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Nach 103 Jahren Dienst und 6 Jahren Hängepartie: Die Schwebefähre schwebt wieder

Feierliches Ende einer sechsjährigen Hängepartie: Die weltweit bekannte Schwebefähre pendelt seit heute wieder unter der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke von Ufer zu Ufer des Nord Nord-Ostsee-Kanals. Der Neubau, der dem über 100 Jahre alten Orginal täuschend ähnlich sieht, kostete 13,5 Millionen Euro.

Der feierliche Moment, heute – kurz vor 13 Uhr – wurde die Fähre für den Verkehr freigegeben

Wasserfontänen und Hupkonzert der Feuerwehr, ein Shanty-Chor und auch ein Karussell – mit einem kleinen Volksfest feierten die Rendsburger und Osterrönfelder heute die Rückkehr eines Wahrzeichens. Sechs Jahre nach einer folgenschweren Kollision mit einem Frachter setzte sich das Stahl-Vehikel mit prominenten Gästen sowie vielen Fans und Anwohnern von Osterrönfeld aus in Bewegung und erreichte in weniger als zwei Minuten die Rendsburger Seite.

 «Ich wünsche der Fähre stets die nötigen drei Meter Luft unter dem Kiel», sagte Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs (FDP). Und seine Parteifreundin Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesverkehrsministerium, ergänzte: «Auf der ganzen Welt gibt es nur acht solcher Fähren und im Neubau ist allerneueste Technik verbaut, so dass die Schwebefähre nun erneut möglichst 100 Jahre ihre Arbeit verrichten kann». Für die Bundesregierung habe nach der Havarie schnell festgestanden, alles zu veranlassen, «dass dieses historische und für die Region wichtige Verkehrsmittel in seinem filigranen Erscheinungsbild ersetzt wird», so Kluckert.

Ein paar Impressionen der heutigen Feier:

Die 1913 in Dienst gestellte Schwebefähre war am 8. Januar 2016 bei schlechter Sicht mit dem Frachter «Evert Prahm» zusammengestoßen. Sie wurde durch die Kollision völlig zerstört. Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung kam später zu dem Ergebnis, dass Nachlässigkeit sowohl beim Führer der Fähre als auch auf der Brücke der «Evert Prahm» zu dem Unglück führten. Bei der Kollision wurden zwei Menschen verletzt, einer davon schwer.

Bürgermeisterin Sönnichsen, Staatssekretärin Kluckert und Staatssekretär Thilo Rohlfs an der Reling der Fähre vor dem Steuerhaus

Rendsburgs Bürgermeisterin Janet Sönnichsen bezeichnete die Schwebefähre als einzigartiges Baudenkmal. «Es tat weh, die Fähre nicht an der Brücke zu sehen.» Das Herz der Menschen der Region hänge an ihr. Sie wolle weiter dafür kämpfen, dass die Fähre den Status erhält, den sie verdient. Nach dem Willen der Stadt soll die Fähre als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt werden.

Osterrönfelds Bürgermeister Hans-Georg Volquardts sagte, auch ohne den Titel bleibe die Fähre eine Attraktion. Rein optisch komme sie dem Original nahe und werde von den Menschen ebenso viel Wertschätzung erfahren. Und auch für Staatssekretär Rohlfs ist klar: «Weltkulturerbe hin oder her, die Schwebefähre ist ein Wahrzeichen für die ganze Region.»

Die neue Fähre hängt an über 30 Meter langen Stahlseilen und kann vier Autos sowie 100 Menschen befördern. Sie überquert den Kanal auf ihrer rund 125 Meter langen Strecke in drei Metern Höhe über dem Wasser. Die Überfahrt dauert nur 90 Sekunden.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister und Tourismusminister Bernd Buchholz sieht in der Fähre auch einen Anziehungspunkt für viele Touristen aus dem Binnenland. Seit Jahrzehnten sei das Unikum für Urlauber ein beliebtes Ausflugsziel, sagte Buchholz der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb dürfe der Blick nicht allein auf die Kosten gerichtet werden.

