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Der Frost geht – die Sanierungswelle kommt: Land investiert im Südwesten fast 20 Millionen Euro

Madsen mit LBV.SH-Chef Conradt (oben) und den beiden Straßenbauexperten Britta Lüth und Christoph Köster

Die diesjährige To-do-Liste des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) für den südwestlichen Landesteil steht: „Wir haben für Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg Ausschreibungen zur Sanierung von 34 Kilometern Straßen, 28,4 Kilometern Radwegen und zur Reparatur einer Brücke auf den Weg gebracht“, sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Heide (Kreis Dithmarschen). Das Gesamtpaket betreffe neun Landes-, Bundes- und Kreisstraßen sowie neun Radwege und eine Brücke und belaufe sich auf eine Investitionssumme von 19,3 Millionen Euro. „Damit setzen wir konsequent unseren Kurs fort, den über Jahrzehnte aufgetürmten Sanierungsstau im Landesstraßennetz aufzulösen und für intakte Verbindungen zu sorgen“, so Madsen.

Zusammen mit LBV.SH-Chef Torsten Conradt und den leitenden Ingenieuren Christoph Köster und Britta Lüth stellte Madsen die Sanierungs- und Ausbauprojekte aus den drei Kreisen vor. Zu den umfangreichsten Vorhaben im Kreis Dithmarschen zählt die Sanierung verschiedener Landesstraßen-Abschnitte rund um Hennstedt im Zuge der L 149 zwischen Schlichting und Glüsing sowie der L 239 zwischen Süderheistedt und Hennstedt.

Im Kreis Pinneberg wird im Anschluss an die laufenden Arbeiten zur Anbindung des LNG-Terminals Brunsbüttel an das Gasnetz voraussichtlich ab September unter anderem die Landesstraße L 109 auf 3,3 Kilometern Länge saniert und im Kreis Steinburg die B 431 Glückstadt.

Nach den Worten von Madsen seien nicht nur Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft im Land auf intakte Verkehrswege angewiesen, sondern auch alle Gäste Schleswig-Holsteins. „Wenn wir – wie aktuell bei der geplanten Ansiedlung eines schwedischen Batterieherstellers – als Wirtschaftsstandort, aber auch als Tourismus-Destination weiter punkten wollen, dann brauchen wir gute Anbindungen. Dazu zählt vor allem auch der Weiterbau der A 20, an dem der Bund mit Hochdruck arbeitet“, so der Minister.

Die Menschen, die bis zum Herbst von den neuen Baustellen in allen drei Kreisen betroffen sind, baten Madsen und Conradt um Geduld und Fairplay: „Die Beschäftigten der Baufirmen, aber auch unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten bei Wind und Wetter, damit wir alle auch in Zukunft schneller und sicherer an unsere Ziele kommen. Bitte nehmen Sie also größte Rücksicht“, so Madsen.

Mit Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel im Straßenbau sagte LBV.SH-Direktor Conradt: „Ich hoffe, dass wir das zur Verfügung stehende Geld weiterhin auf die Straße bekommen.“ Zugleich warb der LBV.SH-Chef: „Unser Landesbetrieb mit seinen Niederlassungen zwischen Flensburg, Itzehoe und Lübeck hat viel zu bieten und wir suchen für unsere Aufgaben ständig Ingenieurinnen, Ingenieure, Technikerinnen und Techniker sowie Verwaltungsfachleute oder Quer- und Wiedereinsteiger.“ Beim LBV.SH seien zudem verschiedene Ausbildungen oder ein Duales Studium möglich.

