer: Senvion-Entscheidung und Ölpreis zeigen Wirkung
Die Entscheidung des Windanlagenbauers, die Produktion am Standort Husum herunter zu fahren und zu schließen, hinterlässt bereits Spuren in der 2016er Industrie-Produktionsbilanz
Die Industrie in Schleswig-Holstein hat ihre Produktionsbilanz 2016 mit einem Minus abgeschlossen. Die größeren Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten stellten 2016 Güter im Verkaufswert von 29,0 Milliarden Euro her, das waren fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Den größten Anteil an der Gesamtproduktion hatte mit rund 18 Prozent der Maschinenbau, der aber einen Rückgang um elf Prozent auf 5,2 Milliarden Euro hinnehmen musste. Es folgte die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln, die um drei Prozent auf 5,1 Milliarden Euro sank. Ein Minus von sieben Prozent bei einem Produktionswert von noch 2,5 Milliarden Euro verbuchte die Chemie als drittwichtigster Industriesektor.
Wie Wirtschaftsminister Reinhard Meyer erläuterte, spiegeln die Zahlen unter anderem die Auswirkungen der Entscheidung des Windanlagenbauers Senvion wider, die Produktion in Husum einzustellen. Bremsspuren hinterlasse aber auch das Rußland-Embargo sowie der in 2016 drastisch gefallene Ölpreis. Das Minus in der Bilanz, das vor allem auf Großunternehmen entfällt, entspreche einem Rückgang von rund 1,2 Milliarden Euro, die sich zu je 500 Millionen Euro auf die Bereiche Windenergie (Maschinenbau) und Mineralölverarbeitung sowie auch die Mineralölverarbeitende Chemie verteilen.
Rund 200 Millionen Euro Einbuße entfallen auf die Ernährungsindustrie (Beispiele: Fischereierzeugnisse minus 30 Millionen Euro, Obst und Gemüse minus 15 Millionen Euro, Süßwaren minus 15 Millionen Euro oder Fertiggerichte minus 35 Millionen Euro). Bei den Einbußen im Bereich der Milchverarbeitung wirkt sich laut Meyer vor allem das Russland-Embargo aus.
Laut Statistikamt Nord gibt es aber auch positive Effekte, etwa den Anstieg bei pharmazeutischen Erzeugnissen (+ 3 Prozent).
Wie Meyer weiter sagte, sei die Entwicklung ein weiterer Beleg dafür, dass das Land mit der Einrichtung eines breiten Industrie-Bündnisses vor über zwei Jahren die richtigen Weichen gestellt habe. Er sei vor allem erstaunt, dass die Opposition mehr Engagement für die Industrie reklamiere, selbst aber über Jahre auf diesem Gebiet restlos untätig gewesen sei. „Wir haben erstmals in der Geschichte des Landes überhaupt ein Referat für Industriepolitik innerhalb der Landesregierung etabliert“, sagte Meyer. Erst im März hatte das Industrie-Bündnis in Kiel seine Handlungsempfehlungen für einen engeren Schulterschluss der Industriebetriebe auf den Feldern der Maritimen Industrie, der Energiewende und der Digitalisierung von Arbeitsprozessen vorgestellt.
Arbeitsminister Meyer zufrieden: Niedrigster April-Arbeitslosenstand seit fast 25 Jahren
Besonders erfreulich: In der Gruppe der 15- bis 25-Jährigen sank die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 6,1 Prozent – gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,2 Prozent
Arbeitsminister Reinhard Meyer ist mit der fortgesetzten Talfahrt der Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein hochzufrieden: „Auch die April-Zahlen belegen einmal mehr, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften im echten Norden brummt und damit im Gleichklang mit der robusten Konjunktur verläuft.“ So seien Ende des Monats April 92.600 Menschen ohne festen Job gewesen und damit 4,2 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. „Damit können wir uns über den niedrigsten April-Stand der Arbeitslosigkeit seit fast 25 Jahren freuen“, sagte Meyer. Die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr 6,1 Prozent, nach 6,4 Prozent vor einem Jahr.
Besonders deutlich ist nach den Worten des Ministers der Rückgang im Vergleich zum Vormonat in der Gruppe der 15 bis unter 25-jährigen mit 6,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat liege der Rückgang bei 2,2 Prozent. Bei den älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) sei ein Rückgang um 4,8 Prozent gegenüber dem Vormonat und 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen. Auch bei den Langzeitarbeitslosen sei ein Rückgang um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen
Für Meyer zudem besonders erfreulich: Die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten ging um 2,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Nachbesserungsbedarf sieht der Minister bei der Gruppe der arbeitslosen Ausländer: Hier war gegenüber dem Vormonat zwar ein leichter Rückgang um 1,9 Prozent, aber ein Anstieg um 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen.
Besonders Gewicht in der April-Statistik hat laut Meyer das Wachstum bei der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. „Die vorliegenden Daten des Monats Februar zeigen mit 0,3 Prozent Wachstum gegenüber dem Vormonat und 2,8 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr eine anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften.“
Dieser Beschäftigungszuwachs sei im Vergleich zum Vorjahr besonders auf die Bereiche Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche Dienstleistungen (+3.800 oder 7,1 Prozent), Erziehung und Unterricht (+2.100 oder 7,0 Prozent) und das Gastgewerbe (+1.600 oder 4,6 Prozent) zurückzuführen.