«Die neue Schwebefähre ist ein technisches Glanzstück, das mit umfangreichem und detailliertem Expertenwissen und mit viel Herzblut gebaut wurde», erläuterte der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Hans-Heinrich Witte. Nach Behördenangaben nutzten die Schwebefähre bis 2016 täglich rund 1700 Radfahrer und Fußgänger. Sie mussten in den vergangenen Jahren einen anderen Weg nehmen, beispielsweise den nur 1500 Meter entfernt gelegenen Fußgängertunnel nutzen. Außerdem fuhren früher täglich rund 350 Autos mit der Schwebefähre. Die Eisenbahnhochbrücke und die Schwebefähre stehen seit 1988 unter Denkmalschutz.

Walkenhorst folgt Habeck: Schichtwechsel an der Spitze von „Life Science Nord“

Walkenhorst

Schichtwechsel an der Spitze der Life Science Nord Management GmbH (LSN): Ab 1. Juni übernimmt Dr. Jürgen Walkenhorst das Steuer der länderübergreifenden Clusteragentur von Hamburg und Schleswig-Holstein. Damit tritt er die Nachfolge von Dr. Hinrich Habeck an, der zur Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) wechseln wird.

„Mit der Entscheidung für Dr. Walkenhorst haben das Land Schleswig-Holstein, die Freie und Hansestadt Hamburg sowie der Förderverein Life Science Nord e.V. als Gesellschafter der GmbH die Weichen gestellt, um die sehr erfolgreiche Arbeit von Life Science Nord der vergangenen Jahre auch in Zukunft weiterzuführen“, betont Schleswig-Holsteins Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs. Er ist zugleich LSN-Aufsichtsrat.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Dr. Jürgen Walkenhorst nicht nur einen fachlich hochkompetenten Mann für die Spitze der Life Science Nord Management GmbH gewinnen konnten, sondern auch, dass ein erfahrener Manager aus dem Umfeld des Life-Science-Technologietransfers mit jahrelanger Erfahrung an unterschiedlichen Schnittstellen zwischen Forschung und Wirtschaft das Steuer hier bei uns im Norden übernimmt“, sagt Andreas Rieckhof, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft und Innovation in Hamburg und Aufsichtsratsvorsitzender der Life Science Nord Management GmbH.

Letzte Sitzung des Mittelstandsbeirats: Russland-Handel und Cybersicherheit dominieren

Kieler Ostuferhafen: lange Zeit ein Umschlagplatz fuer Holz aus Russland.

Die Auswirkungen des russischen Überfalls auf die Ukraine dominierten heute die vorerst letzte Sitzung des vor fünf Jahren gegründeten Mittelstands-Beirats von Regierung und Wirtschaft. Während sich die Experten beider Seiten einig sind, dass Schleswig-Holstein durch den Krieg ökonomisch bisher noch nicht nennenswert betroffen ist, soll der Schutz der Unternehmen vor Cyber-Angriffen aber dringend forciert werden. Wirtschaftsminister und Gastgeber Bernd Buchholz rief die Betriebe auf, ihre IT-Sicherheit zu überprüfen. Es sei zu befürchten, dass die kritische Infrastruktur des Landes und die von Unternehmen auf digitalem Weg angegriffen werden.

Von dem Konflikt sind nach Angaben von IHK und Buchholz rund 250 schleswig-holsteinische Unternehmen betroffen. Viele stünden vor der Frage, inwieweit sich die Sanktionen gegen Russland unmittelbar auf sie auswirken und Exportverbote für sie gelten. Dies herauszufinden, sei für kleine und mittlere Unternehmen nicht leicht.

Über die Auswirkungen des bisherigen Kriegsverlaufs auf den Mittelstand mit seinen rund 123.000 Betrieben sagte Buchholz weiter – Video starten

Schleswig-Holsteins Handelsvolumen mit Russland lang im vergangenen Jahr bei 674 Millionen Euro. Das sind 1,33 Prozent vom Gesamtvolumen und Platz 19 in der Länderliste. 260 Millionen Euro entfielen auf Einfuhren und 414 Millionen auf Ausfuhren.