Die einzelnen Baumaßnahmen/Projekte finden sich in dieser Übersichtskarte:

www.schleswig-holstein.de/lbvsh-bauprogramm

Moritz Schularick folgt zum 1. Juni auf Gabriel Felbermayr an der Spitze des IfW

Vom Rhein an die Förde in unmittelbare Nachbarschaft zum Wirtschaftsministerium: Der Bonner Ökonom Moritz Schularick wird neuer Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Moritz Schularick

Der renommierte Wissenschaftler forsche nicht nur international auf höchstem Niveau, sondern sei auch bereit zur politischen Debatte, sagte heute Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien. Auch Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen hieß den Top-Ökonomen willkommen. Bereits in der Pandemie habe Schularick sich bundesweit Gehör verschafft und zähle zu einer Gruppe von Ökonomen, die im Frühjahr die möglichen Folgen eines deutschen Gasembargos gegen Russland berechneten und diese insgesamt für verkraftbar hielten. «Ich würde mich über einen gelegentlichen Austausch zwischen Professor Schularick und unseren Fachleuten sehr freuen», sagte Madsen. Seinen Posten in Kiel soll der 47-Jährige zum 1. Juni übernehmen.

Derzeit ist Schularick Direktor des Macrofinance Labs und Professor für Makroökonomie an der Universität Bonn. Die Kieler Christian-Albrechts-Universität gewinne einen vielfach ausgezeichneten, international anerkannten und sehr gut vernetzten Ökonomen, sagte Uni-Präsidentin Simone Fulda. «Moritz Schularick hat wegweisende Arbeiten zu den Ursachen und Konsequenzen von internationalen Finanzkrisen verfasst, sich aber auch mit ökonomischer Ungleichheit und Populismus sowie Fragen der monetären Makroökonomie und den amerikanisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen beschäftigt.»

Schularick sagte: «Das IfW hat mit seiner Geschichte und Fokussierung auf weltwirtschaftliche Fragen eine Ausnahmestellung in der deutschen Wissenschaftslandschaft.»

Derzeit liegt die wissenschaftliche Leitung des IfW in den Händen der Ökonomen Holger Görg und Stefan Kooths. Ende September 2021 hatte der bisherige Chef Gabriel Felbermayr Kiel verlassen, um Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung zu werden. Das IfW gehört seit 100 Jahren zu den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten. Zu den früheren Präsidenten zählten Herbert Giersch (1969 bis 1989) und Horst Siebert (1989 bis 2003), die den Rat der sogenannten «Wirtschaftsweisen» über viele Jahre prägten.

SH-Tourismus: Mit ehrlichem Marketing und zufriedenen Gästen weiter in den Steigflug

Nach dem Rekordjahr 2022 mit 37,5 Millionen Übernachtungen setzt Schleswig-Holstein auf hochwertigen und nachhaltigen Tourismus. «Wir wollen, dass die Menschen das ganze Jahr über nach Schleswig-Holstein kommen», sagte Tourismusminister Claus Ruhe Madsen heute bei der Jahrespressekonferenz der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH).

Es gehe um eine höhere Zufriedenheit sowohl der Gäste als auch der im Norden lebenden Menschen. «Es kommt nicht darauf an, auf welchem Platz man unter den Bundesländern steht.»

Vergangenes Jahr buchten Gäste nur in den deutlich größeren Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mehr Übernachtungen. Schleswig-Holstein will auf ehrliches Tourismus-Marketing setzen. «Die Leute sollen nicht glauben, dass hier 365 Tage Sonnenschein und kein Wind sind», sagte Madsen. Notwendig seien ganzjährige Angebote, der Betrieb müsse auch bei Regen weitergehen.

«Wir müssen den Schwung aus dem guten Ergebnis mitnehmen und weiter am nachhaltigen, verantwortungsbewussten Qualitätstourismus arbeiten», so Madsen. Das Land wolle die Branche dabei unterstützen, in attraktive Angebote über das gesamte Jahr zu investieren. «Es ist ein Marathon, kein Sprint, an dessen Ende ein qualitativ hochwertiger, ressourcenschonender und wirtschaftlich erfolgreicher Tourismus steht.»

