Archiv der Kategorie: Allgemein

Bewegung in der langjährigen Diskussion um zusätzliche A-7-Anschluss-Stelle

Zusatzliche A-7-Abfahrt zwischen Henstedt-Ulzburg und Quickborn nach Arbeitstreffen bei Meyer vom Tisch

a7

In die Diskussion um eine zusätzliche A-7-Anschlussstelle im Bereich zwischen Segeberg und Pinneberg kommt Bewegung: Bei einem heutigen Treffen von Vertretern beider Kreise sowie der Bürgermeister von Norderstedt, Alveslohe und Ellerau bei Verkehrsminister Reinhard Meyer hat man sich darauf verständigt, dass eine zusätzliche Anschluss-Stelle zwischen Henstedt-Ulzburg und Quickborn nicht weiter verfolgt wwerden sollte. Grund: Wegen der geringen verkehrlichen Wirkung und der relativ geringen Abstände der vorhandenen Anschluss-Stellen sei dies nicht sinnvoll.

Eine zusätzliche Abfahrt zwischen Quickborn und Schnelsen Nord hingegen könnte aus Sicht der Gesprächsteilnehmer durchaus sinnvoll sein. „Wir brauchen dann aber auch die Akzeptanz in der Region“, sagte Minister Meyer nach dem Treffen.

-

Weiter sagte er

(Audiopfeil klicken)

Deshalb werde das Verkehrsministerium in den nächsten Wochen aktiv auf die betroffenen Gemeinden zugehen, um die Stimmung vor Ort hinsichtlich eines solchen Projekts auszuloten.

Hochkarätige Diskussionsrunde beim 27. Brunsbütteler Industriegespräch

Meyer mit Altmaier beim Brunsbütteler Industriegespräch: Gute Aussichten für Industrie- und Hafenstandort

big-2016_pm

Rund 150 Gäste waren gestern Abend der Einladung der Unternehmen des ChemCoast Park Brunsbüttel zum 27. Brunsbütteler Industriegespräch (BIG) gefolgt. An Bord der  „Adler Princess“ diskutierten unter anderem Kanzleramtschef Peter Altmaier und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer auf dem Nord-Ostsee-Kanal rund um die Themen „Kooperation im Unterelberaum“ und „Infrastrukturausbau samt Zukunftsperspektiven des Industrie- und Hafenstandortes Brunsbüttel“. Weitere Teilnehmer: Michael Westhagemann, Vorstandsvorsitzender des Industrieverband Hamburg (IVH), Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde des ChemCoast Parks und Dithmarschens Landrat Dr. Jörn Klimant in der Rolle als Moderator.

Reinhard_MeyerMeyer sagte nach dem Treffen

(Audiopfeil klicken)

Rund 12.500 Arbeitsplätze beeinflusst der ChemCoast Park Brunsbüttel, darunter knapp 4.000 direkt am Standort. Mit ca. 2.000 Hektar Fläche ist es das größte zusammenhängende Industriegebiet in Schleswig-Holstein und hat sich als Cluster für Unternehmen aus der Chemie-, Energie- und Logistikbranche entwickelt. Zudem stellt Brunsbüttel mit rund 12 Millionen Tonnen Ladung pro Jahr den sechstgrößten Seehafenstandort Deutschlands dar.

In der Bundesrepublik Deutschland, als größte Wirtschaftsnation Europas, ist für Peter Altmaier die produzierende und verarbeitende Industrie ein elementares Standbein für die stabile Konjunkturentwicklung der vergangenen Jahre. „Die Industrie und der Mittelstand bilden das Rückgrat für Beschäftigung und Wohlstand in unserem Land. Daher ist es wichtig, dass wir eine vorausschauende Industriepolitik gestalten und den Industriestandort Deutschland wettbewerbsfähig erhalten. Brunsbüttel ist ein Beispiel dafür, dass ganze Regionen von industriellen Clustern wie dem ChemCoast Park Brunsbüttel profitieren können und Industrie in der Bevölkerung hohe Akzeptanz findet.“