Hinsichtlich von Cyber-Attacken hatten Land und Wirtschaft über den Mittelstandsbeirat bereits 2019 eine Sicherheitspartnerschaft vereinbart. Sie beinhaltet unter anderem eine Ansprechstelle beim Landeskriminalamt zur Cyberkriminalität und eine Beratungsstelle der Wirtschaft für Internetkriminalität. Die Experten sind hier zu erreichen: Servicepoint Cybersecurity – im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft Schleswig-Holstein (servicepoint-cybersecurity.de)

Murmann

Der Präsident der Unternehmensverbände Nord, Philipp Murmann, erinnerte daran, dass «gerade in Krisen die Abstimmung zwischen Wirtschaft und Politik wichtig  ist». Als akute Themen hob er die hohen Energiepreise, die angestrebte Klimaneutralität und Fachkräftemangel hervor. Die Folgen des Ukraine-Konflikts für die hiesige Wirtschaft würde er angesichts des geringen Handelsvolumens mit Russland nach heutigem Stand «nicht dramatisieren».

Der Mittelstandsbeirat war 2017 zum Start der Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein gebildet worden. Außer dem Minister gehören ihm Experten und Praktiker aus Industrie, Handel, Handwerk, Wirtschaftsförderung, Freien Berufen und Wissenschaft an. Buchholz kündigte an, die Einrichtung im Falle einer FDP-Beteiligung an der künftigen Landesregierung nach der Landtagswahl im Mai auf jeden Fall fortbestehen zu lassen.

Buchholz begeistert: Im Februar brummte es wie seit 40 Jahren nicht mehr am Arbeitsmarkt

Mit der niedrigsten Zahl an Jobsuchenden in einem Februar seit 41 Jahren zeigt sich der Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein weiter in Bestform: „Angesichts zweier Pandemie-Jahre in Folge ist das schon eine beeindruckende Zahl“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz zu den heute veröffentlichen Daten der Bundesagentur für Arbeit. So sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,9 Prozent. Gegenwärtig sind 83.077 Menschen in Schleswig-Holstein arbeitslos. Damit wurde Vor-Corona Niveau von 85.100 Arbeitslosen im Februar 2020 unterschritten. Selbst im „Rekord-Februar“ 1981 war die Zahl geringfügig höher.

Weiter sagte der Minister zu den Februar-Zahlen des SH-Arbeitsmarktes – Audio starten, Pfeil klicken…

Eine Prognose ist laut Buchholz angesichts der politischen wie wirtschaftlichen Gesamtlage allerdings schwierig. „Wir schauen mit größter Sorge auf die menschlichen Tragödien des Krieges in die Ukraine und es ist klar, dass alles natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein haben wird. Andererseits können wir optimistisch sein, weil die weitere Rücknahme der Corona-Beschränkungen sich positiv auswirken wird.“

Buchholz appellierte vor diesem Hintergrund eindringlich an die Unternehmen, die Öffnungsschritte dazu zu nutzen, wieder mehr Betriebspraktika anzubieten: „Die vor uns liegenden Monate sind die Zeit der beruflichen Orientierung von Schülerinnen und Schülern. Berufliche Orientierung bedeutet eigene Stärken, Talente und Interessen sowie Arbeitsfelder in der Praxis kennenzulernen. Praxisnahe Berufsorientierung ist der erfolgreichste Weg zu einer individuellen Berufswahlentscheidung.“ Betriebspraktika seien durch die Corona-Einschränkungen in den letzten Jahren selten möglich gewesen. Es sei deshalb jetzt wichtig, dass Betriebe sich bei den jungen Menschen vorstellen und sie für eine duale Ausbildung – noch für dieses Jahr – begeistern. „Gut ausgebildete junge Menschen sind die Fachkräfte von morgen, die wir dringend brauchen“, so Buchholz

Spitzentreffen mit Ministerpräsident Günther zu den Folgen des Kriegs für SH

Mit Spitzenvertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften haben Ministerpräsident Daniel Günther, Finanzministerin Monika Heinold und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz heute mögliche Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine für Schleswig-Holstein erörtert.

Minister Buchholz und UV-Präsident Murmann

Zu den zentralen Punkten des Gedankenaustauschs gehörten vor allem die Auswirkungen der gegen Russland beschlossenen Sanktionen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sowie ökonomische und soziale Folgen der massiv steigenden Energiepreise. Einig war die Runde nach Angaben des Regierungssprechers  hinsichtlich der Unausweichlichkeit von Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Laura Pooth (DGB) und Ministerpräsident Günther

Nach Einschätzung  von UV-Nord-Präsident Philip Murmann und Minister Buchholz sei Schleswig-Holstein ökonomisch von dem Krieg derzeit noch nicht sehr stark betroffen, auch wenn knapp 300 Betriebe enge Beziehungen zu Russland unterhielten. Die Auswirkungen auf die süddeutsche Automobilbranche hingegen seien erheblich. So beziehen die meisten Produzenten vor allem Kabel und Kabelstränge aus der Ukraine. Durch den Verlust ukrainischer Fahrer gerieten zudem polnische Spediteure in erhebliche Schwierigkeiten. Als Haupt-Risikofaktoren machten Buchholz und Murmann neben den Energiepreisen vor allem mögliche Cyberattacken und überlastete Transportwege aus. Auch die Maritime Wirtschaft gerate zunehmend unter Druck.  

Einhellig begrüßt wurde in der Runde die Ankündigung der Bundesregierung, die Verteidigungsausgaben um 100 Milliarden Euro zu steigern. Hiervon werde die Rüstungsindustrie in Schleswig-Holstein erheblich profitieren.

«Wir haben eine starke wehrtechnische Industrie mit qualifizierten Arbeitsplätzen, die dafür einen hervorragenden Beitrag leisten kann», sagte Buchholz.

Für die Leistungsfähigkeit der Wehrtechniksei es wichtig, die Fähigkeiten der Unternehmen in die Programme der Bundesregierung einzubringen. Es passe auch nicht in die Zeit, Investitionen in Wehr- und Rüstungstechnik als nicht nachhaltig zu kritisieren. Buchholz sagte weiter – Audio starten…

Im Norden dominiert der Marineschiffbau. So werden in Kiel U-Boote und Korvetten gebaut, aber auch wichtige Zulieferprodukte kommen von hier. Zum Arbeitskreis Wehrtechnik im Land gehören nach Angaben seines Vorsitzenden Dieter Hanel 30 Unternehmen mit 7300 Beschäftigten, 16 davon aus dem Marineschiffbau. Im Land werden auch gepanzerte Fahrzeuge gebaut und Entwicklungsleistungen für solche erledigt. Die Produkte gehen sowohl an die Bundeswehr als auch in den Export in zahlreiche Länder. Das jährliche Umsatzvolumen der Branche im Land liegt Hanel zufolge zwischen einer und zwei Milliarden Euro. Die jeweilige Summe hängt auch davon ab, wann ein Großauftrag abgerechnet wird, zum Beispiel über ein U-Boot.

Günther bekräftigte unterdessen noch einmal die Entschlossenheit der Landesregierung, den Bau eines LNG-Terminals für verflüssigtes Erdgas in Brunsbüttel mit Hochdruck voranzutreiben. «LNG ist eine Alternative zu russischem Gas, und perspektivisch soll dieses Terminal auch für die Aufnahme von grünem Wasserstoff geeignet sein», erklärte er. Der Bund müsse das Planungs- und Genehmigungsrecht zügig beschleunigen.

Ministerin Heinold

«Angesichts des Klimawandels und der sicherheitspolitischen Relevanz muss es bei der Energiewende jetzt in Rekordtempo vorangehen», äußerte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). «Wir brauchen einen Pakt für energiepolitische Unabhängigkeit.» Dafür müssten Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen.

«Wir dürfen keine Zeit verlieren, um unsere Energieversorgung zu diversifizieren», erklärte UV Nord-Präsident Murmann. Industrie und Wirtschaft seien auf eine wettbewerbsfähige und zuverlässige Energieversorgung angewiesen. Ungehemmt steigende Energiepreise würden den dringend benötigen Aufschwung nach der Pandemie abwürgen.