Im Gespräch mit Carsten Kock von Radio Schleswig-Holstein sagte Madsen am Rande der Ptressekonferenz weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Tourismuschefin Bettina Bunge betonte, «alle Städte, Orte und Regionen haben aufgeholt, aber teilweise noch nicht das Niveau von 2019 erreicht». 2023 gebe es größere Herausforderungen als zuletzt. Deutschland bleibe beliebtestes Ziel der Deutschen, werde 2023 aber Marktanteile verlieren. «Fernreiseziele locken ebenso wie der sonnige Mittelmeerraum. Deutlich gestiegene Preise machen dem hiesigen Tourismus ebenfalls zu schaffen.» Umso mehr gewännen Gastfreundschaft und positive Begegnungen vor Ort an Bedeutung. Statt quantitativem Wachstum gehe es um mehr Qualität.

Nach dem weltweiten Einbruch wegen der Corona-Pandemie 2020 hat sich die Branche wieder erholt. 2022 buchten Gäste im Norden 37,5 Millionen Übernachtungen, 4,3 Prozent mehr als vor Corona 2019. Die Zahl der Ankünfte fiel mit 8,82 Millionen allerdings um 1,1 Prozent geringer aus als 2019.

«Wir sind das einzige Bundesland, das die Übernachtungszahlen gegenüber 2019 steigern konnte», sagte Bunge. Das liege auch daran, dass der Anteil ausländischer Gäste im Norden deutlich geringer sei als in anderen Regionen. Ausländische Gäste buchten 1,5 Millionen Übernachtungen und damit rund ein Viertel weniger als 2019.

Nord- und Ostsee seien weiter die Hauptziele, sagte Bunge. «Die Ostsee aber noch stärker als die Nordsee.» Mit rund 682 000 Übernachtungen konnte Kappeln sein Ergebnis von 2019 um 119 Prozent steigern. Grund dafür sei die dortige Modellregion zu Corona-Zeiten, sagte Madsen. «Die Menschen haben die Region für sich entdeckt und kommen nun wieder.» Auch Kiel legte im vergangenen Jahr zu.

Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern war Schleswig-Holstein bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer mit 4,3 Tagen Spitzenreiter vor Niedersachsen (3,2). Camping ist weiter sehr beliebt. Aber auch dort spielten Nachhaltigkeit und das Begleitangebot eine immer größere Rolle, sagte Madsen.

Hier die heutige Pressekonferenz als aufgezeichneter Livestream:

https://fb.watch/j0CeFxKXFQ/

Millionen-Auftrag für Sanierung der Holtenauer Brücken geht an ein Brunsbütteler Unternehmen

Madsen bei einer Besichtigung der Schäden an den Holtenauer Hochbrücken.

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) hat heute den Zuschlag zur Sanierung der Olympiabrücke an ein Stahlbauunternehmen aus Brunsbüttel erteilt. „Ich freue mich sehr, dass wir nun rasch in die Reparaturphase kommen. Denn wir setzen alles daran, das Nord- und Südufer des Nord-Ostsee-Kanals im Raum Kiel wieder ohne Einschränkungen so schnell wie möglich zu verbinden“, sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen. Ziel sei neben der Entlastung der Pendlerinnen und Pendler, die volle Befahrbarkeit beider Brücken zur Kieler Woche im Juni.

Madsen sagte dazu im Gespräch mit Radio Schleswig-Holstein – Audio starten, Pfeil klicken…

Nach den Worten von LBV.SH-Direktor Torsten Conradt hat die Baufirma bereits mit den Vorarbeiten begonnen. Aktuell werden ein Treppenturm und ein Fahrstuhl am nördlichen Kanalpfeiler aufgebaut. Diese dienen den Bauexperten zum Materialtransport ins Innere der Brücke. Parallel dazu läuft der Aufbau für ein Hängegerüst an der Olympiabrücke. Dieses wird im späteren Verlauf für die Reparaturarbeiten zur Verstärkung des geschädigten Bereiches durch Stahllamellen an der Brückenunterseite von außen benötigt.

