Archiv der Kategorie: Allgemein

Schulterschluss im Landtag für wetterfeste Häfen und eine reibungslose Schifffahrt

Landtag und Landesregierung in Kiel haben sich dafür stark gemacht, den Schiffsverkehr samt Nord-Ostsee-Kanal und die Häfen zukunftsfest zu machen.

Hafen Hörnum auf Sylt

Er habe Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kürzlich zu verstehen gegeben, dass die jetzt schon fragile Infrastruktur des Kanals nicht weiter vernachlässigt werden dürfe, sagte Ressortchef Claus Ruhe Madsen heute in der Parlamentsdebatte. Wegen der unterspülten Böschungen dürfen die Schiffe dort ab 1. Juli nur noch mit 12 km/h durch den Kanal fahren statt mit 15 km/h.

«Das mag notwendig sein, um kurzfristig weitere Schäden zu verhindern», sagte Madsen. «Aber langfristig ist das keine Option – da hilft nur reparieren und investieren.» Ein geringeres Tempo habe immense Auswirkungen, sei teurer für die Reeder. «Das könnte zu Folge haben, dass viele Reeder wieder den Weg über Skagen wählen und das hätte fatale Auswirkungen auf den Kanal und alles, was daran hängt.» Für den Kanal gebe es dringenden Handlungsbedarf, sagte Madsen. «Darauf weisen wir den Bund auch immer wieder hin.»

Madsen sagte im Landtag – hier seine komplette Rede:

Das Landesparlament forderte die Landesregierung auf Initiative von CDU und Grünen auf, sich auf Bundesebene für ein besseres Schlickmanagement einzusetzen, um die Bedingungen für die Schifffahrt zu verbessern. Außerdem soll eine neue landesweite Hafenstrategie auf den Weg gebracht werden. Das Parlament betonte, der Nord-Ostsee-Kanal als meistbefahrene künstliche Seewasserstraße der Welt sei für ganz Nordeuropa von immenser Bedeutung. Die Landesregierung solle daher im Bund die finanzielle und personelle Ausstattung für den Erhalt, die Modernisierung und den Ausbau einfordern. Das hatte Madsen bereits am Vortag bei der Verkehrsministerkonferenz der Länder in Aachen getan.

Im Hinblick auf eine landesweite Hafenstrategie sollen alle Häfen an der Ost- und Westküste betrachtet werden. Der Landtag bekannte sich deutlich zu den landeseigenen Häfen Büsum, Glückstadt und Husum. Laut Hafenverband kommen über 30 Häfen im Land auf rund 13 Millionen Schiffsreisende im Jahr und einen Gesamtumschlag von mehr als 52 Millionen Tonnen Ladung. Alle Häfen im Land erfüllten wichtige Funktionen, sei es für die Weltwirtschaft als Umschlagplatz, für den Tourismus oder für die regionale Daseinsvorsorge, sagte Madsen. Bisher seien gerade fünf Prozent der weltweiten Schiffstonnage auf alternative Kraftstoffe ausgerichtet. «Hier liegt ein Riesen-Potenzial für die Energiewende, das gehoben werden muss – auch seitens der Häfen.» Bei diesen Herausforderungen wolle das Land die Hafenlandschaft strategisch unterstützen.

Kilian

Bei den Häfen sei in den vergangenen Jahren nicht viel passiert, sagte der CDU-Politiker Lukas Kilian. Die Koalition wolle hier Versäumnisse aufarbeiten. Ex-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz widersprach vehement. Binnen fünf Jahren seien rund 100 Millionen Euro in die Häfen im Land investiert worden, sagte der FDP-Politiker.

Durch Verschlickungen könne die Infrastruktur nicht hinreichend genutzt werden, sagte Kilian. «Das Hafenbecken 4 in Büsum beispielsweise eignet sich aktuell mehr für Wattwanderungen; ein richtiges Hafenbecken ist das nicht.» Beim Nord-Ostsee-Kanal laufe es gar nicht. Es würden zwar neue Schleusen gebaut, aber der Bund halte die Zufahrt zu den Schleusen nicht hinreichend instand.