Für Meyer ist Brunsbüttel ein Vorzeigestandort für industrielle Entwicklung: „Die Verknüpfung von Industrie, Logistik und maritimer Branche ist in Brunsbüttel einmalig. Durch die enge Vernetzung der Unternehmen am Standort, die in dieser Form nicht selbstverständlich ist, können viele Synergien genutzt werden. Auch dadurch hat sich der ChemCoast Park als ein herausragender Industriestandort in Deutschland etabliert und kann als Vorbild für andere Regionen genutzt dienen.“

Auch durch die Lage innerhalb der Metropolregion Hamburg und am Schnittpunkt Elbe und Nord-Ostsee-Kanal profitiert der ChemCoast Park Brunsbüttel. Die Verbindungen zu Hamburg, als wirtschaftliches Zugpferd der Region, sind stark und die Kooperationen eng. „Wenn Hamburg prosperiert, profitieren auch wir in der Metropolregion Hamburg“, fasst Frank Schnabel die Verbundenheit vereinfacht zusammen. „Wir sollten die Unterelbe als einen gemeinsamen Wirtschaftsraum sehen und entwickeln. Nur gemeinsam können wir die Region voranbringen. Das Kirchturmdenken hilft nicht“, führt Schnabel weiter aus.

Auch Michael Westhagemann unterstreicht dieses: „Die Standorte an der Unterelbe haben unterschiedliche Stärken, die sich in Kombination miteinander ergänzen und nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Brunsbüttel hat sich insbesondere als Chemie- und Energiestandort etabliert und zeigt großes Potenzial für die zukünftige Entwicklung.“ Ein konkretes Beispiel, wie die Synergien an der Unterelbe genutzt werden können, ist das Flächenmanagement. „Wir in Brunsbüttel haben etwas, was Hamburg nicht unbegrenzt anbieten kann: Freie Flächen für Industrieansiedlungen am Wasser! Um potenzielle Investoren für Ansiedlungen in der Region zu gewinnen, werden wir daher weiter eng zusammenarbeiten“, erklärt Schnabel.

Meyer verwies in dem Zusammenhang auf das im November 2015 geschlossene „Bündnis für Industrie.SH“, in dem sich Landesregierung, Wirtschaft, Kammern und Gewerkschaften auf eine Stärkung der schleswig-holsteinischen Industrie verständigt haben. „Unsere Industrie besteht aus wenigen Großunternehmen, überwiegend aber aus kleinen und mittleren Unternehmen. Viele Betriebe profitieren von unserer Industrie in ihrer Rolle als industrielle Zulieferer oder Dienstleister. Deshalb gilt: Wenn wir den Industriestandort Schleswig-Holstein stärken, dann sichern wir nicht nur Wertschöpfung und Arbeitsplätze, dann nützt es der gesamten Wirtschaft im Land.“ Die fünf Schwerpunkte des Bündnisses für Industrie betreffen alle auch den Standort Brunsbüttel. Meyer nannte als Beispiele die wirtschaftspolitischen Chancen der Energiewende, die Herausforderung von Industrie 4.0 oder die maritime Wirtschaft. Die vom DGB Nord und Werkleiterrunde initiierten Industriepolitischen Foren Brunsbüttel unterstützen die Ziele des Bündnisses auf regionaler Ebene.

106 Jahre alte Brücke über Haaler Au in Todenbüttel wird neu gebaut

Grünes Licht für neuen Brückenschlag über die Haaler Au in Todenbüttel: Land gibt 1,25 Millionen

haaler_au

Wie Verkehrsminister Reinhard Meyer heute in Kiel mitteilte, werde das Land den knapp 1,8 Millionen Euro teuren Ersatz der über 100 Jahre alten Straßenbrücke mit 1,253 Millionen Euro fördern. Der Kreis Rendsburg-Eckern­förde werde zudem die separate Holzbrücke für Fußgänger und Radfahrer abreißen lassen und den Fußgänger- und Radverkehr künftig ebenfalls über die neue Straßenbrücke leiten. Die Bauarbeiten sollen im Oktober beginnen und im November 2017 abgeschlossen sein.

Wie Meyer weiter sagte, werde der Neubau mit einer Quote von 70 Prozent aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes Schleswig-Holstein (GVFG-SH) gefördert, der Kreis Rendsburg-Eckernförde steuert knapp 540.000 Euro bei. Die Kreisstraße 82 befindet sich im südlichen Teil des Kreises Rendsburg-Eckernförde und verläuft über Barlohe an der B 77 über die Haaler Aubrücke in Todenbüttel bis nach Seefeld.

„Sowohl die Straße als auch die Brücke dienen der Abwicklung des überörtlichen Verkehrs. Durch einen leistungsfähigen Neubau der Brücke wird ein Engpass künftig vermieden und vor allem sichergestellt, dass der Lkw- und Schwerlastverkehr auf dieser Strecke ohne Einschränkungen aufrecht erhalten werden kann“, sagte Meyer. Für den Autoverkehr sowie Radfahrer und Fußgänger werde während der Bauphase eine Behelfsbrücke eingerichtet. „Mit der Behelfsbrücke stellen wir unter anderem sicher, dass die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule in Todenbüttel keine Umwege in Kauf nehmen müssen“, so der Minister.

Die Planung und Organisation der Baustelle übernimmt die Rendsburger Nieder­lassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH).

Beltquerung: Weiteres Arbeitstreffen des Minister-Duos Schmidt & Meyer

Minister-Duo Meyer und Schmidt: Qualität und nicht Quantität der Beltquerungs-Einwendungen ist entscheidend

date1Einen Tag nach der Jubiläums-Sitzung des seit fünf Jahren bestehenden Dialogforums zum Bau des Festen Fehmarnbeltquerung haben sich der dänische Transportminister Hans-Christian Schmidt und sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Reinhard Meyer heute in Kiel zu einem Arbeitsgespräch getroffen.

Nach den Worten von Meyer handelte es sich dabei um eines der regelmäßigen Treffen, um Einzelheiten des weiteren Planungsprozesses zu besprechen. Beide seien sich einig darin, dass auch die hohe Zahl von absehbar weit über 10.000 Einwendungen gegen das Tunnelprojekt nichts an den vereinbarten zeitlichen Zielvorgaben ändere. „Entscheidend für den weiteren Verlauf wird nicht die Quantität, sondern die Qualität der Einwendungen sein“, so beide Minister. Die dänische Planungsgesellschaft Femern A/S werde sich ebenso zügig wie gründlich mit den Einwendungen zur überarbeiteten Fassung der Tunnelpläne auseinandersetzen. Die Einwendungen konnten bis vor wenigen Tagen an insgesamt 13 Stellen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern adressiert werden und laufen nun nach und nach beider zuständigen Planfeststellungsbehörde, dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) in Kiel ein.

Ministerpräsident Torsten Albig hatte das Dialogforum Feste Fehmarnbelt am Abend zuvor in Oldenburg als gelungenes Instrument der Bürgerbeteiligung gewürdigt. Dessen Arbeit habe bislang für größtmögliche Transparenz im laufenden Verfahren gesorgt, sagte Albig am Montag bei einer Sondersitzung zum fünfjährigen Bestehen des Forums. In dem unabhängigen Gremium sind Gegner und Befürworter des Projekts vertreten.

In der Sitzung unterzeichneten Vertreter von Land, Kreis, Gemeinden und Deutscher Bahn einen «Oldenburger Beschluss». Danach sollen künftig regionale runde Tische und ein Projektbeirat konkrete Lösungsvorschläge für Probleme im Zusammenhang mit der Bahnanbindung des Tunnels erarbeiten.

 

Bundesministerin auf Stipvisite beim GEOMAR – ein Thema war der Sanierungsstau

Bundesministerin Wanka besucht mit Meyer und GEOMAR-Chef Herzig das Kieler Helmholtz-Zentrum

Am Rande der Verleihung des Meerespreises an Fürst Albert II. von Monaco hat Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) heute das GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung in Kiel besucht. Gemeinsam mit GEOMAR-Chef Prof. Dr. Peter Herzig und dem für das GEOMAR zuständigen Wirtschaftsminister Reinhard Meyer verschaffte sich Wanka zunächst einen Überblick über die GEOMAR-Einrichtungen auf dem Kieler Westufer wie etwa dem Aquarium und setzte dann mit der „Polarfuchs“ auf das Ostufer über.

«Für die meisten Menschen ist das Meer noch immer ein Sehnsuchtsort.» Allerdings sei dieser Sehnsuchtsort bedroht, beispielsweise durch Überfischung, Artensterben, Versauerung und Klimawandel. Und er sei ein Ort, über den die Menschen trotz der immensen Bedeutung noch zu wenig wüssten. Forschung auf diesem Gebiet sei sehr wichtig, auch gerade mit Blick auf Interessenkonflikte, die sich zwischen Nutzung und Schutz der Meere ergeben, sagte Wanka.

albert
Fürst Albert II

Zuvor hatte bei der Preisverleihung an Fürst Albert II auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig mehr Engagement für den Schutz der Meere gefordert. «Wir alle müssen uns weiter für die Belange der Meere engagieren. Ohne sie werden wir nicht überleben», sagte er. Fürst Albert erhielt den  Deutschen Meerespreis 2016 als Präsident des Mittelmeerforschungsrates (CIESM) und für seinen langjährigen Einsatz. Der Fürst eröffnete im Anschluss an die Preisverleihung den 41. CIESM-Kongress.

Zu der Veranstaltung werden in den kommenden Tagen mehr als 500 Wissenschaftler aus 50 Ländern erwartet. Der Rat tagt erstmals in Deutschland. Hier werde hervorragende Meeresforschung betrieben, daher freue er sich, dass der Mittelmeerforschungsrat in Deutschland tagt, sagte der Fürst.

Albig, Schirmherr des Meerespreises, bezeichnete den Preisträger als einen Mann, der politische Entscheidungsmacht mit einem tiefen Wissen um die Belange der Meere verbinde. Albig erinnerte daran, dass Meerespolitik nie kleinstaatlich sein dürfe: Müll und Gift hielten sich leider nicht an internationale Seegrenzen. «Gute Meerespolitik ist international.» Und sie brauche internationale Meeresforschung.

Meyer machte nach seinem Treffen mit Wanka deutlich, dass auch kritische Punkte angesprochen wurden – etwa der auf rund 50 Millionen Euro taxierte Sanierungsstau auf dem Westufer.

Meyer sagte in einem Telefonat während der Förde-Fahrt unter anderem (Audiopfeil klicken)

Mit Blick auf den Ersatz des Forschungsschiffes „Polarstern“ adressierte Meyer an die Bundesministerin einige Stimmen von der jüngsten Hamburger Schiffsmesse SMM, wonach der Bund versuchen sollte, den Großauftrag zumindest in weiten Teilen von heimischen Werften abarbeiten zu lassen.

geomar2
Förde-Fahrt mit dem „Plarfuchs“ des GEOMAR: Bundesministerin Wanka mit Meyer (links) und GEOMAR-Chef Herzig.

 

 

Brücke zwischen Gegnern und Befürwortern: 5 Jahre Dialogforum

Kleines Jubiläum: Dialogforum Fehmarnbelt tagt heute seit genau fünf Jahren – Staatssekretär Nägele Dauergast

Die Deutsche und die Dänische Flagge

Seit fünf Jahren gibt es das Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung. Das von der Landesregierung 2011 gegründete Forum versteht sich als neutrale Diskussions- und Informationsplattform, an der Bürger, Verbände, Behörden und Bauherren beteiligt sind. Zur heutigen Jubiläumssitzung in Oldenburg im Kreis Ostholstein werden auch der dänische Verkehrsminister Hans-Christian Schmidt, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig und Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium erwartet. Und – wie immer – dabei ist auch Verkehrs-Staatssekretär Dr. FRank Nägele.

IMG_0101Nägele sagte zur bisherigen und künftigen Arbeit des Forums

(Audiopfeil klicken)

Nach einer kritischen Bestandsaufnahme der bisherigen Arbeit des Dialogforums ist eine Diskussion geplant. Dabei wird es unter anderem darum gehen, was das Dialogforum von der Politik und die Politik vom Dialogforum erwartet. «Wir erwarten viele Zuschauer, es wird sehr eng werden», sagte der Leiter der Geschäftsstelle, Horst Sieverling.

Unter dem Eindruck der heftigen Auseinandersetzungen um den Bahnhof «Stuttgart 21» hatte die Landesregierung das Forum im September 2011 ins Leben gerufen. Denn auch der Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark ist vor allem im Osten Schleswig-Holsteins umstritten. Das Dialogforum habe das Ziel, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen und eine Diskussion auf Augenhöhe zu ermöglichen, sagte der Sprecher des Forums, Christoph Jessen.

Die 30 Mitglieder treffen sich mindestens viermal im Jahr. Die Treffen sind öffentlich und werden vom Offenen Kanal Kiel als Livestream im Internet übertragen. Neu sind vier regionale Runde Tische, die zusammen mit der Deutschen Bahn Lösungsvorschläge für Brennpunkte der Bahnanbindung erarbeiten.

Der rund 18 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll die deutsche Ostseeinsel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden. Die Baukosten von rund 7,4 Milliarden Euro (Stand 2015) trägt der dänische Staat. Deutschland muss die Straßen- und Schienenanbindung auf deutscher Seite bezahlen, die Kosten dafür werden aktuell auf 2,1 bis drei Milliarden Euro geschätzt. Mit der Eröffnung wird wegen Verzögerungen im deutschen Planfeststellungsverfahren nicht vor 2026 gerechnet.

Das Dialogforum hat einen Jahresetat von 102 500 Euro. Davon trägt das Land Schleswig-Holstein 50 000 Euro. Je 25 000 Euro steuern die Bahn und die dänische Projektgesellschaft Femern A/S sowie 2500 Euro der Unternehmerverband UV Nord bei.

Land und Bund wollen Infrastruktur-Milliarden schneller auf die Straße bringen

Meyer bei NordBau-Kongress: Investitionswende bei Infrastruktur nur mit beschleunigter Planung möglich

img_0593
Meyer (Mitte) beim Rundgang mit AIK-Vizepräsident Harald-Peter Hartmann (links) und NordBau-Messechef Dirk Iwersen

Angesichts von Milliarden-Sonderprogrammen wie dem „Investitions-Hochlauf“ der Bundesregierung oder dem IMPULS-Paket der Landesregierung sieht Verkehrsminister Reinhard Meyer Bund und Länder gemeinsam in der Pflicht, die Planungsabläufe bei Infrastruktur-Vorhaben zu beschleunigen. „Der Bund stockt die Mittel für die Verkehrsinfrastruktur bis 2018 auf 14 Milliarden Euro auf und das Land will zum Abbau des Investitionsstaus allein im Bereich Verkehr bis 2030 über eine Milliarde Euro investieren. Aber um dieses Geld auch buchstäblich rasch auf die Straße zu bekommen, müssen wir dringend unsere Planungsprozesse entrümpeln und ohne Denkverbote nach Strategien suchen, die teils jahrelangen Hängepartien bei Großvorhaben zu beenden oder zumindest einzudämmen“, sagte Meyer heute auf der NordBau-Messe in Neumünster vor rund 100 Fachleuten beim Kongress „Planungsbeschleunigung“.

Meyer_TouriMeyer sagte beim Pressegespräch

(Audiopfeil klicken)

Mit Blick auf die Diskussion um das Verbandsklagerecht in Deutschland sagte Meyer: „Ich bin kein Feind des Verbandsklagerechts, aber ein Feind der mittlerweile großen Unwucht zwischen dem juristischen Aufgebot von Klägern und der Ausstattung sowie den Möglichkeiten der öffentlichen Hand auf diesem Feld“, sagte der Minister. Die personelle Ausstattung der Straßenbauverwaltung müsse angesichts der gewaltigen Herausforderungen in den kommenden Jahren deutlich verbessert werden. Meyer: „Dazu gehört für mich auch eine Diskussion über den Stellenabbaupfad bei unserem Landesbetrieb.“

Je früher etwa eine Straßenplanung auf juristische Einfallstore abgeklopft werde, so Meyer weiter, umso größer die späteren Erfolgsaussichten. „Wir werden damit keine Klagen verhindern, aber wir können und müssen für Klagen künftig besser gerüstet sein.“  Auch das Planungsrecht selbst gehöre auf den Prüfstand. „Hier können wir viel von unseren europäischen Nachbarn wie etwa den Dänen lernen, die Großvorhaben wie die Beltquerung über ein Baugesetz realisieren und dadurch weitaus weniger Einspruchsmöglichkeiten bieten.“

Um Wege zur schnelleren Schaffung von Baurecht möglichst breit und offen zu diskutieren, habe das Land den NordBau-Fachkongress erstmals im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Mitveranstalter sind neben dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) die Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein (AIK SH) und der Bauindustrieverband Hamburg Schleswig-Holstein e.V.

Der Vizepräsident der AIK SH, Harald-Peter Hartmann, machte deutlich, dass sich aus der derzeitigen Planungskultur auch für die freien Ingenieure zusätzliche Herausforderungen ergeben werden. „Dabei ist nicht nur eine enge Zusammenarbeit mit den Landschaftsplanern erforderlich, um ökologische Belange bestmöglich zu berücksichtigen“, so Hartmann. Schon im Vorwege seien Bürgerbeteiligungen nötig, um eine grundsätzliche Akzeptanz für Projekte zu erreichen. Er sehe hier vor allem die Politik gefordert, losgelöst von Legislaturperioden einen breiten Konsens für Infrastrukturvorhaben zu erreichen. Kritik übte Hartmann in dem Zusammenhang an der zunehmenden Zahl von „Trittbrettfahrern, die unter dem Deckmäntelchen der Ökologie versuchen, Projekte zu torpedieren, weil sie ansonsten keinerlei rechtlichen Ansatzpunkte für ihren Protest finden“.

Meyer und Hartmann begrüßten, dass sich auch der Bund inzwischen intensiv mit der Beschleunigung bei Straßen-, Schienen und Wasserbauprojekten beschäftige. Auch hier werde das Land seine Ideen in den länderübergreifenden Prozess einbringen. Dabei würden neben reinen Verfahrensfragen auch Finanzierungsaspekte oder die angesichts des Fachkräftemangels zunehmend schwierige Personalausstattung sowie eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung eine Rolle spielen. Hartmann: „Leider haben auch die Ingenieurbüros nach wie vor mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen, auch wenn die Zahl der Studenten inzwischen gestiegen ist.“ Der Beruf des Ingenieurs sei in den Augen der Bevölkerung „leider immer noch kein Traumberuf“.

baustelleMit Blick auf die Diskussion um die Einführung einer Bundesautobahngesellschaft als oft gepriesenes Allheilmittel machte Meyer einmal mehr deutlich: „Zentralismus war noch nie ein Mittel, Verfahrensabläufe zu beschleunigen. Das konnten wir an der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und nicht zuletzt an der Hängepartie um die Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels beobachten.“ Wichtiger sei es deshalb, Verfahren zu straffen und vor allem die Verantwortlichkeiten stets auf die Kernkompetenzen zu beschränken.

Meyer kündigte an, zum Jahreswechsel einen Punkteplan mit Ansätzen zur Planungsbeschleunigung vorzulegen. „Darin werden sich hoffentlich auch viele Aspekte unserer bisherigen NordBau-Kongresse wiederfinden“, so der Minister.

img_0588
Besuch am Stand des LBV-SH: Meyer und Iwersen mit LBV-SH-Direktor Torsten Conradt (links) und dem Chef der Zeppelin Baumaschinen GmbH, Michael E. Heidemann

Experten auf der NordBau: Wie lässt sich die Infrastrukturplanung beschleunigen?

Heute Vormittag auf der NordBau: Experten diskutieren mit Meyer über schnellere Planung

Auf der Fachmesse NordBau in Neumünster diskutieren heute Vormittag Experten der Bundesplanungsgesellschaft DEGES, der Architekten- und Ingenieurskammer, des Bauindustrieverbandes und des Vereins ProMobilität über Möglichkeiten der Planungsbeschleunigung in Bund und Land. Gemeinsam mit Verkehrsminister Reinhard Meyer geht es um die Frage, wie man die teils  jahrelangen Hängepartien bei großen Infrastrukturvorhaben bereits durch eine verbesserte Planung verhindern oder eindämmen kann.

Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr – bereits um 9.15 Uhr informieren Meyer und der Vizepräsident der Architekten und Ingenieurkammer SH, Harald-Peter Hartmann, in einem Pressegespräch über die wesentlichen Inhalte des Kongresses. (Konferenzraum der Messeleitung)

Schleswig-Holstein zeigt Flagge auf der Hamburger Schiffsmesse – und Meyer auch

Meyer besucht heute die Fachmesse SMM – große Präsenz von SH-Unternehmen

smmHamburgs wichtigste Messe SMM, die internationale Leitmesse der maritimen Wirtschaft, verzeichnet in diesem Jahr eine Rekordzahl an Ausstellern: Rund 2200 Unternehmen aus 66 Ländern präsentieren sich bis Freitag mit ihren Produkten und Dienstleistungen in den Messehallen. Man erwarte, wie vor zwei Jahren, rund 50.000 Fachbesucher aus 100 Ländern, sagte Messechef Bernd Aufderheide der Tageszeitung „Die Welt“.

Auch Schleswig-Holstein ist mit Dutzenden Unternehmen und Einrichtungen wie dem Maritimen Cluster Norddeutschland auf der Fachmesse vertreten.

Reinhard_MeyerMeyer sagte zu seinem heutigen Besuchsprogramm

(Audiopfeil klicken)

Die maritime Wirtschaft steht flächendeckend unter Druck, beim Schiffbau, in der Schifffahrt, bei der Offshore-Öl- und Erdgasförderung. Dennoch ist die Präsenz bei der SMM so groß wie nie – oder gerade deswegen. Denn die Messe zeigt, wie der Schiffbau in den kommenden Jahren rationalisiert und modernisiert werden kann. „Digitalisierung und umweltschonende Antriebe sind die zentralen Themen der diesjährigen Messe“, sagte Aufderheide.

Schleswig-Holstein will per Gesetz Vergleichbarkeit von Einkaufspreisen durchsetzen

„SZ“ über einen Vorstoß von Meyer zur Begrenzung der Marktmacht im Lebensmittel-Einzelhandel 

Im Bericht der Süddeutschen Zeitung von Dr. Michael Kläsgen heißt es: zum SZ-Bericht

Schleswig-Holstein will die Marktmacht der vier großen Lebensmittel-Einzelhändler, Edeka, Rewe, Lidl und Aldi begrenzen. Ziel ist es, über eine Gesetzesänderung die Einkaufspreise transparent zu machen. Anlass für den Vorstoß der Landesregierung ist, dass die in Kiel ansässige Coop ein Gemeinschaftsunternehmen mit Rewe eingehen will. Das Bundeskartellamt hatte Ende Juli signalisiert, die Fusion zwar nicht uneingeschränkt, aber doch größtenteils genehmigen zu wollen. 

Der Zusammenschluss von Coop und Rewe ist neben der umstrittenen Fusion von Edeka und Kaiser’s Tengelmann für die Landesregierung in Kiel ein weiterer Beleg für den fortschreitenden Konzentrationsprozess im Lebensmitteleinzelhandel. Das Kartellamts hatte berechnet, dass die Konzerne Edeka, Rewe, Lidl (Schwarz-Gruppe) und Aldi den Lebensmittelmarkt zu 85 Prozent dominieren.
Ihre Marktmacht hat nach Auffassung der Landesregierung in Kiel zur Folge, dass kleinere und mittelständische Händler schlechtere Einkaufskonditionen erhalten und deswegen an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen, wodurch wieder der Konzentrationsprozess beschleunigt werde. Auch Lieferanten und Landwirte geraten durch die Marktmacht der Großen unter Druck. Es besteht auch die Gefahr, dass mangels Wettbewerb die Preise für Verbraucher steigen.

Schleswig-Holstein will deswegen die Bundesregierung davon überzeugen, per Gesetz eine Vergleichbarkeit bei den Einkaufspreisen herzustellen. Also bei den Preisen, zu denen die Einzelhändler ihre Waren beziehen, ehe sie diese zum Verkauf anbieten. Um dies zu erzielen, schlägt die Landesregierung vor, das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), das derzeit novelliert wird, um einen Zusatz im Paragrafen 20a zu ergänzen. „Die Neuregelung besagt vereinfacht ausgedrückt, dass Handelsunternehmen beim Einkauf von Markenwaren nicht ungerechtfertigt schlechtere Einkaufskonditionen erhalten dürfen als andere Handelsunternehmen“, schreibt der sozialdemokratische Landeswirtschaftsminister Reinhard Meyer in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Der Brief ist Teil der derzeitigen Gesetzesreform. Die Stellungnahme gehört im Rahmen der Anhörung der Länder zum Verfahren.

Meyer schwebt eine Regelung vor, „die dazu führt, dass die Missbrauchsmöglichkeiten der vier marktbeherrschenden Unternehmen auf der Nachfrageseite eingedämmt und gleichzeitig Arbeitsplätze in der Branche gesichert werden“. Konkret soll Herstellern von Markenwaren untersagt werden, Handelsunternehmen ohne sachlichen Grund unterschiedlich zu behandeln. Wenn das Kabinett in Berlin nicht reagiert, will das Land das Gesetz im Bundesrat durchbringen.

Die Landesregierung fordert beispielsweise, es Markenherstellern zu verbieten, bestimmte Handelskonzerne ohne sachlichen Grund mittels direkter oder indirekter Nachlässe oder sonstiger Preisvorteile zu begünstigen. Umgekehrt soll es Handelsunternehmen verboten werden, solche Nachlässe einzufordern. Die Regelung soll für Markenware bei Lebensmitteln, aber auch Haushaltsartikeln gelten.

Zudem sollen die Preisvereinbarungen schriftlich fixiert werden, damit Verstöße leichter festgestellt werden können. Der Landesregierung geht es nicht darum, Einkaufspreise festzuschreiben, diese zu kontrollieren oder Preisverhandlungen zu unterbinden. Unterschiede etwa über Skaleneffekte oder Logistikvorteile sollen bestehen bleiben. Die Preisbildung soll aber einsehbar und dadurch vergleichbar für Dritte werden. Für die großen Vier wäre es in der Folge schwieriger, ihre Marktmacht zu missbräuchlich auszunutzen, ist die Landesregierung in Kiel überzeugt.

Noch hat man dort von Gabriel keine Antwort erhalten. Meyer geht davon aus, dass seine Vorschläge bei der Gesetzesreform im Bundeskabinett berücksichtigt werden. Falls dies nicht der Fall sein sollte, behält er sich vor, im Herbst im Bundesrat einen Gesetzentwurf einzubringen, um den jüngsten Entwicklungen im Lebensmittel-Einzelhandel Einhalt zu gebieten.

Die Vertreter der Coop-Genossenschaft hatten beschlossen, ihre 170 Supermärkte (Sky), neun Verbrauchermärkte (Sky Center, Sky XXL) und elf Baumärkte (Plaza) in das Gemeinschaftsunternehmen mit der Rewe Group einzubringen, die 55 Prozent der Anteile an dem Joint Venture halten soll. Coop und Rewe hatten sich bereit erklärt, einzelne Filialen an die Konkurrenz abzutreten, damit das Kartellamt den Zusammenschluss genehmigt. So eine Zusage hatte Edeka bei Kaiser’s Tengelmann nicht gemacht.