Für die nun beginnenden Brückenarbeiten wird der Geh-und Radweg auf der Olympiabrücke gesperrt, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben. Dann ist die Olympiabrücke somit für alle Nutzerinnen und Nutzer vollgesperrt. Die vor Ort ausgeschilderte Umleitung für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen führt über die nebenliegende Prinz-Heinrich-Brücke.

Die Reparaturen werden nach jetzigem Planungstand bis zur Kieler Woche andauern und gut 3,4 Millionen Euro kosten. Alles unter der Prämisse der tatsächlichen Beziehbarkeit aller benötigen Baustoffe. Hintergrund ist, dass Baustähle und Beschichtungsstoffe weiter derzeit schwer zu beziehen sind. Madsen weiter: „Wir gehen aber optimistisch davon aus, dass diese rechtzeitig in Kiel ankommen. Und dann würde die Olympiabrücke auch rechtzeitig zur Kieler Woche fertig und der Verkehr könnte zumindest vierspurig über die Holtenauer Hochbrücken laufen.“ Die Gewichtsbeschränkung der Prinz-Heinrich-Brücke würde indes weiterbestehen bleiben müssen. Sofern alles gut verläuft, könnte der reguläre Verkehr frühestens im Herbst 2023 über beide Brücken fließen.

Customcells: Vom Startup zum „Platzhirschen“ der Batteriefertigung im Norden

Der Batteriehersteller Customcells will mit einem zweistelligen Millionenbetrag seine Fabrik für Prototypen in Itzehoe (Kreis Steinburg) ausbauen. «Mit der Erweiterung in Itzehoe und den Investitionen, die wir hier tätigen, geben wir auch ein Bekenntnis ab», sagt Customcells-Chef Dirk Abendroth am Nachmittag bei der Grundsteinlegung zur Erweiterung des Unternehmensstandortes in Itzehoe. Ursprung des Unternehmens war eine Ausgründung aus dem Itzehoer Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie im Jahr 2012.

Customcells will den Bereich für Forschung, Entwicklung und Produktion von Prototypen ausbauen. Im Zuge dessen soll die Zahl der Beschäftigten im Bürobereich von Customcells bis Oktober von 112 auf 160 steigen. Die Größe des Produktionsteams soll sich bis 2024 verdreifachen. Ein Unternehmenssprecher wollte auf Nachfrage aber keine genaue Zahl nennen.

Das Unternehmen hat seinen Fokus nach eigenen Angaben unter anderem auf die Elektrifizierung des Luftverkehrs gerichtet. Customcells ist unter anderem an der Entwicklung und Serienproduktion der Batteriezellen für einen 7-sitzigen Jet von Lilium beteiligt. Die Produktion des Batterieherstellers befindet sich in Tübingen.

Beim Land hat das Unternehmen Wirtschaftshilfe beantragt. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen zeigte sich zuversichtlich, dass eine Förderung möglich sei. «Wenn wir in wenigen Jahren zurückschauen und überlegen, wo die neuartige Technologie für die Mobilität in den Metropolen dieser Welt herkommt, dann wird man sagen «made in Schleswig-Holstein»», sagte er und dankte Customcells für die Bereitschaft, in Schleswig-Holstein in die neuesten Technologien zu investieren. «Sie machen hier Forschung und Entwicklung möglich, die man sonst nur aus dem Silicon Valley kennt.»

Wie Madsen weiter sagte, sei Schleswig-Holstein jahrelang vor allem ein Produzent von Windstrom. «Unternehmen wie Customcells zeigen jedoch, dass unser Bundesland inzwischen weit mehr zu bieten hat und als Region auf dem Weg ist, sich zu einem echten Schwergewicht im Clean-Tech-Sektor zu entwickeln», so der Minister. Anwendungsnahe Forschung & Entwicklung, wie sie durch die Erweiterung gestärkt werde, sei dafür von entscheidender Bedeutung.

Itzehoes Bürgermeister Ralf Hoppe sprach von starken Impulsen für die Energiewende durch Unternehmen wie Customcells.

Debatte um Industriepolitik im Landtag: Madsen warnt vor „blinden Subventionen“

Ein Welcome-Center für ausländische Fachkräfte, ein Realisierungsfahrplan zur Dekarbonisierung der vorhandenen Industriekraftwerke in Schleswig-Holstein und die Forcierung der ökologischen Transformation der maritimen Wirtschaft: Das sind einige Forderungen, die der Landtag an die Landesregierung gestellt hat. Die entsprechenden Anträge von CDU und Grünen fanden weitgehend auch die Unterstützung der Opposition.

Über Schleswig-Holsteins Chancen beim Umbau der Industrielandschaft in Zeiten hoher Energiepreise besteht weitgehender Konsens im Landtag. Deutliche Unterschiede unter den Fraktionen sind heute aber bei der Frage zu Tage getreten, wie ein ökologischer Umbau der Industrie gelingen und Ansiedlungen großer Unternehmen im Land ermöglicht werden können. «Konzerne kommen nicht, weil es hier eine schicke Agentur gibt, sondern nur dann, wenn es günstige Energie und genug Fläche gibt», sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen.

Hier die Landtagsrede von Madsen:

Eine solche Ansiedlungsagentur, die sich um Großprojekte wie die Pläne des schwedischen Northvolt-Konzerns für eine Batteriefabrik in Heide kümmert, schwebt dagegen der SPD vor. «Wir brauchen eine neue, dauerhafte Agentur mit spezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Großprojekte wie den Umbau von Brunsbüttel oder eben Ansiedlungsprojekte begleiten», sagte SPD-Fraktionschef Thomas Losse-Müller.

Madsen betonte, eine Ansiedlung von Northvolt liege nicht nur an der Frage, «ob die eine Straße rechtzeitig asphaltiert ist». Die Regierung habe die Potenziale der Westküste nicht erst durch die schwedischen Pläne entdeckt. Natürlich wolle Schleswig-Holstein von der grünen Transformation profitieren. Das Land könne sich aber nicht in einen Nahkampf mit China und den USA begeben. «Das wäre David gegen einen oder zwei Goliaths. Das geht nicht gut aus.» Blind Subventionen in das System zu pumpen sei schlicht nicht zielführend.

Mehr Sicherheit im Nahverkehr: Landesregierung und Verkehrsbetriebe stellen erste Weichen

Gastgeber des Forums Sicherheit: Innen-Staatssekretärin Magdalena Finke und ihr Amtskollege Tobias von der Heide aus dem Verkehrsministerium

Nach der tödlichen Messerattacke in einem Regionalzug in Brokstedt hat die Landesregierung heute erste Schritte für mehr Sicherheit auf den Weg gebracht. «Zukünftig dürfen auch Polizistinnen und Polizisten in Zivil den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) kostenfrei nutzen, wenn sie eine Dienstwaffe bei sich tragen», sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen im Landtag. «Das kann dafür sorgen, dass sich die Menschen im ÖPNV noch wohler fühlen.»

Madsen will auch über mehr Videoüberwachung beraten. «Schon jetzt sind viele Züge mit Videoüberwachung ausgestattet.» Es sei aber nicht möglich, in jedem Zug zu jeder Tag- und Nachtzeit Zugbegleiter oder Sicherheitspersonal mitfahren lassen zu können. Die Regierung wolle auch den Einsatz von Bodycams prüfen.

Foto: Frank Molter

Dazu Madsen in einem Interview mit NDR 2 aktuell – Audio starten, Pfeil klicken…

Der Landtag forderte die Regierung auf, eine Konferenz für mehr Sicherheit im Nahverkehr zu organisieren. SPD und FDP unterstützen die Pläne. Bereits zwei Stunden nach der Landtagsdebatte fand unter Leitung der Staatssekretäre Magdalena Finke (SH-Innenministerium) und Tobias von der Heide (SH-Verkehrsministerium) ein erstes Treffen mit Verkehrsunternehmen statt.