Die landeseigenen Häfen wiesen einen deutlichen Investitionsstau auf, sagte Nelly Waldeck (Grüne). Das Land werde den Ausbau von Landstromanlagen voranbringen. Die Häfen bräuchten auch leistungsfähige Schienenhinterlandanbindungen. SPD-Politiker Thomas Hölck äußerte sich kritisch zum Ziel, eine Hafenstrategie des Landes zu erarbeiten. «Ich bin mir nicht sicher, ob Brunsbüttel Port, ob Kiel oder Lübeck so begeistert davon ist, dass eine neue landesweite Hafenstrategie auf den Weg gebracht werden soll», sagte er. «Die wissen eigentlich selber viel besser, wie sie sich strategisch aufzustellen haben, um zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben.» Der schwarz-grüne Antrag sei ideenlos.

„Rügenwalder“ wird nun klimafreundlich gekühlt – REWE investiert 4,5 Millionen Euro

Staatssekretärin Julia Carstens mit REWE-Vorstand Moog (rechts) und Wilhelm-Brandenburg-Geschäftsführer Julian Hertzig

Der Timmendorfer Traditionsbetrieb Wilhelm Brandenburg – vor allem bekannt durch seine Rügenwalder Wurstwaren – investiert 4,5 Millionen Euro in eine nachhaltige Kälteversorgung und damit in den Klimaschutz: Zusammen mit Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens nahmen Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Moog und Geschäftsführer Julian Hertzig heute die neue Anlage in Timmendorfer Strand Betrieb. «Die Investition der REWE-Gruppe ist ein klares Bekenntnis für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein. Das ist umso beachtlicher, als dass viele Unternehmen derzeit manch anderes auf der Agenda haben als die nächste Großinvestition», sagte Carstens. Die Traditionsfirma leiste damit auch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitskräften, zur Stärkung der lokalen Wirtschaft und zum großen Ziel Klimaneutralität.

Nach den Worten von Vorstandsmitglied Moog könne der Betrieb dank modernster Technik den Stromverbrauch mit der neuen Kälteanlage um rund 20 Prozent senken. Rein rechnerisch reiche die Einsparung von jährlich 2.300 Megawattstunden aus, um 600 Einfamilienhäuser zwölf Monate mit Strom zu versorgen. Wie alle Unternehmen der Kölner REWE Group beziehe auch Wilhelm Brandenburg bereits seit 2008 ausschließlich zertifizierten Grünstrom.

Geschäftsführer Hertzig ergänzte: «Im Zusammenspiel unserer insgesamt sechs Produktionsstandorte spielt Timmendorfer Strand eine wichtige Rolle. Rund 500 Mitarbeitende produzieren hier ein abwechslungsreiches Wurst- und Schinkensortiment sowie Eintöpfe und Suppen für die Rewe- und Penny-Märkte. Insbesondere unsere Original Rügenwalder Teewurst ist in ganz Deutschland berühmt. Mit der Erneuerung der Kältetechnik setzen wir am Standort ein Zeichen für Klimaschutz und wir geben ein langfristiges Bekenntnis zum Timmendorfer Strand ab.»

Carstens appelliert an Betriebe: Chancen des neuen „European Digital Hub nutzen“!

Um kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sowie die öffentliche Verwaltung in Schleswig-Holstein dabei zu unterstützen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen zu denken, hat mit Unterstützung des Landes der European Digital Hub Schleswig-Holstein (EDIH-SH) seine Arbeit aufgenommen.

„Digitale Prozesse bergen eine Menge Nachhaltigkeitspotenziale, etwa im Hinblick auf Ressourceneffizienz, die Nachverfolgung von Lieferketten oder im Bereich zirkulärer Geschäftsmodelle“, sagt Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens. Zudem habe das Thema vor dem Hintergrund des europäischen Green Deal zusätzliche Relevanz erhalten. So werde künftig für bestimmte Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten eine Berichtspflicht eingeführt. „Insgesamt wird sich die Zahl der berichtspflichtigen Unternehmen in Deutschland geschätzt um das Dreißigfache erhöhen“, so Carstens. Vor diesem Hintergrund fördere das Land den Digital-Hub mit 2,1 Millionen Euro – hinzu kämen drei Millionen aus EU-Mitteln.  