IHK-Chef Hansen

Die direkten Belastungen der EU-Sanktionen gegen Russland seien für die meisten Unternehmen im Land beherrschbar, sagte IHK-Vizepräsident Knud Hansen. Gleichwohl sei die Betroffenheit in Einzelfällen hoch, etwa wegen ausstehender Zahlungseingänge oder logistischer Hindernisse für Warentransporte. So fehlten plötzlich Zehntausende ukrainische Lastwagenfahrer in Diensten polnischer Spediteure auch für Fahrten in Westeuropa. Die Ausschläge an den Rohstoff-, Energie- und Getreidebörsen träfen alle Gewerbetreibenden und Verbraucher. Zu befürchten sei auch, dass das Russlandgeschäft hiesiger Unternehmen vorübergehend zum Erliegen komme.

«Um die Rohstoffabhängigkeit zu minimieren, steht die schnelle Umsetzung der Energiewende ganz oben auf der Tagesordnung», sagte die Vorsitzende des DGB Nord, Laura Pooth. Energie-, Heiz- und Mobilitätskosten müssten auch für Haushalte mit niedrigem Einkommen bezahlbar bleiben. Es drohten Mehrkosten von monatlich 100 Euro pro Familie. Zusätzliche Belastungen müsse die Politik abfedern. So würde ein vorübergehender Gaspreisdeckel entlastend wirken.

Buchholz bringt Bundesbeteiligung an Brunsbütteler LNG-Konsortium ins Gespräch

Durch den Konflikt mit Russland geraten Pläne für den Bau eines Flüssiggas-Terminals in Brunsbüttel in den Fokus. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Buchholz bringt eine Staatsbeteiligung am Betreiber-Konsortium ins Gespräch. Und er schlägt noch mehr vor.

LNG-Terminal in Rotterdam

Schleswig-Holstein setzt auf einen zügigen Bau des Terminals für Flüssigerdgas (LNG) in Brunsbüttel. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) brachte heute eine Staatsbeteiligung am Betreiberkonsortium ins Gespräch. «Auch wenn ich sonst angesichts vieler rentabler LNG-Terminals weltweit nicht viel von staatlichem Unternehmertum halte, scheint es mir in der jetzigen Ausnahmesituation ebenso geboten wie eine forcierte Beschleunigung sämtlicher Genehmigungsverfahren», sagte Buchholz der Deutschen Presse-Agentur. Der Bund müsse die sonst oft jahrelangen Genehmigungsverfahren drastisch abkürzen. «Hier geht es um pure Versorgungssicherheit», unterstrich Buchholz.

Skizze des geplanten LNG-Terminals Brunsbüttel

Er schlug vor, per Gesetzesänderung für eine sofortige Vollziehbarkeit des Baurechts zu sorgen. Das Planfeststellungsverfahren könne auf eine Klageinstanz reduziert werden. Mit Bundesbürgschaften allein, wie sie CDU-Landtagsfraktionschef Tobias Koch ins Spiel gebracht hat, sei es nicht getan. Die Unternehmen bräuchten eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive für die Nutzung von Flüssiggas in Deutschland.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte als Reaktion auf den Ukraine-Krieg und die Abhängigkeit von russischem Erdgas den schnellen Bau von zwei LNG-Terminals in Deutschland angekündigt. Er nannte am Sonntag im Bundestag als Standorte Brunsbüttel und Wilhelmshaven. Nach früheren Angaben des Projektträgers German LNG Terminal GmbH soll das Terminal in Brunsbüttel eine Kapazität von rund acht Milliarden Kubikmeter Erdgas haben und mit rund 450 Millionen Euro eine der bedeutendsten Industrieansiedlungen im Norden sein.

CDU-Fraktionschef Koch betonte, unter realistischen Annahmen sei erst in vier bis fünf Jahren mit der Fertigstellung zu rechnen. «Es braucht ein Beschleunigungsgesetz des Bundes, mit dem die weiteren Planungs-, Genehmigungs- und Vergabeverfahren radikal verkürzt werden», sagte Koch der dpa. «Das finanzielle Risiko des Investoren-Konsortiums sollte durch Bürgschaften des Bundes weitgehend reduziert werden, damit weitere Bauverzögerungen aus betriebswirtschaftlichen Gründen ebenfalls ausgeschlossen sind.»

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) will das Projekt zügig vorantreiben. «LNG ist eine kurzfristige Alternative zu russischem Erdgas», sagte er dem Sender NDR Info. Flüssiggas-Terminals seien gut geeignet, einen möglichen Ausfall von Erdgaslieferungen aus Russland kurzfristig zu kompensieren. «Und wenn der Bau beschleunigt wird, und wenn alles rund um die Infrastruktur geklärt ist, dann ist das in der Tat etwas, was uns sehr, sehr schnell helfen kann.»

Auch der FDP-Energiepolitiker Oliver Kumbartzky sprach sich dafür aus, das Planfeststellungsverfahren auf eine Klageinstanz zu reduzieren, «damit der Bau des LNG-Terminals nicht über viele Jahre verzögert wird».

Nach Ansicht der Energie-Experin Ingrid Nestle der Grünen-Bundestagsfraktion wird in einem Gesamtpaket Energiesicherheit vermutlich auch Flüssiggas eine Rolle spielen. «Allerdings bleibt mit LNG nicht nur die Abhängigkeit von dann anderen Ländern bestehen. Es handelt sich hier auch um teure Energie.» Flüssiggas sei kein Mittel gegen hohe Energiepreise.

Eine Sprecherin der German LNG Terminal GmbH sagte, das Unternehmen habe die erneute Bekräftigung des Interesses der Bundesregierung an einer LNG-Terminalinfrastruktur in Brunsbüttel wahrgenommen. «Insgesamt liefen und laufen daher Gespräche auf verschiedensten politischen Ebenen.»

Dagegen bekräftigte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ihre Bedenken. «Es gibt noch viele offene Fragen», sagte DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner der dpa. Bis dato habe es in Deutschland eine sehr gut ausgebaute Energieinfrastruktur gegeben – mit großen Überkapazitäten im Bereich Gas.

Tourismus: Trotz gemischter Bilanz 2021 ist für Bunge und Buchholz der Aufschwung in Sicht

TA.SH-Geschäftsführerin Bettina Bunge präsentiert die Jahresbilanz – Tourismusminister Buchholz war zugeschaltet

Auch wenn der SH-Tourismus dank früher Corona- Modellprojekte immer noch über dem Bundesdurchschnitt liegt – es blieb 2021 eine Menge Luft nach oben. Das ist das Fazit der heutigen Jahresbilanz, die die Chefin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH), Bettina Bunge, in Kiel vorstellte.

Wegen der Pandemie startete das Geschäft erwartungsgemäß verzögert, nämlich erst am 17. Mai 2021 nach viereinhalb Monaten Lockdown. Dennoch wurden im echten Norden 32,38 Millionen Übernachtungen generiert. „Und damit ist das Jahresergebnis deutlich besser als in 2020. Aber um an das Vor-Corona-Jahr 2019 anzuschließen, fehlen noch knapp 3,6 Millionen Übernachtungen“, sagte Bunge.

Tourismusminister Bernd Buchholz zeigte sich unterdessen mit Blick auf die kommende Saison trotz aller Unwägbarkeiten zuversichtlich: Weiter sagte Buchholz – Audio starten, Pfeil klicken…

Buchholz erinnerte weiter daran, dass die Bilanz in vielen Betrieben gemischt ausfällt. So gebe es die, die durch die Premiumlage am Strand ein Spitzenergebnis erzielten, aber eben auch viele Betriebe aus Tourismus-, Freizeit- und insbesondere Veranstaltungswirtschaft, die erheblich gelitten haben und noch lange nicht über den Berg sind.

Hier die Pressekonferenz im Livestream-Mitschnitt:

Im Vergleich mit den anderen Bundesländern stehe Schleswig-Holstein sehr gut da, aber auch da werde der Wettbewerb in Kürze wieder deutlich anziehen, wenn 2022 die europäischen Ziele und 2023 die Fernziele wieder mehr in den Fokus der Reisenden rückten, so Buchholz.

Nach den Worten von TA.SH-Chefin Bunge sei das Jahr 2021 sehr differenziert zu betrachten. „Das Incoming-Geschäft aus unseren wichtigsten ausländischen Quellmärkten Dänemark, Österreich und Schweiz ist nach wie vor verschwindend gering. Es ist noch nicht einmal die Hälfte des Niveaus von 2019 erreicht. Das Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft ist noch immer in schwierigem Fahrwasser“, so die Geschäftsführerin.