„Es geht uns gemeinsam darum, dass der ÖPNV insgesamt zu einem Ort werden kann, an dem sich alle sicher fühlen und wo sie sich gerne aufhalten“, sagte von der Heide nach dem Auftakt-Treffen. Laut von der Heide und seiner Kollegin Finke seien sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums einig, dass ein Bündel von Maßnahmen nötig sei, um den Nahverkehr so aufzustellen, dass sich die Menschen in Bahnen und Bussen sowie an Bahnhöfen und Stationen sicher fühlen.

Für den Bereich Sicherheit wurden die folgenden möglichen Schritte besprochen:

•           zusätzliche Ausstattung von Zügen mit Technik zur Videoaufzeichnung dort, wo das heute noch nicht der Fall ist

•           zusätzliches Sicherheits- und später Servicepersonal

•           Prüfung eines Pilotprojekts mit Bodycams für das Personal im Zug

•           Prüfung eines möglichen „stillen Alarms“ in Zügen

•           verbesserte Beleuchtung, vor allem auch im Stationsumfeld

•           Prüfung von Waffenverbotszonen

•           Freifahrt für Polizistinnen und Polizisten in Zivil

Für die einzelnen Projekte liegen bereits grobe Konzeptideen und erste Kostenschätzungen vor. „Innerhalb der Landesregierung wollen wir in den kommenden Wochen Vorschläge für die Umsetzung machen“, so von der Heide. Es sei gut, dass alle Beteiligten diesen Weg engagiert mitgehen wollen.

Innen-Staatssekretärin Magdalena Finke sagte nach dem Treffen: „Nach der schrecklichen Messerattacke von Brokstedt wollen wir als Landesregierung die objektive und subjektive Sicherheit in Zügen, an Bahnhöfen und Bahnhofsvorplätzen steigern. Dazu haben wir erste Maßnahmen auf den Weg gebracht. Künftig wird auch Polizistinnen und Polizisten in Zivil eine Freifahrt im öffentlichen Personennahverkehr ermöglicht werden, wenn sie sich vor Fahrtantritt beim Zugbegleitpersonal zu erkennen geben, während der Fahrt als Polizei erkennbar sind und ihre Dienstwaffe dabeihaben. Darüber hinaus soll die Videoüberwachung an Bahnhöfen und in Zügen ausgebaut werden. Diese Maßnahme würde sowohl abschreckenden Charakter entfalten, als auch zu verbesserten Ermittlungen bei begangenen Straftaten beitragen. Wir prüfen auch die Einrichtung von Waffenverbotszonen, denn Waffen haben in Zügen und rund um die Bahnhöfe einfach nichts zu suchen. Diese Maßnahmen sollen final im Rahmen eines Sicherheitsgipfels mit den Verkehrsunternehmen vereinbart werden. Das heutige Gespräch ist ein guter Auftakt.“

Im Landtag sagte Verkehrsminister Madsen:

Der Palästinenser Ibrahim A. soll in einem Zug von Kiel nach Hamburg am 25. Januar Fahrgäste mit einem Messer angegriffen und zwei Menschen getötet haben. Fünf Menschen wurden verletzt.

Forschungs-Katamaran „Wavelab“ peilt von Kiel aus neue technologische Horizonte an

Auf der Kieler Förde herrscht reger Schiffsverkehr. Können die kleinen Passagierfähren zwischen den Orten am Wasser künftig ohne Kapitän fahren? Mit einem Versuchkatamaran sollen die Grundlagen dafür gelegt werden. Für Verkehrs- und Technologieminister Madsen ist das erst der Anfang

Minister Madsen mit Taufpatin Kathrin Lau von der Fachzeitschrift „Schiff & Hafen“

Schritt für Schritt zur führerlosen Schifffahrt auf der Kieler Förde. Der Forschungskatamaran «Wavelab» zur Erprobung der autonomen Schifffahrt ist am Mittwoch getauft worden. Das 21 Meter lange und 8 Meter breite Schiff liegt auf der Gebr. Friedrich Werft in Kiel und soll voraussichtlich im März übergeben werden, wie der Betreiber, das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel, mitteilte. Dem Konsortium gehören fünf Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft an. Madsen lobte das Projekt als ein Aushängeschild für das Land: «Integrierte, umweltschonende Verkehre sind notwendig, um die Verkehrswende voranzutreiben. Wir werden das Projekt weiterhin unterstützen und hoffen auf rasch umsetzbare Ergebnisse. Vor allem gehe ich davon aus, dass hiermit ein Nukleus gelegt ist, aus dem sich gewaltige technologische Entwicklungen ergeben»

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen bei der Stapellauf-Feier weiter – Audio starten, Pfeil klicken

Mit dem Projekt sollen Grundlagen dafür geschaffen werden, dass Schiffe auf der Kieler Förde, zum Beispiel Fähren, irgendwann autonom ohne Personal fahren können. Der 3,5 Millionen Euro teure Katamaran verfügt über einen elektrischen Antrieb, der aus Akkus und einer Brennstoffzelle gespeist werden soll. Die «Wavelab» ist Teil des Forschungsprojekts CAPTN. Der Begriff steht für «Clean Autonomous Public Transport Network», übersetzt etwa «Umweltfreundlicher autonomer öffentlicher Verkehrsverbund».

Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: Madsen mit Kiels OB Kämpfer Werftchefin Kathrin Birr von der Gebr. Friedrich-Werft und Projekt-Koordinatorin Müller-Lupp vom Wissenschaftszentrum

Die Forschungsinitiative setzt sich nach eigenen Angaben für einer Mobilitätskette aus autonomen, sauberen Verkehrsträgern zu Wasser und an Land ein. CAPTN wird vom Bundesverkehrsministerium und mit EFRE-Mitteln (Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung) aus dem Landesprogramm Wirtschaft Schleswig-Holstein mit mehreren Millionen Euro gefördert. Mit der Inbetriebnahme des Forschungsschiffes werde eine bedeutende Infrastruktur in Kiel geschaffen, um autonomes und sauberes Fahren auf dem Wasser unter realistischen Bedingungen zu erforschen, betonte der wissenschaftliche Sprecher der Initiative, Dirk Nowotka, von der Christian Albrechts Universität zu Kiel. Es sei wichtig, reale Daten zu sammeln, um die KI-Modelle (Künstliche Intelligenz) zu trainieren.

Nowotka betonte, dass Kapitäne auch in Zukunft wichtig bleiben werden. Es gehe darum, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Auf der Kieler Förde werde ein Deutschland einmaliges maritimes Testfeld für autonome Schiffe aufgebaut, sagte Daniel Sommerstedt von der Anschütz GmbH, die die «Wavelab» unter anderem mit Navigation und Sensorik ausrüstet. «Wir wollen das Testfeld nutzen, um Forschungsarbeit in Richtung Assistenz- und Automatisierungssysteme der Zukunft zu leisten. Zunächst wird der Katamaran nur in einem eng begrenzen Bereich der Förde unterwegs sein.

Janecek lotet mit Landesregierung Chancen auf Bau von Offshore-Plattformen aus

Dieter Janecek (links) mit einem Mitarbeiter im Gespräch mit Staatssekretärin Carstens und Minister Madsen – oben mit im Bild: Der maritime Koordinator der Landesregierung, Andreas Burmester

Vier Wochen nach seinem Amtsantritt hat der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft, Dieter Janecek, Schleswig-Holstein besucht – unter anderem das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Am Abend traf der Grünen-Politiker im Wirtschaftsministerium erstmals mit Ressortchef Claus Ruhe Madsen, dessen Staatssekretärin Julia Carstens und den Maritimen Koordinator des Landes, Andreas Burmester, zusammen. Madsen nutzte die Gelegenheit, um nochmals für eine rasche Umsetzung des geplanten 100-Milliarden-Rüstungsprogramms der Bundesregierung zu werben. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte das Mammut-Programm vor knapp einem Jahr in seiner so genannten „Zeitenwende-Rede“ angekündigt.