Nach den Worten von EDIH-SH-Leiterin Regine Schlicht biete der von einem Konsortium aus Hochschulen des Landes sowie der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) getragene Hub den kleinen und mittelständischen Betrieben des Landes sowie Organisationen der öffentlichen Verwaltung die Gelegenheit, Ideen und Potenziale für eine nachhaltige Digitalisierung zu entwickeln und umzusetzen. „Ziel ist es, ein Ökosystem zu schaffen, das die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Start-ups, öffentlichen Verwaltungen und Forschungseinrichtungen fördert und es ihnen ermöglicht, gemeinsam an neuen Lösungen für eine nachhaltige Zukunft zu arbeiten“, sagt Schlicht.

Sowohl Schlicht als auch Carstens erinnerten daran, dass den Unternehmen angesichts der Herausforderungen durch Pandemie-Folgen und Ukraine-Krieg oft kaum Zeit bliebe, sich digital auszurichten. Zudem sei die Wirtschaftsstruktur im Land kleinteilig geprägt: 99 Prozent aller Betriebe hätten weniger als 250 Beschäftigte. „Kaum einer dieser Betriebe verfügt über eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung oder Spezialisten für Nachhaltigkeit. Das ändert jedoch nichts daran, dass große Transformationen bewältig werden müssen“, so Schlicht.

Die kostenlose Begleitung durch das EDIH-SH reicht nach den Worten von Staatssekretärin Carstens von der Ideenentwicklung über eine Machbarkeitsprüfung bis hin zur ersten prototypischen Umsetzung. Ergänzt werde dies durch gezielte Qualifizierungen der Beschäftigten. Darüber hinaus biete das EDIH-SH Beratung und individuelle Betreuung im Hinblick auf Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten. Schlicht: „Cybersecurity gehört ebenso dazu wie Technologie- & Innovationsmanagement, Daten & künstliche Intelligenz, Interoperabilität, Internet der Dinge & Sensorik.“ Interessierte Unternehmen und Organisation würden durch die Zusammenarbeit mit dem EDIH-SH zudem die Möglichkeit erhalten, deutschland- und europaweite Kontakte zu Firmen oder anderen Organisationen zu knüpfen, um sich gemeinsam ähnlichen Herausforderungen zu stellen.

Hintergrund:

EDIH-SH ist Teil eines europaweiten Netzwerkes an Innovations- und Wissenschaftstransferhubs. Im Rahmen des Programms Digitales Europa unterstützt die Europäische Kommission durch das EDIH-Netzwerk kleine & mittelständische Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen, um nachhaltige digitale Innovationen zu fördern. Der EDIH-SH setzt sich auch sechs Konsortialpartnern zusammen: der Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der Investitionsbank Schleswig-Holstein, der Technische Hochschule Lübeck, der Unitransferklinik Lübeck und der Universität zu Lübeck. Der EDIH-SH wird zunächst für drei Jahre bis Dezember 2025 gefördert. Weitere Informationen unter: www.edih-sh.de

Madsen holt Länder-Kollegen für bessere Ausstattung der Wasserstraßen-Verwaltung ins Boot

Auf Drängen Schleswig-Holsteins haben die Länder-Verkehrsminister heute in Aachen den Bund aufgefordert, das Personal für die Verwaltung von Wasserstraßen wie den Nord-Ostsee-Kanal deutlich aufzustocken. Gleichzeitig forderte die Verkehrsministerkonferenz mehr Transparenz durch getrennte Auflistung der Finanzmittel für Ersatz-, Aus- und Neubaumaßnahmen.

«Wir erleben gerade, dass der Bund seine Investitionsmittel für dieses Jahr um 30 Prozent senkt und gleichzeitig die Restrukturierung der Wasserstraßen-Verwaltung immer noch an vielen Stellen hakt», sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen vor dem einstimmigen Beschluss. Das bedrohe nicht nur die aktuellen Großbaustellen am Nord-Ostsee-Kanal, sondern gefährde bundesweit auch viele andere wichtige Erhaltungs- und Ausbaumaßnahmen. «Daran ändern auch die Beteuerungen der Bundesregierung nichts, dass 2023 ein Ausnahmejahr bleibe», so Madsen.   

Wie der Minister weiter sagte, sei die mehrjährige Restrukturierung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zwischenzeitlich zwar formal abgeschlossen, werde «bei Weitem aber noch nicht überall gelebt». Für die anstehenden Aufgaben im Bereich Ersatz-, Aus- und Neubau gebe es derzeit schlicht zu wenige Leute – vor allem zu wenig Ingenieure, so Madsen. Vor diesem Hintergrund sehe er insbesondere mit Sorge, ob die jüngsten Böschungs-Abrutschungen am Nord-Ostsee-Kanal in angemessener Zeit behoben werden können.

Mit Blick auf eine getrennte Mittelausweisung sagte Madsen: «In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Wasserstraßen, die jede ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt. Gerade die finanziellen Bedarfe lassen sich nicht gleichmäßig verteilen. Aus diesem Grund ist es wichtig zu erfahren, welcher Wasserstraße welche Mittel zugewiesen werden.»

Land macht bis 2026 für 550 Millionen Euro über 900 Kilometer Landesstraßen und Radwege fit

Mit einem Investitionsvolumen von 550 Millionen Euro setzt die Landesregierung in den kommenden viereinhalb Jahren die massive Sanierung maroder Landesstraßen und Radwege fort. Bis 2027 sollen 564 Kilometer Landesstraßen auf Vordermann gebracht werden, an denen 242 Kilometer Radwege verlaufen, die zu 90 Prozent ebenfalls sanierungsbedürftig sind. Wie Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen sagte, habe das Kabinett heute die entsprechende Fortschreibung der Landesstraßenstrategie bis zum Jahr 2035 verabschiedet. „Allein noch in diesem Jahr ist vorgesehen, rund 100 Kilometer Fahrbahnen und mindestens 50 Kilometer Radwege in Schuss zu bringen“, so Madsen.

Hier die Langfassung der Landesstraßenstrategie:

Erstmals in der Landesgeschichte wird in dieser Legislaturperiode zusätzlich die Rekordsumme von 100 Millionen Euro für bestehende Radwege und neue Radwegs-Projekte aufgebracht. Das schleswig-holsteinische Landesstraßennetz umfasst knapp 3.700 Kilometer, von denen zwei Drittel – ein bundesweiter Spitzenwert – über einen begleitenden Radweg verfügen. Die Gesamtlänge des Radwegenetzes beträgt 2.351 Kilometer.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen heute bei der Präsentation der Strategie im Kieler Landeshaus weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

„Im Sinne der Nachhaltigkeit werden wir alles forcieren, was einem fortschreitenden Substanzverfall unserer Infrastruktur entgegenwirkt und dabei an unserem Grundprinzip ‚Erhalt vor Neubau‘ festhalten“, sagte Madsen. Mit Blick auf die massiven Kostensteigerungen in der Baubranche von bis zu 20 Prozent machte er allerdings auch deutlich, dass die ursprünglich für den Investitionshochlauf erhofften Sanierungslängen nicht mehr voll erreicht werden können. Hinzu komme ein deutlich größerer Anteil an tiefgreifenden Straßensanierungen als noch 2018 bei Verabschiedung der ersten Landesstraßenstrategie von Experten prognostiziert. „Heute wissen wir, dass der Anteil notwendiger grundhafter Instandsetzungen doppelt so hoch ist wie noch vor fünf Jahren angenommen“, sagte Madsen. Gleichwohl werde die Landesregierung mit ihrer Strategie erfolgreich den Sanierungsstau abarbeiten, der sich „über Jahrzehnte des Wegsehens“ aufgetürmt habe. So werden in den kommenden fünf Jahren sowohl dringende substanzsichernde Deckenerneuerungen als auch die Sanierung der schlechtesten Landesstraßen im Fokus stehen.

Die heutige Pressekonferenz als Livestream-Mitschnitt:

Laut Madsen konnten seit dem letzten Zustandsbericht im Zeitraum von 2019 bis 2022 insgesamt 542 Kilometer Fahrbahnen mit einem Investitionsvolumen von 385 Millionen Euro saniert werden. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) habe damit die vom Landtag bereitgestellten Mittel verbaut und das finanzpolitische Ziel der Strategie erreicht. So konnten rund 40 Prozent der in 2017 schlechten Strecken durch die Sanierungen in einen deutlich besseren Zustand gebracht werden.

Wie der Minister weiter sagte, sei die permanente Sanierung des Landesstraßennetzes auch für die kommenden Legislaturperioden eine Daueraufgabe: „Um bis 2035 einen guten Zielzustand zu erreichen, werden wir weiterhin pro Jahr 90 Millionen Euro und mehr benötigen – auch um den Preissteigerungen entgegenzuwirken.“

Als Beispiele für größere Projekte in diesem Jahr nannte Madsen unter anderem die Landesstraßen-Sanierungen

  • L 21, Sterup – Schrepperie, Bauabschnitt Sterup – Brunsholm
  • L 57, Eutin – Lensahn, Bauabschnitt Wahrendorf – Schönwalde
  • L 125, Nortorf – Bargstedt
  • L 145, Ortsdurchfahrt Eggstedt
  • L 149, Schlichting – Glüsing

    Für das kommende Jahr (2024) stehen auf dem Bauprogramm des LBV.SH:
  • L 14, Schobüll – B 200
  • L 83, Bad Oldesloe – Sühlen
  • L 121, Hohenlockstedt – Aukrug
  • L 269, Risum-Lindholm – Niebüll

Mit Blick auf künftige Radweg-Projekte erinnerte Madsen daran, dass sich die Landesregierung bereits auf Eckpunkte verständigt habe, wie die pro Jahr zur Verfügung stehenden 20 Millionen Euro zu investieren seien. „Eine genaue Übersicht werden wir im Spätsommer zusammen mit der Aktualisierung des Landesweiten Radwegenetzes vorlegen“, so der Minister. Als Beispiele für bereits laufende Vorhaben in Zusammenarbeit mit Kommunen nannte er:

  • Radwegeneubau L 57, Schönwalde – Lensahn
  • Radwegeneubau L 239, Süderheistedt – Hägen
  • L 45, Surendorf – Sprenge
  • L 50, B 502 – Probsteierhagen
  • L 92, A 20 – Kronsforde
  • L 212, Leck – Medelby

Minister-Tour durch Westküsten-Firmen: Energiepreise und Personalnot drücken am meisten

Brunsbüttel-Ports-Chef Frank Schnabel erläutert Madsen den künftigen LNG-Terminal

Sechs typische Westküstenbranchen – viele Sorgen – aber vor allem auch viele Stärken: Nach einem Tag rund um Lübecks Wirtschaft und Hochschuleinrichtungen setzte Wirtschaftsminister Madsen am Donnerstag und Freitag seine Dauer-Serie an Unternehmensbesuchen mit Stipvisiten im Westen des Landes fort.

Die Palette der Gastgeber vom Konzern bis zum Familienbetrieb: Der Brunsbütteler Chemiekonzern Sasol, die Pharma-Firmen Medac GmbH und Pohl-Boskamp, die Wilkens Farben GmbH aus Glückstadt, der Hafen- und Logistik-Spezialist Brunsbüttel Ports, die Moeller Operating Engineering GmbH (M.O.E) in Itzehoe, die Anhalt Logistics GmbH in Rehm-Flede-Bargen und auf der Rückfahrt gestern noch ein Abstecher in Neumünster beim Branchenriesen Voigt-Logistics

Der gemeinsame Nenner bei allen dieser energieintensiven und hochspezialisierten Betriebe: Der Kostendruck durch die Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs und der Personaldruck durch mangelnde Fachkräfte. Nach den Worten von Madsen nicht nur für die Unternehmerinnen und Unternehmer ein erheblicher Flaschenhals, sondern auch für die Landesregierung auf dem Weg zu einem grünen Industrieland. Madsen erinnerte in dem Zusammenhang an die Fachkräfte-Initiative des Landes und den im Herbst geplanten Aufbau eines „Welcome-Centers“ für Geflüchtete oder zugewanderte Menschen aus EU-Staaten.

Madsen sagte zu den Gesprächen – Audio starten, Pfeil klicken:

Der Minister zeigte sich beeindruckt von den Anstrengungen der Firmen, zum Gelingen der Energiewende kraftvoll beizutragen. «Das gilt nicht nur für den Aufbau der LNG-Terminals in Brunsbüttel durch den Schulterschluss von Land und Unternehmen wie Brunsbüttel Ports, sondern auch für Betriebe wie M.O.E. in Itzehoe, die erfolgreich Ingenieure und Ingenieurinnen im Ausland rekrutieren», sagte Madsen.