Schub für Knowhow der Digitalen Wirtschaft: Land fördert Projekte von FH-Lübeck und Böll-Stiftung
Meyer mit Claudia Günther von der FH LübeckArbeitsminister Reinhard Meyer hat am Nachmittag zwei Zuwendungsbescheide an die Fachhochschule Lübeck mit einer Gesamtsumme von rund 645.000 Euro sowie einen weiteren Bescheid der Heinrich-Böll-Stiftung mit einer Fördersumme von 550.000 Euro übergeben. Das Fördergeld ist nach den Worten von Meyer für die Entwicklung und Erprobung neuer und innovativer Weiterbildungsangebote der Beschäftigten in den Unternehmen gedacht: „Zur Sicherung ihres Fachkräftebedarfs brauchen die Betriebe der digitalen Wirtschaft gut qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darum fördern wir diese drei neuen Projekte, die den speziellen Qualifizierungsbedarf decken. Nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen im Land erhalten bleiben“, sagte er.
Die Projekte wurden im Rahmen eines Ideenwettbewerbs des Landesprogramms Arbeit ausgewählt und mit insgesamt rund 1,2 Millionen Euro aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds gefördert. Mit diesem Geld werden Personal- und Sachkosten für die Entwicklung neuer Qualifizierungsangebote vollständig übernommen; die spätere Erprobungsphase wird zu 50 Prozent bezuschusst.
Bestehende Qualifizierungsangebote werden nach den Worten von Meyer den Anforderungen der Unternehmen häufig nicht gerecht. Dies gelte insbesondere im Bereich der Digitalisierung der Arbeit und auf dem Gebiet von Cyber Security. Im Rahmen der ausgewählten Projekte werden in den kommenden zwei Jahren neue Qualifizierungsmodule entwickelt sowie die darauf basierende berufsbegleitende berufliche und wissenschaftliche Weiterbildung von Beschäftigten in Unternehmen der besonderen Clusterbranchen gefördert. Meyer: „Die passgenauen Angebote sind dabei auf die Bedarfe der Branche zugeschnitten und können somit betriebsnah angeboten werden.“
Hier die geförderten Projekte im Überblick: hier klicken
Land fördert Erweiterung des Gewerbegebiets in Tönning mit 1,4 Millionen Euro
Grünes Licht für die Erweiterung des Gewerbegiets West in Tönning (Kreis Nordfriesland): Wirtschaftsminister Reinhard Meyer überreichte an Bürgermeisterin Dorothe Klömmer heute Nachmittag im Rathaus der Stadt einen Zuwendungsbescheid über 1,4 Millionen Euro. Bei dem Betrag handelt es sich um eine 60-Prozent-Förderung des insgesamt 2,4 Millionen Euro teuren Bauvorhabens, mit dem das Gewerbegebiet an der Gardinger Chaussee um rund elf Hektar erweitert werden soll. „Damit kommen wir dem dringenden Wunsch der Region nach, denn das bestehende Gewerbegebiet ist inzwischen restlos belegt“, sagte Meyer. Er rechne damit, dass die Erweiterung für einen kräftigen Schub innerhalb der regionalen Wirtschaft sorgen werden.
Durch die Erweiterung des verkehrsgünstig an der B 202 gelegenen Gewerbegebietes sollen nach den Worten von Meyer bis zu 150 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Für die Stadt Tönning biete die Erweiterung des Gewerbegebietes zudem die Möglichkeit zu einer weiteren positiven wirtschaftlichen Gesamtentwicklung. Meyer: „Die Entwicklungsperspektiven an der Westküste sind gut. Ich bin zuversichtlich, dass auch die neuen Flächen bald belegt sind. Wichtig ist, dass den Menschen in den ländlichen Regionen auch gute Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort angeboten werden.“
St. Peter-Ording und Eiderstedt verschmelzen zu Lokaler Tourismusorganisation.
Der Tourismus-Zusammenschluss von St. Peter-Ording und Eiderstedt im Kreis Nordfriesland ist jetzt offiziell: Am Rande der vor wenigen Minuten eröffneten Eiderstedt-Messe auf Garding überreichte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer an den stellvertretenden Bürgermeister von St. Peter Ording, Richard-Flohrs Richardsen, eine entsprechende Urkunde zur Anerkennung der neuen Kooperation als Lokale Tourismusorganisation (LTO).
Die Bildung von Lokalen Tourismusorganisationen im Rahmen der Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2025 trage zur Verschlankung der touristischen Strukturen und zur Stärkung der touristischen Infrastruktur bei, sagte Meyer. „Und von der vertieften Zusammenarbeit kann die gesamte Region profitieren und neue Impulse setzen.“
Die Tourismusstrategie des Landes sieht nach den Worten des Ministers vor, die lokalen Strukturen großflächig in „Lokalen Tourismusorganisationen“ (LTO) zusammenzuführen. Dies führe zu Synergieeffekten, die zum einen Marketingmittel der Orte bündeln und zum anderen die Wahrnehmung als touristische Einheit steigern können. So können Aufgaben stringenter geteilt und Konkurrenzsituationen reduziert werden. „In Zeiten knapper kommunaler Kassen müssen Know-How und Mittel gebündelt werden, um den vielfältigeren und differenzierteren Ansprüchen der Gäste auch zukünftig genügen zu können“, sagte Meyer.
Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus