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Land und Arbeitsagentur stellen Weichen neu gegen die drohende Fachkräftelücke

Erstes Treffen: RD-Nord-Chef Biercher mit Minister Madsen

Angesichts einer drohenden Lücke von 180.000 Fachkräften bis zum Jahr 2035 quer durch alle Branchen nehmen Landesregierung und Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA) weitere Weichenstellungen vor: „Unser Ziel ist es, alle Potenziale auf dem Arbeitsmarkt auszuschöpfen. Dazu gehört es, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren, die Erwerbstätigkeit bei Frauen zu erhöhen und die Fachkräfteeinwanderung zu erleichtern“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen heute im Anschluss an ein erstes Treffen mit dem neuen Chef der Regionaldirektion Nord, Markus Biercher.

Einig sind sich Madsen und Biercher darin, dass an der weiteren Anwerbung ausländischer Fachkräfte kein Weg vorbeiführt. Im kommenden Jahr werde deshalb erstmals in Schleswig-Holstein ein „Welcome Center“ entstehen, in dem sowohl ausländische Fachkräfte als auch Unternehmen aus Schleswig-Holstein Hilfe und Informationen bekommen. „Wir wollen die Fachkräfte mit unserer Bürokratie nicht wieder verjagen, sondern sie so gut es geht unterstützen“, sagte Madsen. Das Rahmenkonzept für das Center sei bereits erstellt und werde derzeit mit allen Beteiligten abgestimmt und weiterentwickelt.

Zum Welcome-Center sagte Madsen im Gespräch mit Andreas Otto von RSH – Audio starten, Pfeil klicken…

Biercher betonte: „Trotz der Folgen des Ukraine-Krieges und trotz gesunkener Konjunkturerwartungen ist und bleibt das Thema ‚Fachkräftesicherung‘ die zentrale Herausforderung für alle Arbeitsmarktpartner in Schleswig-Holstein.“ Zwar erwarte das Forschungsinstitut (IAB) in seiner aktuellen Regionalprognose im kommenden Jahr für Schleswig-Holstein einen Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um 1,1 Prozent (Bund: +0,9 Prozent) und nur einen minimalen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 0,1 Prozent (Bund: +2,3 Prozent). Doch dürfe das nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier im Norden die Wettbewerbsfähigkeit und die Wachstumschancen ganzer Branchen und Regionen allein durch ausreichend verfügbare Arbeits- und Fachkräfte gesichert werden könne. „Dabei gibt es nicht den Königsweg, sondern wir müssen ganz unterschiedliche Hebel nutzen“, so Biercher. Als Beispiele nannte er die berufliche Qualifizierung von Arbeitslosen, die Weiterbildung von Beschäftigten und eine faire Erwerbsmigration.

In einem ersten Schritt hat die Landesregierung nach den Worten von Madsen bereits neue Eckpunkte für die Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein (FI.SH) erarbeitet: „Wir nehmen dabei die Erneuerbaren Energien verstärkt in den Fokus. Diese Branche ist entscheidend für die Bekämpfung des Klimawandels. Hier brauchen wir dringend qualifiziertes Personal und dafür werden wir ein spezielles Klimaschutz-Fachkräfteprogramm entwickeln.“ Darüber hinaus werde das Land eine neue Förderrichtlinie erarbeiten, mit der künftig innovative Projekte und Aktionen rund um das Thema Fachkräfte unterstützt werden. Dafür stelle das Land bis zu zwei Millionen Euro bereit.

Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs

Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt haben sich laut Madsen im Vergleich zu den letzten zehn bis zwölf Jahren deutlich verändert. „Früher stand die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Fokus, jetzt ist es die Sicherung von Arbeits- und Fachkräften.“ 2014 habe es in Schleswig-Holstein noch mehr als 100.000 Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent gegeben, vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 waren es weniger als 80.000 Arbeitslose bei einer Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent. Madsen: „Und auf diesen Stand bewegen wir uns jetzt wieder zu.“

Wichtige Weichenstellungen auf der Verkehrsministerkonferenz

Von der Heide: „Bund ist beim Klimaticket und beim Nord-Ostsee-Kanal gefordert“

Ein Aboticket mit einem Einführungspreis von 49 Euro im Monat mit der Option monatlich kündigen zu können – so soll der Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket aussehen. Darauf haben sich die Länder und der Bund heute bei der Verkehrsministerkonferenz nach intensiven Verhandlungen in Bremerhaven geeinigt. Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide begrüßte den Beschluss: „So kommen wir dem Klimaticket für Deutschland einen großen Schritt näher. Es ist aber wichtig, dass die Länder ihre mögliche finanzielle Beteiligung an die Forderung geknüpft haben, dass der Bund deutlich mehr Geld für den Erhalt und den Ausbau des ÖPNV und zum Ausgleich der gestiegenen Kosten in die Hand nimmt.“

Der Bund stellt für die Finanzierung des Nachfolgetickets 1,5 Milliarden Euro jährlich bereit. Die Länder fordern wie bereits in den vorigen Verkehrsministerkonferenzen als Voraussetzung für ein Nachfolgeticket eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für den Ausbau des ÖPNV-Angebots und einen zusätzlichen Ausgleich der Kostensteigerung bei Energie und Personal.

Im Kampf gegen den Klimawandel sei der ÖPNV ein wichtiger Faktor. „Wir wollen ein einfaches und bezahlbares Ticket, um noch mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn zu motivieren. Aber dazu muss es auch Busse und Bahnen geben“, betonte der Staatssekretär. Wenn es keine zusätzlichen Mittel vom Bund gebe, drohe die Abbestellung von Zügen und ein Ausdünnen des Angebots. „Und dann nützt auch das attraktivste Ticket nichts. Deshalb war es während der Konferenz ernüchternd, dass es seitens des Bundes noch keinen Vorschlag für die Steigerung der Regionalisierungsmittel gab. Der Bund ist hier gefordert und muss seiner Verantwortung gerecht werden. Gut ist, dass wir uns nun auf ein Konzept für das Ticket verständigt haben“, so von der Heide weiter.

Neben einer Nachfolgelösung für das Neun-Euro-Ticket waren auch die geplanten Mittelkürzungen für den Ausbau von Bundeswasserstraßen ein Thema. Hiervon ist der Nord-Ostsee-Kanal massiv betroffen. Statt 909 Millionen Euro sollen in 2023 nur noch 594 Millionen Euro für Ausbaumaßnahmen in allen Wasserstraßen zur Verfügung stehen. „Wir brauchen die fünfte Schleusenkammer in Brunsbüttel, die Levensauer Hochbrücke wird neugebaut, die Anpassung der Oststrecke hat auch begonnen. Eine Mittelkürzung ist genau das falsche Signal. Vor allem vor dem Hintergrund, dass weitere Baumaßnahmen wie die kleinen Schleusen in Kiel oder die Vertiefung des NOK schon geplant sind“, sagte der Staatssekretär. Der Bund sei nun gefordert, die Investitionen und die personelle Ausstattung seiner Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung zu verbessern, um den NOK und alle anderen Bundeswasserstraßen attraktiver und zuverlässiger zu machen.

Bild: grafikfoto.de, M.Staudt

Madsen will Industrie im Norden mit Dreier-Bündnis auf der Erfolgsspur halten

Minister Madsen bei der Industriekonferenz

Mit einem Dreierbündnis aus Politik, Arbeitgebern und Arbeitnehmern will die Landesregierung die rund 133.000 Industrie-Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein sicher durch die Krise bringen. «Wir verzeichnen seit Jahren einen Anstieg der industriellen Wertschöpfung – allein seit 2018 um drei auf derzeit über 40 Milliarden Euro jährlich. Und das trotz Pandemie», sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wenige Tage zuvor hatte er Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften zu einem Industrie-Trilog eingeladen. «Gerade für die Industrie sehe ich in der derzeitigen Situation nicht nur Klippen und Untiefen, sondern vor allem Chancen», so Madsen mit Blick auf das 100-Milliarden-Rüstungsprogramm der Bundesregierung.

Bei dem Spitzentreffen der Verbände mit Vertreterinnen und Vertretern des Wirtschafts- und des Energieministeriums (am Mittwoch) waren sich laut Madsen alle Beteiligten einig, dass neben gedeckelten Energiepreisen vor allem Genehmigungsverfahren beschleunigt und der Zugang zu Fachkräften verbessert werden müsse. Dazu habe man sich zu einem dauerhaften Industrie-Trilog verabredet. «Wenn sich alle Partner beispielsweise verpflichten, mehr ausländische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen, dann wäre schon viel gewonnen», so Madsen. Schleswig-Holstein sei dafür attraktiv und biete gerade jungen Familien einen idealen Mix aus guten Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Um Innovationen im forschungsschwachen Mittelstand zu beschleunigen plane das Land unter anderem die Einführung von Forschungsgutscheinen. «Eine entsprechende Richtlinie ist in Arbeit, nach der wir kleinen und mittleren Betrieben die Hälfte der Kosten für Forschungsaufträge erstatten wollen», sagt Madsen. Ein großes Innovationsfeld sei vor allem der Bereich der Erneuerbaren Energien von Windkraft bis Wasserstoff. Hier sei Schleswig-Holstein bundesweit spitze. «Allein die wachsende Zahl von Startups in diesem Bereich ist ermutigend», sagt Madsen. Aber auch die Duale Ausbildung als Garant für  qualifizierte Fachkräfte werde von der Landesregierung weiter gestärkt.

Eine besondere Rolle bei der Schaffung und Sicherung von Industriearbeitsplätzen kommt nach Einschätzung des Ministers vor allem der Wehrtechnik mit ihren landesweit 7.400 direkt und über 10.000 indirekt Beschäftigten zu. Ein Großteil dieser Jobs sei über Werften und andere Großbetriebe wie den Rüstungskonzern Rheinmetall in Kiel verankert. Madsen: «Deshalb ist für die Betriebe elementar, rasch Klarheit über das 100-Milliarden-Rüstungsprogramm der Bundesregierung bekommen, um sich auf die Aufträge vorzubereiten.» 

Auch beim Industriekongress der Landeshauptstadt Kiel am letzten Donnerstag ging es einmal mehr um die Rolle der Wehrtechnik in Schleswig-Holstein – hier ein Mitschnitt der Pressekonferenz:

Neben der Wehrtechnik sieht Madsen für Kiel noch ein weiteres großes Wachstumsfeld: «Dank seiner herausragenden Lage und seiner Kompetenzen im Bereich der Bahntechnik steht Kiel vor allem auch für neue Mobilität und Energie am Wasser.» Rund 17.000 Menschen seien in Kiel im produzierenden Gewerbe in knapp 1.000 Unternehmen beschäftigt. Etwa 17 Prozent der Bruttowertschöpfung werde in der Industrie erwirtschaftet. «Was Kiel nun gut gebrauchen könnte, wären vor allem weitere Ansiedlungen – prädestiniert dafür sei das Gewerbegebiet ,Strandort’ in Friedrichsort», so Madsen. Die Landesregierung sei bereit, die Landeshauptstadt dabei zu unterstützen.  

Lübecker Startup „Naotilus“ überzeugte Jury des Überflieger-Wettbewerbs 2022 am stärksten

Das Lübecker StartUp „Naotilus“ von Christian Rühmann ist der Hauptsieger des diesjährigen „Überflieger“-Wettbewerbs des Vereins StartUp.SH und bekommt damit ein Flugticket ins Silicon Valley. Die Geschäftsidee beruht auf der Steuerung und Optimierung von Wärmenetzen. Auch bei den anderen Gewinnern drehte sich alles um Ideen zur Energie- und Mobilitätswende, zum Fachkräftemangel oder zum nachhaltigem Konsum. Wirtschaftsminister Madsen zeigte sich begeistert.

Die Überflieger-Start-ups 2022: Lena Mertens, Philipp Özren, Julian Rissen von StickTo, Ruben Hammerle und Samira Huber von Sustomer sowie Christian Rühmann von Naotilus freuten sich gemeinsam mit Schrirmherr Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und den Veranstaltern Börrje Schneider, Marketing Club Schleswig-Holstein – oben im Bild mit Anke Rasmus von StartUp SH und Axel Schulz von „The Bay Areas“

In jeweils nur sechs Minuten mussten die Gründerinnen und Gründer am Mittwochabend im Gästehaus der Landesregierung ihre Geschäftsideen vor Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und der Jury aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener schleswig-holsteinischer Unternehmen präsentieren. Ihr Ziel: eine der drei Reisen nach San Francisco und ins Silicon Valley gewinnen. „Mit Ihren innovativen und oft technologischen Ideen und Produkten leisten Sie einen wichtigen Beitrag und fordern durch Ihre Innovationskraft auch etablierte Unternehmen zur Weiterentwicklung auf. Das macht Schleswig-Holstein als Wirtschaftsland insgesamt stärker“, betonte Madsen als Schirmherr des Wettbewerbs die Rolle der jungen Unternehmerinnen und Unternehmer.

Rühmann bei der Vorstellung seiner Geschäftsidee (Fotos: Jan Konitzki)

Nach seiner „Siegerehrung“ sagte Naotilus-Gründer Christian Rühmann mit Blick auf die bevorstehende Reise nach San Francisco: „Die USA sind auf jeden Fall ein interessanter Markt für uns. Wir freuen uns auf die Reise ins Silicon Valley, den Spirit vor Ort und viele gute und nützliche Kontakte“, so Rühmann nach der Preisverleihung.

Auf Platz 2 wählte die Jury Samira Huber und Ruben Hammerle mit Sustomer, einer App für nachweislich nachhaltiges Einkaufen. Lena Mertens, Philipp Özren und Julian Rissen von StickTo sicherten sich Platz 3. Mit ihrer App unterstützen sie Schülerinnen und Schüler bei der Berufsorientierung

„Unsere Finalisten kommen aus ganz Schleswig-Holstein und stehen hier auch stellvertretend für die vielen herausragenden Start-ups im Land“, betonte Dr. Anke Rasmus, 1. Vorsitzende StartUp SH e.V., „Mit dem Überflieger-Wettbewerb bieten wir jungen Unternehmen eine Bühne und eröffnen ihnen neue Netzwerke mit wichtigen Kontakten beiderseits des Atlantiks.“

Eine ganze Woche lang werden die Überflieger das Start-up-Mekka Silicon Valley und San Francisco hautnah erleben. Beim Blick hinter die Kulissen profitieren sie von den engen Kontakten des Vereins The Bay Areas, der den Austausch und die Zusammenarbeit der Regionen San Francisco, Kiel und Schleswig-Holstein fördert. „Für unsere Gewinner-Start-ups organisieren wir Treffen mit Investoren aus dem Silicon Valley, amerikanischen Start-ups und Wirtschaftsvertreter. In den persönlichen Gesprächsrunden erhalten die Überflieger intensives Feedback und Inspiration für die eigene Geschäftsidee“, beschreibt Axel Schulz, 1. Vorsitzender The Bay Areas die für Februar 2023 geplante Reise.

Vor Ort in Schleswig-Holstein kann das Netzwerken sofort starten. Sowohl The Bay Areas als auch der Marketing Club Schleswig-Holstein übergaben den sieben Finalisten eine kostenlose Jahresmitgliedschaft. „Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, müssen gute Ideen und Produkte bei den richtigen Zielgruppen sichtbar werden. Das gilt für junge ebenso wie etablierte Unternehmen“, betont Börrje Schneider vom MCSH-Vorstand und freut sich auf den Austausch mit den Gründerinnen und Gründern.

Der Überflieger-Wettbewerb findet bereits zum vierten Mal statt und wird von den drei Vereinen The Bay Areas, Marketing Club Schleswig-Holstein und StartUp SH zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus Schleswig-Holstein veranstaltet. Startups mit guten Ideen aus Schleswig-Holstein erhalten so die Chance, ihre Geschäftsidee einem breiten Publikum vorzustellen, in den Spirit des Silicon Valley einzutauchen und auf beiden Seiten des Atlantiks neue Kontakte aufzubauen. Der Wert pro Reise beträgt ca. 4.000 Euro.

Madsen im Gespräch mit IHK-Zeitschrift „Wirtschaft zwischen Nord- und Ostsee“

Er stammt aus Dänemark, war lange Jahre selbst Unternehmer, zugleich IHK-Präsident und zeitweise im Wirtschaftsrat des DIHK, danach Oberbürgermeister von Rostock und seit Sommer (noch nicht ganz 100 Tage) Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Schleswig-Holstein.

In der aktuellen Oktober-Ausgabe der schleswig-holsteinischen IHK-Zeitschrift „Wirtschaft zwischen Nord- und Ostsee“ (WNO) spricht Madsen über sein neues Amt, welchen Blickwinkel er aus seiner dänischen Heimat mitbringt und wie er die Herausforderungen der kommenden Jahre stemmen will.

Hier das WNO-Interview als Video-Mitschnitt – Pfeil klicken…

Befragt wird der Minister von Jan Philipp Witt / IHK 24-Redaktion

Deutsch-Finnischer Hafentag mit einer Bugwelle der Zuversicht für den Ostsee-Handel

Gastgeber des 7. Lübecker Hafentags (v.l.) Konsul Bernd Jorkisch, Hafenchef Jürgens, Botschafterin Sipiläinen, Bürgermeister Lindenau, Hafenchefin Mäkilä und Minister Madsen

Drohender Rezession und ausgebremstem Seehandel in Europa zum Trotz: Aufgrund der gut ausgebauten Infrastruktur in den Ostseehäfen und der engen Partnerschaft der Häfen in den westlichen Anrainerstaaten funktioniert der Güteraustausch noch recht reibungslos. Das war am Nachmittag und Abend Tenor aller Gespräche und Podiumsbeiträge rund um den diesjährigen Deutsch-Finnischen Hafentag in Lübeck. Bei einem Pressegespräch mit Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen machten sowohl die Botschafterin der Republik Finnland, Anne Sipiläinen, als auch Annaleena Mäkilä, Geschäftsführerin der Finnish Port Association, deutlich, dass die Häfen in Finnland bereits in die Zukunft schauen und an einer Intensivierung ihrer Kooperation arbeiten. Mäkilä betonte in dem Zusammenhang die aus ihrer Sicht «dringende Notwendigkeit des Nato-Beitritts von Finnland und Schweden für einen sicheren Ostseehandel in den kommenden Jahrzehnten».

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen am Rande der Pressekonferenz – Audio starten, Pfeil klicken…

Gastgeber des mittlerweile 7. Hafentags waren neben Bernd Jorkisch, Honorarkonsul der Republik Finnland in Lübeck, Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) sowie Jan Lindenau, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck. Mehr als 300 Vertreter der Hafenwirtschaft aus mehreren Ländern nahmen an der Konferenz in der Musik- und Kongresshalle Lübeck teil.

Die Landesregierung in Kiel sei sich der Rolle des Lübecker Hafens als zentraler Knoten innerhalb der europäischen Verkehrsnetze sehr bewusst, betonte Madsen in seinem Grußwort: «Die langjährige Partnerschaft mit Finnland basiert auf Vertrauen und Verlässlichkeit auf beiden Seiten. Lübecks Hafen ist trotz der Krise gut aufgestellt und weiter dabei, seine Infrastruktur leistungsfähig und umweltgerecht zu modernisieren.» Die Reedereien in Finnland und Deutschland würden zudem ihren Teil dazu beitragen, die Ostseeverkehre effizient und umweltfreundlich anzubieten.

Allerdings erinnerte Madsen auch daran, dass die Reedereien in Zukunft beim Bau neuer Schiffe die vorhandene Hafeninfrastruktur akzeptieren müssten. «Die Häfen können sich nicht endlos den immer größer werdenden Schiffen anpassen, zumal immer neue Umweltanforderungen sie vor enorme Herausforderungen stellen», so der Minister. «Gut, dass Lübeck zum transeuropäischen Kernnetzwerk des TEN-T gehört. Sinnvollerweise sollten die Korrespondenzhäfen in Finnland ebenfalls an Bord bleiben», sagte Madsen.

Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs – Video starten:

„Innovationsdynamik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit spielen außer Sicherheit und Frieden eine immer relevantere Rolle – in allen Feldern hat der Ostseeraum an Bedeutung für Europa gewonnen“, sagte Bernd Jorkisch. „Gerade die Republik Finnland, mit ihrer besonderen geopolitischen Lage in Europa, beweist durch das aktuelle Handeln Solidarität, Tatkraft und Weitsicht.“ Der Lübecker Hafen sei weiterhin die Drehscheibe für den Warenaustausch zwischen Finnland und Zentraleuropa.

Hier setzte LHG-Chef Sebastian Jürgens an: „Lübeck ist im Rahmen des europäischen TEN-T Verkehrssystems Brückenkopf und Kernnetzhafen für diesen Korridor, der das Mittelmeer mit Skandinavien verbindet. Finnland ist mit seinen Häfen ein starker Partner in dieser wichtigen Verkehrsachse. Umso mehr fordern wir, die beiden Partnerhäfen Pietasaari und Käskinen weiterhin als Korridorhäfen zu führen und nicht zugunsten einiger Mittelmeerhäfen aus diesem eingespielten System herausfallen zu lassen.“

Madsen bei SH-Netz-Cup: Wir sitzen auch bei der Energie-Krise alle in einem Achter

Madsen im Gespräch mit sh:z-Chefredakteur Hans Kläsener

Auch wenn der Deutschland-Achter heute Nachmittag beim SH-Netz-Cup 2022 weit abgeschlagen auf dem letzten Platz landete – für Wirtschafts- und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen ist das Ruder-Event auch nach über 20 Jahren in jeder Hinsicht ein Siegeszug: „Mit diesem dreitägigen internationalen Sport-Event strahlt Schleswig-Holstein samt seines Nord-Ostsee-Kanals weit über die Landesgrenzen hinaus – und das zahlt zweifellos auf die Aktivseite des gesamten Tourismus in Mittelholstein und im Rest des Landes ein“, sagte Madsen.

Am Abend und zollte dem Sieger-Team aus den USA seinen Respekt: „Erzählen Sie in Ihrer Heimat von der Schönheit und dem Sportsgeist Schleswig-Holsteins – und kommen Sie nächstes Jahr zur Revanche zurück. Wir freuen uns auf Sie alle.“

Bereits am Freitag hatte Madsen an der Eröffnungsfeier im Festzelt nahe der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke teilgenommen und sich den Fragen von sh:z-Chefredakteur Hans Kläsener gestellt. Dabei drehte es sich – passend zum Haupt-Sponsor ,Schleswig-Holstein Netz‘ – natürlich auch um das Thema Energie. Madsen zeigte sich dabei optimistisch: „Ich gehe nicht davon aus, dass Schleswig-Holstein im Winter eine Gasmangellage erleben wird. Im Norden liegen wir nah an den Energie-Einspeisepunkten und damit strategisch etwas günstiger als der Süden“, so Madsen. Trotzdem müsse gespart und Solidarität praktiziert werden: „Es ist wie beim Rudern. Man kommt nicht ins Ziel, wenn man nur einen Steuermann und einen einzigen guten Ruderer hat. Es müssen alle mitziehen. So gesehen befinden wir uns in den kommenden Monaten im Kampf gegen die Energiekrise sozusagen alle in einem Ruder-Achter“, sagte Madsen.

Der Krise zum Trotz: Madsen erfreut über herbst-Belebung am SH-Arbeitsmarkt

Fachkräfte bleiben auch in Zukunft gefragt – nicht nur im Norden, wie hier in der Energiewirtschaft

Ökonomischen Klippen wie Energiekosten, Rekord-Inflation oder Lieferengpässen zum Trotz: Die Aussichten für den schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt bleiben positiv. „Die jüngste Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lässt bei aller Unsicherheit auch für Schleswig-Holstein in diesem und im kommenden Jahr steigende Beschäftigung erwarten“, kommentierte Arbeits- und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen die heute (30. September) vorgelegten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Danach hat die saisontypische Herbstbelebung begonnen. So sank die Zahl der Arbeitslosen im September im Vergleich zum Vormonat um 4,1 Prozent (- 3.502 Arbeitslose), im Vergleich zum Vorjahresmonat sank sie um 0,2 Prozent (-198) auf gegenwärtig 81.699 Menschen ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,2 Prozent.

Wie der Minister weiter sagte, seien die Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro und die Verlängerung des auf sieben Prozent reduzierten Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie bis Ende 2023 wichtige Signale an Beschäftigte und Unternehmen. „Unser Land hat starke Branchen, etwa den Gesundheits- und Pflegebereich, die einen enormen Bedarf an Fachkräften haben und somit krisenfeste Arbeitsplätze bieten“, so Madsen. Insgesamt seien mehr als ein Drittel aller Beschäftigten in den Branchen Gesundheitswesen, Sozialwesen und Pflegeheime, Erziehung und Unterricht, öffentliche Verwaltung und im Dienstleistungsbereich tätig.

Mit Blick auf die von der Bundesregierung verkündete Gas- und Strompreisbremse sagte Madsen: „Wir werden als Landesregierung bei der Ausgestaltung der konkreten Entlastungen genau darauf achten, dass unsere Wirtschaft und der Arbeitsmarkt bestmöglich geschützt und gestützt werden.“ Neben einem Deckel für den Gas- und Strompreis setze man zudem auf das Instrument der Kurzarbeit, um mögliche Produktions-Drosselungen ohne gleichzeitige Entlassungen von Beschäftigten zu ermöglichen.

Nach Wehrtechnik-Gipfel: Abgeordnete im Landtag einig über die Bedeutung der Branche

Über 30 Vertreter der Wehrtechnik trafen sich am 5. September im Wirtschaftsministerium, um über die Probleme ihrer Branche zu reden

Mit ihren über 7.000 hochwertigen Arbeitsplätzen spielt die wehrtechnische Industrie für Schleswig-Holstein eine wichtige Rolle – darüber bestand heute im Landtag Einigkeit. Im Wirtschaftsausschuss soll nun aber noch einmal darüber gesprochen werden, ob Wehrtechnik auch als sozial nachhaltig eingestuft werden kann. Damit wird sich die Europäische Union in einigen Jahren beschäftigen.

Ein entsprechender Vorstoß der FDP stieß auf ein geteiltes Echo. Hintergrund: Nach dem Wehrtechnik-Gipfel des Wirtschaftsministeriums vor knapp vier Wochen hatte Staatssekretärin Julia Carstens in einem Interview angeregt, mit dem Bund über die Einstufung der Wehrtechnik in die nachhaltige Kategorie zu reden. Damit könnten der Branche im Lichte der veränderten Sicherheitslage in Europa kapitalintensive Finanzierungen erleichtert werden.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sagte dazu im Landtag – Video starten…

Der FDP-Abgeordnete Bernd Buchholz hatte in seinem Antrag gewarnt, dass Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden, wenn diese Einstufung nicht erfolge. Die schwarz-grüne Regierungskoalition will zunächst eine „weitergefasste Strategie mit dem Ziel der Stärkung der wehrtechnischen Industrie“ erarbeiten und dazu eine Anhörung im Fachausschuss vornehmen. Zwar sei die Branche „überlebenswichtig“, das Thema Taxonomie spiele aber in der zuständigen EU zurzeit keine Rolle, so der Tenor.

Landtag kämpft geschlossen für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals

In dieser Frage war sich der Landtag heute geschlossen einig: : Beim Ausbau und der Instandhaltung des Nord-Ostsee-Kanals darf nicht gespart werden. Zwei ähnlich lautende Anträge von CDU und Grünen sowie von der SPD betonen die „herausragende wirtschaftlichen Bedeutung“ des Kanals und den Erhalt der „Arbeitsplätze in der maritimen Wirtschaft“. In dem Papier der Koalition wird beklagt, dass Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) im nächsten Jahr die Mittel für Baumaßnahmen um circa ein Drittel von heute 909 auf 594 Millionen Euro kürzen wolle.

Auch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen fordert ein Festhalten des Bundes an den Ausbauplänen für den Nord-Ostsee-Kanal. Weitere Verzögerungen seien angesichts des volkswirtschaftlichen Nutzens der künstlichen Wasserstraße nicht hinnehmbar, warnte Maden und sagte weiter – Video starten…