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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Buchholz und Bunge: Der Tourismus hat das erste Halbjahr mit einem blauen Auge überstanden

TA.SH-Chefin Bettina Bunge und Minister Buchholz vor den Plakaten der neuen Nebensaison-Kampagne

Schwere Verluste, aber keine Katastrophe: Der Tourismus im Norden stemmt sich weitgehend erfolgreich gegen die Corona-Folgen. Es gibt sogar Gewinner, aber auch Betriebe vor dem Aus. Bleibt die Frage, ob ein zweiter Lockdown kommt. Der Minister hat dazu eine klare Meinung.

Die schlimmsten Erwartungen aus dem Frühjahr haben sich nicht bestätigt: Schleswig-Holsteins Tourismusbranche ist nach Einschätzung von Minister Bernd Buchholz und der Chefin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH), Bettina Bunge, bisher im Durchschnitt mit einem «blauen Auge» durch die Corona-Krise gekommen. Im März sei eine Katastrophe zu befürchten gewesen, sagte Buchholz heute in Kiel. «Die ist es nicht geworden.»

Trotz teilweise dramatischer Einbußen wie einem Übernachtungsminus von 95 Prozent im April stehe der Norden im Vergleich der Bundesländer ausgesprochen gut da, sagte Buchholz. Zwar sei die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr um 37,9 Prozent auf neun Millionen gesunken. Aber dies sei das geringste Minus aller Bundesländer. Im Juni betrug der Rückgang zum gleichen Vorjahresmonat noch 10,8 Prozent, bei fast 42 Prozent in Deutschland insgesamt.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz zum Verlauf des Halbjahres für den Tourismus im Norden (Audio starten)

Das Land hatte am 19. Mai das Einreiseverbot für Touristen wieder aufgehoben und schrittweise Restriktionen gelockert. Buchholz hob hervor, es habe keine größeren Corona-Ausbrüche an Touristenorten gegeben, nur vereinzelt Infektionen. «Wir hatten kein Sommer-Ischgl in Schleswig-Holstein.» Das Land habe bewiesen, dass man hier auch zu Pandemie-Zeiten sicher Urlaub machen kann.

Da die Zahlen für Juli und August voraussichtlich positiv ausfallen werden, rechne die Tourismus-Agentur für das gesamte Jahr mit einem moderaten Rückgang um fünf bis zehn Prozent zum Rekordjahr 2019 mit 36 Millionen Übernachtungen, sagte Geschäftsführerin Bunge. Das zweite Halbjahr trage normalerweise 60 Prozent zum Gesamtvolumen bei. Laut Buchholz kommen auch verstärkt Gäste ins Land, die sonst nicht so stark vertreten seien. Als Beispiele nannte er Paare ohne Kinder und Touristen aus Bayern. Vom Andrang auf die Küstenorte an Nord- und Ostsee habe auch das Binnenland profitiert.

Im Juni schaffte der Norden bei der absoluten Zahl der Übernachtungen sogar den Sprung auf Platz zwei nach Bayern, im ersten Halbjahr insgesamt belegte das Land Rang fünf. Auch Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen lagen noch davor.

Während Ferienhäuser und Ferienwohnungen (plus 15,2 Prozent) sowie Campingplätze (plus 14,2 Prozent) im Juni sogar einen Anstieg der Gästeübernachtungen im Vorjahresvergleich verzeichneten, gab es für die übrigen Betriebsarten zum Teil deutliche Rückgänge. So sank das Übernachtungsaufkommen von Erholungs- und Ferienheimen sowie von Jugendherbergen jeweils um fast 80 Prozent. Auch der Städtetourismus büßte kräftig ein.