Stipvisite bei M.O.E. in Itzehoe (v.l.) Prokurist Tobias Busboom, Fatima Azzahraa Hassid, Geschäftsführer Jochen Möller und der Minister

Brunsbüttel-Ports-Chef Frank Schnabel habe zudem nochmal eindringlich auf den nötigen weiteren Ausbau einer intakten Straßen- und Schienen-Infrastruktur für die Brunsbütteler Industrieregion hingewiesen. «Wer hier mit den Managern spricht, dem wird auch die Dringlichkeit der A 20 als bereits vor Jahrzehnten versprochener Westküsten-Lückenschluss deutlich», so der Minister.

Madsen zum DB-Netzreport: Unsere Schienen-Infrastruktur ist größtenteils museumsreif

Über 100 Jahre alt – und seit Jahrzehnten ein Flaschenhals im DB-Netz: Klappbrücke bei Lindaunis

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen hat wenig überrascht auf einen internen Bericht der Deutschen Bahn reagiert, der dem Schienennetz in Norddeutschland einen miserablen Zustand attestiert. «Als Symbol für den Verfall der Bahn-Infrastruktur – dem jahrzehntelang tatenlos zugesehen wurde – braucht man sich nur einmal die über 100 Jahre alte Klappbrücke in Lindaunis an der Schlei oder unsere museumsreifen Stellwerke ansehen», sagt Madsen.

Laut NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung kommt der neue Vorstandschef der DB Netz AG, Philipp Nagl, zu der Überzeugung, dass das deutsche Bahnnetz «in Teilen zu alt und zu störanfällig» sei und «zu wenig Kapazität» biete. Während das Netz bundesweit gerade mal auf die Note 2,9 kommt, fällt das Zeugnis für das Bahnnetz im Norden noch schlechter aus: «Die Region Nord weist im Jahr 2021 innerhalb der DB Netz AG die schlechteste Bewertung mit einer Zustandsnote von 3,15 auf», heißt es in dem Bericht.

Die zentralen Strecken zwischen Hamburg, Kiel und Flensburg sowie die Strecke zwischen Lübeck und Fehmarn sind demnach in besonders schlechtem Zustand. Nirgendwo sonst werden so viele Anlagen mit der Note vier oder schlechter bewertet wie im so genannten Netz Kiel – das nahezu das gesamte Streckennetz Schleswig-Holsteins umfasst.

Nach den Worten von Verkehrsminister Madsen seien die Mängel an der Infrastruktur tagtäglich auch an Zugausfällen und Verspätungen erkennbar. «Wir zahlen jedes Jahr über 100 Millionen Euro an Trassen-Entgelten – die Gegenleistung nimmt sich da ziemlich bescheiden aus», so Madsen. Ein Sinnbild für den Investitionsstau – den Nagl auf knapp 90 Milliarden Euro bundesweit beziffert – sei beispielsweise auch die Strecke Lübeck-Büchen, wo nahezu jeden Sommer wegen absackender Gleise Langsam-Fahrstellen eingerichtet werden müssen.

In einem Interview mit NDR-Info sagte Madsen am Nachmittag – Audio starten, Pfeil klicken…

Madsen sieht neben den Schatten des Verfalls aber auch durchaus Licht: «Die Invesitionsoffensive an der Marschbahn, zu der sich die DB vor einigen Jahren durchgerungen hat, läuft gut.»,

Als Beispiele für eine überaus gut funktionierende Schienen-Infrastruktur nennt Madsen das Netz der AKN, das den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, und die privat betriebene NEG. «Allein die AKN  liefert uns Pünktlichkeitsquoten von über 98 Prozent», so Madsen. Der DB-Netzreport bestätige aus seiner Sicht einmal mehr, dass es in Deutschland einer gemeinwohlorientierten Schieneninfrastruktur bedürfe, so wie es der Koalitionsvertrag des Bundes auch vorsehe. Madsen weiter: «Wir appellieren vor dem Hintergrund der Zahlen an den Bund, die besonders schlechten Strecken schnellstmöglich zu sanieren. Als Land unterstützen wir den Ausbau der Schienen schon heute mit erheblichen finanziellen Mitteln. Das wird auch so bleiben.» Er erinnerte daran, dass der Landtag erst letzte Woche grünes Licht gegeben habe, die Planungen für den Ausbau der Bahnstrecke Pinneberg – Elmshorn mit knapp 17 Millionen Euro zu finanzieren.

IB.SH auch im Krisenjahr 2022 gefragt

Die Investitionsbank Schleswig-Holstein hat 2022 Unternehmen, Kommunen und Familien mit mehr als 3,1 Milliarden Euro unterstützt. Ohne Corona-Hilfen stieg das Fördervolumen damit im Vergleich zum Vorjahr um 158 Millionen Euro, wie der Vorstandsvorsitzende Erk Westermann-Lammers aheute bei der Bilanzvorlage in Kiel sagte.

Außerdem hat die Bank mit rund einer halben Milliarde Euro (2021: 1,5 Milliarden Euro) dazu beigetragen, die Folgen der Pandemie abzumildern. Aufgrund der stark gestiegenen Zinsen gab es einen Rückgang bei Finanzierungen des Wohneigentums von Familien auf 414 Millionen Euro (2021: 615).

Die Bilanzsumme der Bank stieg um 1,4 auf 22,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Risiko und Bewertung lag bei 68,1 Millionen Euro (2021: 67,2). Der Jahresüberschuss blieb mit drei Millionen Euro nahezu konstant.

Land saniert im Norden für 61 Millionen Euro über 100 Kilometer Straßen und Radwege

Sanierungsschub für das Straßennetz im nördlichen Schleswig-Holstein: Wie Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute bei einem Besuch der Straßenmeisterei in Eckernförde sagte, stehe in beiden Kreisen in den kommenden Monaten die Sanierung von knapp 88 Kilometern Straßen, knapp 34 Kilometern Radwegen und 7 Brücken auf dem Arbeitsplan. „Unser Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr packt dazu insgesamt 25 Straßen inklusive neun Radwegen an und investiert 61 Millionen Euro in eine bessere Infrastruktur“, so Madsen. Hierbei handele es sich um ein Vielfaches der Summe, die vor einigen Jahren noch zur Sanierung des gesamten schleswig-holsteinischen Straßennetzes in einem Jahr aufgewendet wurde. 

Zusammen mit dem stellvertretenden LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach sowie den leitenden Ingenieuren Christoph Köster und Britta Lüth stellte der Minister das auf insgesamt 26 Einzelprojekte aufgeteilte Bauprogramm vor (siehe Link unten zur interaktiven Übersichtskarte). Madsen erinnerte daran, dass vor allem die Landesstraßen über Jahrzehnte regelrecht kaputtgespart worden seien. Während zu Beginn der 2000er Jahre im Durchschnitt maximal 20 Millionen Euro jährlich in das Landesstraßennetz gesteckt wurden, investiere das Land allein in diesem Jahr knapp 95 Millionen Euro in Sanierung und Erhaltung.

Madsen warnte davor, im Hinblick auf die angestrebte Mobilitätswende zum Schutz des Klimas Straßen- und Schienenverkehr gegeneinander auszuspielen: „Gerade in dünnbesiedelten Regionen wie im Norden des Landes brauchen wir beides. Wer morgens von Süderbrarup nach Schleswig, Flensburg oder Kappeln zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt muss – egal ob mit dem Bus oder dem eigenen Pkw – der ist auf intakte Straßen angewiesen. Denn auch Schulbusse, Krankenwagen oder Feuerwehrfahrzeuge brauchen gute und sichere Straßen – und die Radfahrerinnen und Radfahrer vernünftige Radwege“, so der Minister.

Laut LBV.SH-Vizechef Quirmbach seien in dem 61,08 Millionen Euro umfassenden Bauprogramm insgesamt 14 Landesstraßen-Projekte sowie 7 Neubauten oder Instandsetzungen von Brücken enthalten. Der Rest entfalle auf 3 Bundes- und 9 Kreisstraßen, für die der LBV.SH in weiten Teilen ebenfalls zuständig sei.

„Ich hoffe, dass wir das zur Verfügung stehende Geld weiterhin auf die Straße bekommen“, sagte Quirmbach. Er erinnerte an den großen Fachkräftemangel und warb in eigener Sache: „Der LBV.SH hat viel zu bieten und wir suchen für unsere wichtige Aufgabe im Land weitere Ingenieurinnen und Ingenieure, Technikerinnen und Techniker, Verwaltungsfachleute, Quer- und Wiedereinsteiger sowie Auszubildende oder Interessierte für ein Duales Studium“.