Sie führte weiter aus: „Wie bereits in den Vorjahren sind die Menschen auch 2021 vorwiegend an die Küsten von Nord- und Ostsee gereist. Die größten Volumenbringer waren die Kreise Nordfriesland (mit 8,8 Mio. Übernachtungen), Ostholstein (7,9 Mio. Übernachtungen) und die kreisfreie Stadt Lübeck (1,76 Mio. Übernachtungen). Dabei ist durchaus eine Konzentration auf die Sommermonate zu verzeichnen. Die hohen Gästezahlen im Sommer bedeuten auch einen Stresstest für Einwohnerinnen und Einwohner. Die Besucherakzeptanz wird eines der wichtigen Aufgabenfelder für die nähere und weitere Zukunft im Tourismus werden“, ist sich Bunge sicher.

Die Hauptaufgabe der TA.SH bleibt es laut Bunge weiterhin, die Nebensaison und die Region zwischen den Küsten zu bewerben und so zur saisonalen und geografischen Verteilung der Gästegruppen beizutragen. „echt nordiSH“ lautet der Claim der aktuellen Kampagne der TA.SH. Diese Hauptkampagne startete im Herbst/Winter 2020/21 und wird jetzt um die Themenlinien „Das Mehr zwischen den Küsten“, „Fahrradland Schleswig-Holstein“, „Küstenweisheiten“ sowie „Kulinarik“ (dies exklusiv für den dänischen Markt) ausgedehnt. Die Ausspielung der Themenlinien ist im Frühjahr sowie in der Herbst-/Wintersaison 2022 geplant.

Nun will auch Kanzler Scholz ein LNG-Terminal in Brunsbüttel – und ein zweites in Wilhelmshaven

Nach Bundesminister Habeck (Grüne) rennt nun auch Bundeskanzler Scholz (SPD) bei Wirtschaftsminister Buchholz (FDP) und der Wirtschaft offene Türen in Richtung eines Brunsbütteler LNG-Terminals ein: In seiner Regierungserklärung zum Ukraine-Krieg kündigte der Kanzler heute sogar gleich den Bau von zwei Import-Terminals für verflüssigtes Erdgas, kurz LNG, in Deutschland an.

Heute in den Lübecker Nachrichten…

«Wir haben die Entscheidung getroffen, LNG-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven schnell zu bauen“, sagte Scholz im Bundestag mit Blick auf das Ziel, Deutschland künftig weniger stark als bisher vom russischen Erdgas abhängig zu machen. «Wir werden umsteuern, um unsere Importabhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu überwinden», sagte Scholz. Zudem seien die LNG-Terminals für die Energiewende sinnvoll, weil sie in Zukunft auch grünen, also mit Ökostrom erzeugten Wasserstoff aufnehmen können.

Buchholz – der zuletzt im Interview mit den „Lübecker Nachrichtigen“ (heutige Sonntagausgabe) immer wieder Druck für ein Terminal gemacht hatte, zeigte sich zufrieden mit der Ansage des Bundeskanzlers. «Wenn nun niemand mehr auf der Bremse steht und keiner klagt, könnte das Terminal in fünf Jahren in Brunsbüttel stehen», so der Nord-Liberale.

Buchholz sagte weiter – Audio starten, Pfeil klicken

Und im LN-Interview am letzten Donnerstag sagte Buchholz im Gespräch mit LN-Korrespondent Wolfram Hammer (Video starten)

Der Minister erinnerte weiter daran, dass durch einem Ausfall von russischem Gas nicht nur Deutschland, sondern im Westen auch Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien oder die Schweiz betroffen seien. «Hier müssen überall Ausfälle kompensiert werden. Damit wird es eng, bei den europäischen LNG Importkapazitäten», so Buchholz. Die deutschen Terminal könnten in etwa 15 Jahren auf den Import von erneuerbarem Ammoniak umgerüstet werden. Ammoniak könne zurückverwandelt werden in erneuerbaren  Wasserstoff.

In Brunsbüttel wurde bereits LNG direkt vom Schiff auf LkW verladen

Buchholz: «Mit anderen Worten: Die Nachnutzung für den Import von erneuerbaren Gasen ist möglich und sinnvoll.» Zudem benötige man Gaskraftwerke für ein Backup für die Energiewende mit Strom auf Wind und Solar, um Schwankungen auszugleichen. Diese müssen in den nächsten Jahren auch mit Gas beliefert werden, andernfalls drohten echte Engpässe. Weiter erinnerte Buchholz daran, dass in Schleswig-Holstein von den Genehmigungsbehörden bereits seit Jahren auch sicherheitsrelevante Fragen beurteilt werden. «Nach derzeitigem Stand ist der Bau samt Genehmigungen in etwa fünf Jahren möglich», so der Minister.

Auch Niedersachsen will nun alles daran setzen, die Planungen für das Terminal in Wilhelmshaven voranzutreiben, erklärte Energieminister Olaf Lies. Nach seiner Einschätzung könne dort bereits 2024 mit der Anlandung von Flüssiggas begonnen werden. Unterdessen gibt es weder in Brunsbüttel noch in Wilhelmshaven endgültige Entscheidungen der Investoren für den Bau von Terminals. In Brunsbüttel hat das Investoren-Konsortium „German LNG Terminal“ zwar schon Pläne vorgelegt, aber zögert mit einem Beschluss, weil es noch prüft, ob das Projekt wirtschaftlich ist. Nach der Ankündigung von Scholz wird das nun allerdings wahrscheinlicher, weil die Investoren offenbar auf Hilfe vom Staat hoffen können.

Und hier ein Auszug aus der Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz zum Thema Energiesicherheit und LNG

Tourismusminister Buchholz in „Meerzeit“-Mission an der Westküste

„Meerzeit“-Gastgeberin Nadine Herrmann mit Buchholz im frisch renovierten Bad

Sonniger Westküstentag für Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz: Zusammen mit „Hausherrin“ Nadine Herrmann und Büsums Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje eröffnete Buchholz heute nach mehr als zwei Jahren Sanierung das frisch renovierte Wellenbad „Meerzeit Büsum“ samt Spa-Bereich. An den 22 Millionen Euro zur Umgestaltung der „Meerzeit“ beteiligt sich das Land mit einer Förderung von 13,5 Millionen Euro.

Geld, das Buchholz gut investiert sieht: „Mit dieser Rekordinvestition wird das Nordseeheilbad als touristische Destination deutlich aufgewertet. Zugleich steigert es die Lebensqualität in ganz Dithmarschen.“

Im Gespräch mit dem NDR sagte der Minister weiter – Audio starten, Pfeil klicken

„Für die Meerzeit lohnt es, sich viel Zeit zu nehmen“, warb Nadine Herrmann vor rund 100 geladenen Gästen. Die Leiterin des Bads will weiterhin Familien und Paare ansprechen. Das Publikum soll aber vielfältiger werden: „Wir bieten jetzt Wellen, Wellness und Weite. Mit unserem neuen Spa wird Büsum zum Beispiel auch für einen Kurzurlaub im Winter ein perfektes Ziel.“

Buchholz beim Anflug auf den Flugplatz Wyk auf Föhr

Zweiter Anlaufpunkt an diesem Tag war die Insel Föhr – hier traf Buchholz sich mit mehreren Entscheidungsträgern, um über die Ausrichtung der Verkehrspolitik auf der Insel in den kommenden Jahren zu beraten. Hintergrund sind unter anderem künftige EU-Vorgaben für Emissionen im Schiffsverkehr sowie andere Umweltvorgaben.

Buchholz zu Russland-Sanktionen: Wir müssen bereit sein, den Preis mitzuzahlen

Auch zwei Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ist die Fassungs- und Hilflosigkeit in der gesamten westlichen Welt spürbar. Die demokratischen Staaten setzen auf eine einzige Waffe, auch, wenn sich Rußlands Präsident Putin davon bislang wenig beeindruckt zeigt: auf Sanktionen. Und für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz ist klar: schon aus humanitären Gründen werden wir alle bereit sein müssen, finanzielle Opfer zu bringen. Video starten.