TA.SH-Chefin Bettina Bunge zog bei der heutigen Pressekonferenz das folgende Fazit des ersten Halbjahres (Audio starten)

Einigen Betrieben gehe es super, sagte Buchholz. «Campingplatzbetreiber kriegen das Glänzen gar nicht aus den Augen.» Andere wie Landgasthöfe, die von Familienfeiern und anderen Veranstaltungen abhängig sind, seien in der Existenz bedroht. Nicht alle würden überleben. Am schnellsten hat sich in der Corona-Krise die Ostseeregion mit der Lübecker Bucht und Fehmarn erholt. Dies lag laut Tourismus-Agentur auch an vielen Gästen aus dem nahen Hamburg. Weiter zurückgegangen ist in der Krise der Ausländeranteil an den Touristenübernachtungen, und zwar von sieben auf vier Prozent.

Da es mit Fernreisen erst viel später wieder vorangehen werde als mit dem Inlandstourismus, gebe es für Schleswig-Holstein auch deshalb wachsende Chancen, sagte Buchholz. Mit einem zweiten landesweiten Lockdown mit Reisebeschränkungen wie im März und April rechne er für den Herbst nicht. Das Land steuere erfolgreich regional gegen aufkommende Infektionen. Achtsam zu bleiben und vorsichtig mit Lockerungen umzugehen, sei der richtige Kurs.

Hier das gesamte Pressegespräch als Livestream-Mitschnitt

Rechtzeitig vor Beginn der Nebensaison startete die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) heute zugleich ihre neue Werbekampagne echt nordiSH.

 „Die neue touristische Kampagne echt nordiSH wird unseren echten Norden in der Wahrnehmung nach außen weiter stärken. Sie zahlt mit ihrem Slogan, ihrer Bildsprache und ihren Motiven auf das positive Image unserer Dachmarke ein“, sagte Buchholz Mit dem Slogan echt nordiSH wolle man das Reiseland Schleswig-Holstein als authentische, bodenständige, nachhaltige und sympathische Urlaubsdestination vermarkten.

TA.SH-Marketingleiterin Claudia Mank: „Unsere neue Werbekampagne soll mit einem Augenzwinkern gute Laune und neugierig auf Schleswig-Holstein in der Nebensaison machen. Hierbei stehen vor allem die Landschaft sowie das Lebens- und Erlebnisgefühl in einer prägnanten Bildsprache im Vordergrund, die Schleswig-Holstein auszeichnen.“

Wenig steht laut Mank so sehr für Schleswig-Holstein wie der Wind. Er sei allgegenwärtig und präge das Leben an den Küsten, aber auch im Binnenland. Der Wind stehe bei allen fünf Leitmotiven der Kampagne, die sowohl Nord- und Ostsee, als auch das Binnenland und die Städte sowie Schleswig-Holstein als Tagungsort abbilden, im Mittelpunkt. Der Wind begleitet Natururlauber, Entschleuniger, Neugierige, Städte- und Geschäftsreisende durch die Nebensaison im echten Norden. Die Kampagne richtet sich an Übernachtungsgäste vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachen und Hessen sowie an Tagungsplaner, die eine Veranstaltung im echten Norden organisieren wollen.

So will Schleswig-Holstein wieder unter die Top-Ten der Radfahr-Paradiese in Deutschland

Buchholz (Mitte) mit Thomas Möller vom ADFC (links) sowie AOK-Landesdirektor Thomas Haeger im Frühjahr bei der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“

Schleswig-Holstein sattelt auf: Unter dem Motto „Ab aufs Rad im echten Norden“ hat die Landesregierung eine mit Politik und Verbänden erarbeitete Radstrategie Schleswig-Holstein 2030 verabschiedet. Nachdem der Anteil des Radverkehrs im echten Norden seit 2008 leicht gesunken ist und Schleswig-Holstein im Ranking der Flächenländer den ersten gegen den dritten Platz tauschen musste, legt das Land mit der Strategie nun einen Gang zu: Innerhalb der kommenden zehn Jahre soll der Radverkehrsanteil von derzeit 13 auf 30 Prozent erhöht, die Unfallzahlen um 50 Prozent verringert werden und mehr als 40 Prozent aller Gäste sagen: „Die Radfahrmöglichkeiten waren für mich ein triftiger Grund, im echten Norden Urlaub zu machen.“

Wie Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz heute zusammen mit Thomas Möller vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) erläuterte, stellt das Land für diese Ziele in dieser Legislaturperiode zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen für den Radwegeausbau und erste Schritte der Radstrategie genutzt werden.