Im Hinblick auf die Verkehrseinschränkungen durch die Baustellen baten Quirmbach und Madsen die Menschen in den betroffenen Regionen um Geduld und Fairplay: „Unsere Kolleginnen und Kollegen und die Beschäftigten der Baufirmen arbeiten bei Wind und Wetter, damit wir alle schnell und sicher an unsere Ziele kommen. Bitte nehmen Sie also größte Rücksicht“, sagte Madsen.

Die einzelnen Baumaßnahmen/Projekte finden sich allesamt in der Übersichtskarte: Mehr unter: www.schleswig-holstein.de/lbvsh-bauprogramm

Staatssekretärin Carstens erkundet Schleiregion und lobt „Grenzen des Wachstums“

Staatssekretärin Julia Carstens mit Ostseefjord-Schlei-Tourismuschef Max Triphaus

Passend zur heute vorgelegten ADFC-Reiseanalyse über klimafreundliche Mobilität: Per Rad erkundete Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens am Nachmittag in Kappeln ein kleines Stück der Schlei-Region – begleitet von Gastgeber Max Triphaus, Chef der Ostseefjord-Schlei GmbH. Die CDU-Politikerin zeigte sich dabei nicht nur von der «spürbaren Nachhaltigkeit» der Region beeindruckt: «Das neue Konzept „Grenzen des Wachstums“ zeigt überaus eindrucksvoll, dass sich die Schleiregion sehr intensiv mit dem Thema Tourismusakzeptanz befasst hat.

Und ich bin sicher: die Einheimischen hier fühlen sich nicht nur gehört, sondern auch mitgenommen», sagte Carstens bei einem Treffen mit Tourismusverantwortlichen im Hotel Südspeicher am Kappelner Hafen. Der Landesregierung werde das Konzept als Grundlage für künftige Entscheidungen über Hotelansiedlungen dienen.

Besuch im Odins (v.l.): Archäologe Matthias Toplak, Astrid Hummel, Max Triphaus und Gastgeber Oliver Firla

Mit Blick auf die Pandemie-Jahre dankte Carstens den Verantwortlichen auch für ihre mutige und hervorragende Rolle in der Zeit als „Corona-Modellregion“. Vor knapp drei Jahren war dadurch die Öffnung von Hotels und anderen Tourismus-Betrieben unter strikten Auflagen möglich geworden. Carstens: «Und vom bundesweiten Marketingeffekt dieser Zeit profitiert das Gebiet zwischen Eckernförde und Kappeln bis heute.»

Kappeln als Mekka für Freizeit-Skipper

Auch das nachhaltige und von Land und Bund mit 37,5 Millionen Euro geförderte ÖPNV-Konzept  „Smile 24“ sei die richtige Weichenstellung in Richtung Zukunft. Das Projekt, das testweise bereits in diesem Jahr anlaufen wird, sieht unter anderem eine Taktverdichtung des Linienverkehrs durch emissionsfreie Expressbusse entlang der Hauptlinien vor. Zudem sollen Tourismus-Linien eingeführt, barrierefreie Mobilitätsstationen mit Bike- und Car-Sharing aufgebaut sowie ein flächendeckendes On-Demand-Angebot – für Fahrzeuge auf Nachfrage – eingeführt werden. In Süderbrarup besteht bereits ein flächendeckender On-Demand-Verkehr mit einem smarten Dorf-Shuttle. Was dort lokal begrenzt läuft, soll auf die ganze Region ausgeweitet werden.

Hinsichtlich der Radwege rund um Kappeln erinnerte Carstens an die Radstrategie des Landes, für die jährlich rund 20 Millionen Euro bereitgestellt werden. Über den Zustand der Radwege in Kappeln konnte sich die Staatssekretärin dann auch gleich selbst ein Bild machen: die erste Tour führte sie zusammen mit Triphaus zum Ferienresort nach Port Olpenitz. Weitere Stationen der bis einschließlich morgen andauernden Tour: Arnis, Lindaunis und Busdorf.