Madsen sagte dazu – Audio starten:

In dem Gespräch loteten Madsen, Carstens und Burmester außerdem die Chancen auf eine Beteiligung schleswig-holsteinischer Werften am Bau von Offshore-Plattformen für Windenergieanlagen aus. Janecek hatte bereits zuvor bei GEOMAR deutlich gemacht, dass die Bundesregierung auf diesem Feld die Weltmarkt-Führerschaft anstrebe. Es werde erwartet, dass von 2026 bis 2045 allein für den deutschen Markt 33 Plattformen benötigt würden, die jeweils ein Auftragsvolumen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro hätten. Janecek warnte, es wäre nicht gut, wenn solche Plattformen nur an zwei oder drei Standorten außerhalb Deutschlands oder gar Europas gebaut und gekauft werden könnten. «Wir brauchen eigene Standorte.»

Madsen warb auch für die hohe Kompetenz vieler Firmen auf dem Gebiet der Beseitigung von Munitions-Altlasten im Meer. Unter anderem sei hier die Kieler Werft German Naval Yards enorm engagiert.

Mit Blick auf die Zukunft der Häfen im Land erinnerte Janecek an die hohen EU-Anforderungen der Hafenstrategie „Fit for 55“ – hier gebe es in Norddeutschland noch viel zu tun. «Die maritime Wirtschaft steht im Zuge der Klimakrise vor einem großen Umbruch: Neue klimaneutrale Antriebstechnologien werden sich in der Schifffahrt in den nächsten Jahren durchsetzen, große Mengen Wasserstoff müssen transportiert und angelandet werden», so Janecek.

Morgen ist der Maritime Koordinator in Hamburg und zum Abschluss seiner Norddeutschland-Tour am Donnerstag in Bremen, wo am 14. und 15. September die 13. Nationale Maritime Konferenz stattfindet.

In den Konverterplattformen wird der Strom verschiedener Windräder gebündelt und für den möglichst verlustfreien Weitertransport zur Küste in Gleichstrom umgewandelt.

Minister-Doppel im Wirtschaftsministerium mit Schwedens Botschafter Per Thöresson

Botschafter Thöresson (Mitte) mit Landwirtschaftsminister Schwarz und Wirtschaftsminister Madsen

Hochkarätiger Besuch im Kieler Regierungsviertel: Schwedens Botschafter Per Thöresson traf heute in Begleitung von Honorarkonsulin Dr. Glenny Holdhoff auf Landwirtschaftsminister Werner Schwarz und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen zu einem Gedankenaustausch. Gesprächsstoff lieferte natürlich vor allem die Hoffnung auf die geplante Ansiedlung des schwedischen Batterie-Herstellers Northvolt in Heide , aber auch andere Wirtschaftsthemen verbinden Schweden und Schleswig-Holstein seit Jahrzehnten. Und bald pendelt auch noch ein Nachtzug zwischen Hamburg und Stockholm

Etwa 20 Prozent aller nach Schweden eingeführten Waren kommen aus Deutschland. Im Jahr 2020 summierte sich deren Wert laut Schwedens Statistischem Zentralamt (SCB) auf knapp 250 Milliarden schwedische Kronen. In die umgekehrte Richtung gehen jährlich gut 10 Prozent der schwedischen Exporte (Wert: etwa 151 Milliarden Kronen 2020).

Madsen sagte nach dem einstündigen Treffen – Audio starten, Pfeil klicken

Madsen erinnerte daran, dass es in Schweden knapp 1400 deutsche Unternehmen gibt , die rund 80.000 Angestellte beschäftigen. Die meisten haben ihren Sitz in den Ballungszentren um Stockholm, Göteborg und Malmö. Zu den größten deutschen Investoren zählen Siemens, Bosch, Eon, DB Schenker, DHL und die Volkswagen-Gruppe.