In Schleswig-Holstein verlaufen aktuell 5.200 Kilometer Radwege an so genannten klassifizierten Straßen. Landesweit sind 77 Prozent aller Bundesstraßen, 64 Prozent der Landesstraßen und rund 41 Prozent aller Kreisstraßen mit Radwegen ausgestattet. Hinzu kommen Radwege an Gemeindestraßen. Zudem sind insgesamt 13 touristische Radfernwege mit 3.000 Kilometern Länge in Schleswig-Holstein ausgewiesen. „Dieses Netz wird von vielen attraktiven Themenrouten ergänzt“, sagte Buchholz.

Fachleute aus Verbänden, Verwaltung und Politik haben in den letzten Monaten die Radverkehrs-Defizite im Land ermittelt und ein Maßnahmen-Paket geschnürt (siehe Anlage) Erreicht werden sollen vor allem drei Ziele:

  1. Erhöhung des Modal-Split-Anteils des Radverkehrs – insbesondere die Steigerung des Umstieg-Potenzials aufs Fahrrad für kurze Wege
  2. Senkung der Unfallzahlen („Vision Zero“)
  3. Schleswig-Holstein unter die Top-3-Länder im Radtourismus bringen

Buchholz: „Konkret heißt das, dass wir bis zum Jahr 2022 den Radverkehrsanteil auf mindestens 15 Prozent erhöhen wollen, bis 2025 auf 22 Prozent und bis 2030 auf 30 Prozent.“ Zudem bestünde das Ziel, die Anzahl der Unfälle, in die Radfahrer verwickelt sind – 2019 waren das fast 4.600 – innerhalb der nächsten zehn Jahre zu halbieren.

Im Gespräch mit Carsten Kock (RSH) sagte Buchholz am Rande der Pressekonferenz zur Radstrategie (Audio starten)

Thomas Möller, Landesvorsitzender des ADFC Schleswig-Holstein, begrüßte die Verabschiedung der Strategie: „Wir freuen uns, dass die Strategie in den letzten Jahren in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden und entscheidenden Akteuren entwickelt und viele unserer Forderungen übernommen wurden. Im Prozess wurden die Stärken Schleswig-Holsteins aber auch die zahlreichen Herausforderungen aufgezeigt. Nun ist es an der Zeit, den guten Plan schnell in die Tat umzusetzen“, sagte Möller. „Mit der Radstrategie hat Schleswig-Holstein eine Richtungsentscheidung getroffen. Die Umsetzung – die hoffentlich rasch geschieht – werden wir eng begleiten.“

Mit Blick auf die ADFC-Radreiseanalysen erinnerte Buchholz daran, dass Schleswig-Holstein bei den beliebtesten Radreiseregionen erstmals 2016 genannt wurde und 2018 immerhin auf Platz 5 landete. „Es ist also keineswegs so, dass wir nichts vorzuweisen haben. Fakt ist aber auch, dass wir seit letztem Jahr nicht mehr unter den Top Ten sind.“ Um wieder an die Spitze zu kommen, habe sich die Landesregierung darauf verständigt, das Landesweite Radverkehrsnetz systematisch weiterzuentwickeln, das sowohl die Infrastruktur für den Alltagsverkehr als auch für die touristischen Radverkehre umfasse.

Zu den beschlossenen Projekten des 10-Millionen-Programms in dieser Legislaturperiode zählen laut Buchholz unter anderem der Ausbau des Radwegs an der Landesstraße L 57 zwischen Schönwalde und Lensahn (Kreis Ostholstein), an der L 231 zwischen Grube und Rüting bei Scharbeutz sowie weitere Lückenschlüsse bei Radwegen an Landesstraßen.

Als ein weiteres sichtbares Zeichen der Neuausrichtung werde das Land ein spezielles Infrastruktur-Programm auflegen, bei dem in den kommenden zwei Jahren unter anderem 10.000 Fahrradbügel an öffentlichen Einrichtungen oder Bushaltestellen sowie 100 Selbst-Servicestationen an hochfrequentierten Radstrecken errichtet werden sollen. Zudem soll an einem prädestinierten Bahnhof beispielhaft eine Mobilitätsstation mit Sharing-Angeboten entstehen.

Hier das gesamte Pressegespräch als Livestream-Aufzeichnung

Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung der Radstrategie wird unter anderem die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Schleswig-Holstein (RAD.SH) sein, der schon 45 Kreise, kreisfreie Städte und Kommunen angehören und die vom Land gefördert wird. „Wir bündeln als starkes Netzwerk Fachwissen und Informationen rund um den Radverkehr und unterstützen Kommunen bei ihrem Engagement für den Radverkehr“, sagte RAD.SH-Geschäftsführer Dr. Thorben Prenzel.

Flensburger Schiffbaugesellschaft startet nach Insolvenz mit neuen Eigentümern neu durch

Buchholz vor wenigen Wochen mit Tennor-Chef und Investor Lars Windhorst (2.v.l.) sowie weiteren Mitgliedern von Geschäftsleitung und Betriebsrat der Werft

Die neue Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) ist heute unter der Regie der Tennor Holding an den Start gegangen. «Ab heute sind die zur Tennor gehörenden Gesellschaften Eigentümer der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft», sagte Sachwalter Christoph Morgen in Flensburg. Damit seien die Aufgaben von ihm und dem Generalbevollmächtigten Stefan Denkhaus abgeschlossen. Die FSG werde mit den neuen Gesellschaftern weiterhin als FSG am Markt auftreten. Die Altgesellschaften, die sich weiterhin im Insolvenzverfahren befinden, werden demnach unbenannt und letztendlich liquidiert, wenn die Gläubiger ihr Geld erhalten haben.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz zeigte sich erleichtert: «Zwar liegt ein nach wie vor steiniger Weg vor dem deutlich geschrumpften Unternehmen, aber ich bin froh, dass mit Unterstützung des Landes eine harte Bodenlandung immerhin verhindert werden konnte.» Die Landesregierung werde den Weg des Unternehmens und auch der Transfergesellschaft weiterhin eng begleiten.

Etwas überschattet wird der Neustart von der Nachricht, dass die halbfertige Fähre „Honfleur“ nicht mehr auf der FSG zuende gebaut wird. Der ursprüngliche Auftraggeber Brittany Ferries war aufgrund der Verzögerungen beim Bau abgesprungen, der neue Schiffeigentümer Siem hat nun entschieden, das Schiff nicht in Flensburg fertig zu bauen. «Das ist eine bittere Entscheidung für die Werft», sagt Buchholz.

Die seit Jahren angeschlagene Werft war bereits 2019 von der Tennor Holding des Investors Lars Windhorst zum ersten Mal übernommen worden. Durch den erneuten Erwerb konnte die Werft ohne die bisherigen Schulden neu starten. Für die alte FSG wurde am 1. August das Insolvenzverfahren am Flensburger Amtsgericht eröffnet. Rund 350 der bisher 650 Beschäftigen behalten ihren Arbeitsplatz. Allerdings muss ein Großteil bis zum Start eines Bauprogrammes in Kurzarbeit gehen, wie der von Tennor entsandte neue Geschäftsführer Stefan Kindler sagte. Einen Starttermin für das Bauprogramm nannte Kindler nicht. Es werde derzeit erarbeitet. 

Etwa 300 Beschäftige haben die Werft verlassen und sind Anfang August in eine Transfergesellschaft gewechselt. Diese endet am 31. Januar 2021.

Immerhin: Arbeitslosigkeit im echten Norden niedriger als noch im Juli

Erstmals seit dem wirtschaftlichen Lockdown infolge der Corona-Krise ist die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein wieder zurückgegangen. Nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der Arbeitslosen im Land gegenüber Juli um 1,2 Prozent (-1.226) auf gegenwärtig 97.552. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,2 Prozent. „Auch wenn es eine sichtbare Entspannung gibt – von einer Entwarnung sind wir noch weit entfernt“, sagte Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz heute in Kiel. So seien gegenüber dem Vorjahresmonat immer noch knapp 18.300 (23 Prozent) mehr Menschen arbeitslos, zudem bewege sich die Personalnachfrage auf niedrigem Niveau.

„Unsere Unternehmen fahren weiterhin auf Sicht, viele Beschäftigte bleiben in Kurzarbeit oder im Homeoffice“, sagte Buchholz. Diese Vorsicht sei angesichts des Infektionsgeschehens richtig und notwendig. „Die Verständigung der Koalitionsspitzen in Berlin auf eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021 kann ich nachvollziehen, wir müssen aber aufpassen, dass wir den Transformationsprozess des Arbeitsmarktes nicht künstlich bremsen.“

Die teils reduzierten Arbeitszeiten der Unternehmen sollten dringend für die Qualifizierung der Beschäftigten genutzt werden, um beim technologischen und organisatorischen Wandel mithalten zu können, appellierte Buchholz an die Unternehmen. Das Land biete viele Hilfestellungen an, unter anderem gewähre es über den Weiterbildungsbonus Schleswig-Holstein Zuschüsse zu Seminarkosten für Beschäftigte und Selbstständige. Mit Blick auf den Ausbildungsmarkt und die bevorstehende „Digitale Woche“ in Kiel vom 5. bis 13. September appellierte Buchholz zugleich an junge Leute: „Neben einem Studium bietet auch eine betriebliche Ausbildung oder eine Kombination aus beidem beste Karrierechancen, insbesondere im sogenannten MINT-Bereich, in dem viele Ausbildungsplätze im Land unbesetzt sind.“ Die Corona-Krise dürfe nicht dazu führen, dass junge Menschen vor einer betrieblichen Ausbildung zurückschrecken, weil sie schlechtere Karrierechancen befürchten.

Land schließt eine Lücke: Jetzt auch Corona-Sonderdarlehen für gemeinnützige Einrichtungen

Finanzministerin Monika Heinold mit Minister Buchholz beim Pressegespräch

Auch gemeinnützige Einrichtungen in Schleswig-Holstein können ab sofort Corona-Hilfen erhalten: Wie Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz und Finanzministerin Monika Heinold heute zusammen mit dem Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein, Hans-Peter Petersen, erläuterten, steht dafür ab sofort ein Sonderdarlehens-Programm mit einem Volumen von 30 Millionen Euro zur Verfügung. „Gemeinnützige Einrichtungen sind wichtige Träger des gesellschaftlichen Zusammenhalts und haben für das Gemeinwesen eine herausragende Bedeutung. Viele der bundesweit über 600.000 Organisationen sind von der Corona-Krise betroffen und benötigen finanzielle Mittel, die sie von Banken aufgrund ihrer Rechtsform und der darin verankerten fehlenden Gewinnerzielungsabsicht nicht erhalten“, sagte Buchholz.

Finanzministerin Monika Heinold erklärte: „Mit dem Jamaika-Konjunkturprogramm ergänzen wir das Bundesprogramm für unser Land. Uns war wichtig, dass davon auch gemeinnützige Organisationen profitieren, denn sie sind für unsere Gesellschaft unabdingbar. Das machen wir mit dem dritten Nachtragshaushalt nun möglich: Gemeinsam mit dem Bund übernehmen wir das Haftungsrisiko bei Kreditanträgen und wollen damit gemeinnützige Organisationen stabilisieren, damit sie gut durch die Corona-Krise kommen.“

Heinold sagte im Gespräch mit Journalisten weiter (Audio starten)

Wie Buchholz und Petersen erläuterten, ermögliche das neue Programm gemeinnützigen Einrichtungen Darlehen, deren Risiko zu 80 Prozent von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und zu 20 Prozent vom Land übernommen würden. Jede Einrichtung könne bis zu 800.000 Euro beantragen, sofern dies einem Anteil von 25 Prozent des Gesamtumsatzes entspreche. Die Darlehen werden unbesichert vergeben und haben eine Laufzeit von zehn Jahren, zwei davon sind tilgungsfrei. Der Zinssatz beträgt 1,25 Prozent pro Jahr. Buchholz: „Damit können jetzt beispielsweise auch Inklusionsbetriebe, Weiterbildungseinrichtungen, Museen oder Privattheater finanzielle Unterstützung erhalten.“

Bürgschaftsbank-Chef Petersen machte deutlich, dass sich Antragstellende an ihre Hausbank wenden müssten. „Wir arbeiten dann eng mit den Banken zusammen und freuen uns, dass wir das Land bei diesem wichtigen und notwendigen Programm unterstützen können“, so Petersen.

Der Wirtschaftsminister erinnerte daran, dass zu Beginn der Corona-Krise Beteiligungsprogramme zur Unterstützung von Unternehmen oder Start-ups nicht im Fokus gestanden hätten. Dies habe sich nun geändert: „Denn es hat sich gezeigt, dass genau diese Instrumente geeignet sind, die sich zunehmend verschlechternde Eigenkapitalausstattung zu verbessern und damit auch die fehlende Liquidität im Unternehmen sicherzustellen“, sagte Buchholz. Darum hatte die Landesregierung bereits im Juni gemeinsam mit ihrer Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) das „Sonder-Beteiligungsprogramm Schleswig-Holstein“ mit einem Volumen von 15 Millionen Euro auf die Beine gestellt. Hier trage die KfW zu 70 Prozent, das Land zu 20 Prozent und die MBG zu zehn Prozent das Risiko.

Daneben wurde mit weiteren 15 Millionen Euro Landesgeld ein Programm für besonders hart getroffene Betriebe im Rahmen des „MBG Härtefallfonds Mittelstand“ aufgelegt. Unternehmen, die laut Buchholz nicht oder nicht ausreichend von der Überbrückungshilfe des Bundes profitieren könnten, aber dennoch durch Corona unverschuldet in Not geraten seien und über ein intaktes Geschäftsmodell verfügten, würden mit stillem Beteiligungskapital bis 750.000 Euro unterstützt. Voraussetzung sei ein zu erwartender Umsatzeinbruch um mehr als 50 Prozent in den Monaten Juli bis Dezember 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Insbesondere das Sonder-Beteiligungsprogramm werde nach den Worten von MBG-Geschäftsführer Holger Zervas rege nachgefragt. „Die Eigenkapitalausstattung vieler Unternehmen in Schleswig-Holstein hat sich durch die Corona-Krise in den letzten Monaten deutlich verschlechtert. Mit den beiden neuen Programmen können wir ergänzend zu unserem bisherigen Angebot situationsbedingt für eine deutliche Verbesserung sorgen und so drohende Überschuldungen vermeiden.“ Noch sei das Beteiligungsvolumen nicht ausgeschöpft, Anträge können noch bis Ende des Jahres gestellt werden.

Hier ein Live-Stream-Mittschnitt des gesamten Pressegesprächs

„Die Landesregierung arbeitet mit Hochdruck und Hand in Hand dafür, dass unsere Wirtschaft eine gute Chance hat, durch die Krise zu kommen“, so Finanzministerin Monika Heinold.        

Der Sommer schleicht davon – Strikte Hygiene-Konzepte müssen bleiben, sagt Minister Buchholz

Straßencafe in Lübeck: Die Saison der Außen-Gastronomie neigt sich dem Ende zu – Buchholz mahnt Einhaltung der Hygiene-Konzepte für die Innenräume an

Angesichts vermehrter Beschwerden von Kunden der Gastronomie-Branche im Land, wonach in Restaurants oder Kneipen die Hygiene-Konzepte zum Schutz gegen Corona-Infektionen nur noch halbherzig angewendet werden, mahnt Tourismusminister Bernd Buchholz zu mehr Achtsamkeit.

Die Branche habe den Besucheransturm während der Sommerferien sehr gut bewältigt, nun komme es darauf an, das Vertrauen der Gäste nicht leichtfertig zu verspielen, sagte Buchholz heute und erklärte weiter – Audio starten

«Gerade jetzt, wenn die Gäste immer seltener die Terrassen oder Gärten der Lokale benutzen können, kommt es darauf an, Kunden die Wahrung von Abständen zu ermöglichen», so der Minister.

Buchholz: Neben dem Tourismus liegt im Wasserstoff Helgolands Riesenchance

Die Offshore-Windkraft gewinnt weltweit an Bedeutung, während in Deutschland bislang vergleichsweise Flaute herrschte. Das soll sich jetzt ändern. Die Bundesregierung hat mit dem Ausbauziel auf 40 Gigawatt bis 2040 erstmals eine echte Wegmarke für Offshore-Wind gesetzt.

Und die Nationale Wasserstoffstrategie sieht vor, im selben Zeitraum Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt aufzubauen. Hier kann Helgoland eine Schlüsselrolle zukommen. Für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz die „Meldung der Woche“. Video starten

Lieferkettengesetz beschäftigt Bund und Land: Buchholz und Altmaier skeptisch

Skeptiker des Lieferkettengesetzes: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Landeswirtschaftsminister Buchholz

Das geplante Gesetz zur Einhaltung von Menschenrechten in globalen Lieferketten beschäftigte heute gleichermaßen die Bundesregierung und den Kieler Landtag. Es soll nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trotz Kritik auf den Weg gebracht werden. «Das Vorhaben hat meine Unterstützung», sagte Merkel in Berlin. Wert gelegt werden solle auf die Einhaltung der Menschenrechte, aber auch darauf, dass die Dinge machbar seien – insbesondere für mittelständische Unternehmen, die nicht unbedingt jeden Schritt der Produktion lückenlos nachvollziehen könnten. Merkel erwartet nach eigenen Worten eine «schwierige Abwägung».

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz sieht in einem Lieferkettengesetz hingegeben „nicht den richtigen Weg“. Hier die heutige Landtagsrede des Ministers

Man könne keinen nationalen Aktionsplan für Menschenrechte aufstellen, dessen Verantwortung bei den Unternehmen liege. Gerade kleine und mittelständige Firmen dazu zu verpflichten, sei geradezu unmöglich, sagte Buchholz. Ein Lieferkettengesetz, so wie es derzeit in Berlin diskutiert werde, gleiche «modernem Ablasshandel auf dem Rücken der Menschenrechte». Die Unternehmen würden sich Zertifikate besorgen, wohlwissend, dass die Realität anders aussieht.

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gilt als Skeptiker. Er befürchtet Belastungen für deutsche Firmen im internationalen Wettbewerb, ebenso wie Handel und Industrie. Die jüngste Befragung von deutschen Firmen hat ergeben, dass nur 22 Prozent die Standards einhalten. Im Sommer 2021 soll laut Buchholz zu dem Thema ein Gesetzentwurf auf europäischer Ebene eingebracht werden.

Liegt Helgolands Zukunft ein Stück weit im Wasserstoff? Wirtschaftsforum beendet

Staatssekretär Rohlfs (rechts) mit Helgolands Bürgermeister Singer auf der Fahrt zum Offshore-Projekt Aqua Ventus

Hat die Hochseeinsel Helgoland das Potenzial zum Wasserstoff-Umschlagplatz? Diese Frage griff beim heute zu Ende gegangenen „Wirtschaftsforum Offshore“ auf der Insel Schleswig-Holsteins Wirtschafts-Staatssekretär Thilo Rohlfs auf. «Eine Wasserstoffproduktion direkt an den Offshore-Windkraftanlagen vor der Insel passt nicht nur ins energiepolitische Konzept des Landes, sondern dürfte auch für die Insel selbst ein sinnvolles Standbein neben dem Tourismus sein», so Rohlfs. Die Herstellung von Wasserstoff aus Wasser sei extrem energieaufwendig – doch genau diese Energie könne der Wind auf hoher See liefern. «Und der Wasserstoff kann zugleich an seinem Entstehungsort gelagert oder per Schiff oder Pipeline abtransportiert werden.“

Wie Rohlfs sagte, gebe es rund um Helgoland mehrere große Offshore-Windparks. Wären sie über eine Pipeline mit Helgoland verbunden, könnte der umweltfreundliche Wasserstoff auf Tanker gepumpt und auf dem Seeweg abtransportiert werden. Ein rechtlich schwieriger und langwieriger Pipeline-Bau durchs Wattenmeer entfiele.

Sowohl Rohlfs als auch Helgolands Bürgermeister Jörg Singer sind optimistisch, dass es in wenigen Jahren eine erste Pilotanlage geben könnte. Man sei mit Energie-Konsortien in ersten Gesprächen. Und natürlich sei ein solches Projekt auch grundsätzlich förderfähig, sagte Rohlfs.

Der Aufbau von Anlagen, die Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spalten, sei aufwendig und kostenintensiv. Es würden also hohe Anfangskosten anfallen, die jedoch sinken, je weiter der Produktionsstandort vom Festland entfernt ist. Rohlfs: «Denn auf hoher See weht nahezu dauerhaft Wind.» Denkbar wäre auch eine Stromgewinnung durch Wellenenergie oder Gezeitenkraftwerke, die die Wasserströmungen bei Ebbe und Flut nutzen. Alte Öl- und Gasplattformen können als Standorte für die Wasserstoffproduktion genutzt werden.

Aufatmen in Timmendorfer Strand: Ab ca. 15 Uhr ist die neue B-76-Brücke offen

Zusammen mit Melanie Puschaddel-Freitag, der stellvertretenden Bürgermeisterin von Timmendorfer Strand, gaben LBV.SH-Chef Torsten Conradt und Verkehrsminister Buchholz die um 20 Zentimeter „gewachsene“ Brücke für den Verkehr frei

Anwohner, Gäste und Pendler in der Lübecker Bucht können aufatmen: Die zentrale Brücke im Zuge der B 76 über die Landesstraße L 181 in Timmendorfer Strand ist ab heute Nachmittag wieder passierbar. Nach zehnmonatiger Bauzeit inklusive einer coronabedingten kleinen Verzögerung ist die neue Brücke – und sogar 20 Zentimeter höher als ihre Vorgängerin. Einziger Wermutstropfen: Bis die L 181 wieder passierbar ist, werden sich die Anwohner noch in Geduld üben müssen. Die Freigabe ist für den 11. September vorgesehen.

Verkehrsminister Bernd Buchholz sagte heute früh bei der symbolischen Freigabe (Audio starten)

LBV.SH-Chef Torsten Conradt erinnerte daran, dass sein Haus und die Baufirmen auch bei diesem Vorhaben bestens kooperiert hätten: „Dies unterstreicht noch einmal die hohe Leistungsfähigkeit unserer Straßenbaubranche im echten Norden – trotz Corona-Pandemie“, so der Behördenleiter. Conradt dankte dafür seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den beteiligten Baufirmen und freute sich gleichzeitig darüber, dass die Gesamtkosten – trotz der coronabedingten Verzögerung – im vorgesehenen Rahmen von knapp zwei Millionen Euro geblieben seien.

Hintergrund: Die alte Dreifeld-Stahlbetonbrücke war in die Jahre gekommen und konnte nach rund sechzigjähriger Nutzung den heutigen Verkehrsmengen nicht mehr gerecht werden. Die neue Brücke wurde seit November 2019 in Stahlverbundbauweise errichtet. Das Gute: Der Ersatzneubau bot darüber hinaus die Möglichkeit, die lichte Höhe unter der Brücke auf das erforderliche Maß von 4,70 Meter anzuheben.

Auf der L 181 bleibt die Vollsperrung noch bis zum Abschluss der letzten Ausbauarbeiten – unter anderem wegen der Radwegerneuerung – für weitere zwei Wochen bestehen.